Seltene Kleine Teichrose erforscht

Mit ihrer Maturaarbeit zum Thema «Retrospektives Monitoring der Nuphar Pumila im Gräppelensee» gewann Larissa Graf aus St. Gallenkappel am nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht den Sonderpreis von Aqua Viva.

Raffaela Arnold
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Larissa Graf erhielt für ihre aufwendige Maturaarbeit bei Schweizer Jugend forscht einen Sonderpreis. (Bild: Riechsteiner Fotografie/Schweizer Jugend forscht)

Larissa Graf erhielt für ihre aufwendige Maturaarbeit bei Schweizer Jugend forscht einen Sonderpreis. (Bild: Riechsteiner Fotografie/Schweizer Jugend forscht)

WILDHAUS-ALT ST. JOHANN. Retrospektives Monitoring heisst so viel wie die Überwachung eines Systems über einen bestimmten Zeitraum, wobei auch in die Vergangenheit geblickt wird. Dies machte sich Larissa Graf 2014 zum Thema ihrer Maturaarbeit: Sie beobachtete die Entwicklung der Kleinen Teichrose im Gräppelensee in Wildhaus über ein Jahr lang und wertete zudem alte Luftaufnahmen aus einer Zeitspanne von 80 Jahren aus. Zusätzlich hatte sie die Möglichkeit, in einer Forschungsgruppe mitzuwirken, die sich das Ziel gesetzt hat, Proben der Kleinen Teichrose aus verschiedenen Ländern zu sammeln und diese genetisch zu analysieren, das heisst, die Verwandtschaft unter den einzelnen Populationen zu vergleichen und Informationen über die Herkunft zu erhalten.

An nur vier Standorten

Die ursprüngliche Idee war es, etwas über die Genetik zu verfassen. «Weil aber die Untersuchung des Erbgutes der Kleinen Teichrose den Rahmen einer Maturaarbeit gesprengt hätte, musste ich einen nahen Themenbereich davon suchen», erzählt Larissa Graf. Die Kleine Teichrose ist Teil einer Langzeitstudie an der Kantonsschule Wattwil und es wurden bereits Maturaarbeiten darüber verfasst.

Die Pflanze ist deshalb so interessant, weil sie sehr selten ist und nur an vier Standorten in der Schweiz wächst. Die Population im Gräppelensee könnte eine der letzten reinen sein, denn die Kleine Teichrose bildet mit der nahen Verwandten Gelbe Teichrose Hybride. Ob sie wirklich die einzige reine ist, werden die genetischen Analysen sagen können. Die Kleine Teichrose ist ein Relikt aus der Eiszeit, das heisst, sie kommt nur in Gewässern vor, die während der letzten Eiszeit von Gletschern überdeckt waren.

Proben gesammelt

«Mein Glück war es, dass mein Betreuer Rolf Heeb gute Kontakte zu Personen hatte, die sich mit der Kleinen Teichrose beschäftigten. So kam ich zu Gregor Kozlowski, der mit einer Forschungsgruppe zusammenarbeitete.» Ihre Aufgabe in der Gruppe bestand darin, Proben der Schweizer Bestände zu sammeln und das gesamte Vorkommen zu dokumentieren, um einen Überblick über die Fundstellen zu erhalten. Alle Proben wurden im Labor in Lausanne untersucht. «Je ähnlicher das Erbgut ist, desto näher verwandt sind die beiden untersuchten Pflanzen.» Die Resultate der Forschungsgruppe sind noch nicht veröffentlicht worden.

Eigenständiger Teil der Arbeit

Da die Resultate der Forschungsgruppe aber bis zur Abgabe der Maturaarbeit nicht vorhanden sein würden, suchte Larissa Graf sich einen zweiten Bereich für die Arbeit. So kam sie dazu, alte Luftbildaufnahmen und eigene Bilder vom See auszuwerten. Die Luftbildaufnahmen stammten von Swisstopo und deckten eine Zeitspanne von 80 Jahren ab. Für die eigenen Aufnahmen wanderte Graf alle zwei bis drei Wochen auf den Lütispitz, um die Seefläche fotografieren zu können. «Dies war der zeitaufwendigste Teil.» Von der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann bekam sie die Erlaubnis, vom Parkplatz Laui bis zum See hinaufzufahren. Die vorhandenen Bilder wertete sie aus. «Ich erfuhr, wann die Kleine Teichrose mit der Blattproduktion beginnt und wie sich die Blattfläche verändert.» Beim Vergleich mit den alten Luftbildaufnahmen stellte sie fest: «Die grosse Blattfläche blieb durch die Jahre erhalten. Das bedeutet, dass der Gräppelensee ein natürlicher und sicherer Standort ist, um die Art weiter zu erhalten.» Neben den natürlichen Vorkommen in vier Gewässern der Schweiz kommt die Kleine Teichrose auch in mehreren Botanischen Gärten sowie in Aufzuchtstellen vor.

Sonderpreis gewonnen

Am Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht gewann Graf den Sonderpreis von Aqua Viva. Neben 500 Franken Preisgeld darf sie einen Weiterbildungskurs zum Thema «Leben im Wasser» besuchen. Auch nach den Resultaten der Forschungsgruppe geht die Arbeit weiter: Jährlich werden Fotos von den Standorten aufgenommen, um die Auswertung zu verbessern. Larissa Graf studiert nun Gesundheitswissenschaften und Technologie an der ETH Zürich. «Mit diesem Studium steigt man in die medizinische Forschung ein», sagt sie.

Die Teichrose ist ein Relikt aus der Eiszeit und kommt nur in Gewässern vor, die während der letzten Eiszeit von Gletschern überdeckt waren. Wie der Gräppelensee. (Bild: pd)

Die Teichrose ist ein Relikt aus der Eiszeit und kommt nur in Gewässern vor, die während der letzten Eiszeit von Gletschern überdeckt waren. Wie der Gräppelensee. (Bild: pd)

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