Sehr viel Spielraum für Forscher

Die EVP lud zu einem Informationsabend mit Ärztin Susanne Lippmann-Rieder vom Expertenkomitee «Nein zum FMedG». Dabei erörterte die Referentin die gegnerische Sichtweise zum Fortpflanzungsmedizingesetz.

Heidy Beyeler
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Susanne Lippmann-Rieder informierte zur Meinung des Komitees «Nein zum FMedG» mittels informativer und klarer Argumentation. (Bild: Heidy Beyeler)

Susanne Lippmann-Rieder informierte zur Meinung des Komitees «Nein zum FMedG» mittels informativer und klarer Argumentation. (Bild: Heidy Beyeler)

BUCHS. Ursula Schweizer begrüsste die Gäste im Namen der EVP und drückte ihre Freude aus, dass Susanne Lippmann-Rieder, Psychiaterin und Psychotherapeutin, für diesen Abend zu gewinnen war, zumal sie einen Tag zuvor im Radio SRF1 im Tagesgespräch ihre Haltung als Expertin zum Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) bereits kundtat.

Die Gegner des FMedG befürchten, dass nach dem Gentech-Mais bald auch der Gentech-Mensch folgen werde – ohne zu wissen, welche Folgen daraus erwachsen.

Ein komplexes Gesetz

Eingangs gab die Referentin zu bedenken, dass es sich beim revidierten FMedG um ein komplexes Gesetz handle, das ein grosses Gebiet tangiere – «nämlich die Ethik». Dabei gelte es den Kontext zu beachten, in welchem die gesamte Fortpflanzungsmedizin stehe. «Wir müssen uns bewusst sein, dass derzeit eine rasante Entwicklung in der Gen-Technologie im Gange ist. Und genau dort gibt es eben auch nicht abschätzbare Gefahren und Interessen.»

Bei der bevorstehenden Abstimmung am 5. Juni geht es im revidierten FMedG um die Änderungen zur Präimplantationsdiagnostik PID. Die neue Regelung befasst sich mit den Details zur PID. So soll laut Lippmann zusätzlich zur bisher erlaubten künstlichen Befruchtung auch die PID für Paare mit genetisch vererbbaren Krankheiten legalisiert und Rahmenbedingungen für die Aufbewahrung der Embryonen festgelegt werden. Grundsätzlich sei man vom Komitee nicht gegen die PID. Aber, die Änderungen des Gesetzes seien derart breit ausgelegt, die den Forschern sehr viel Spielraum im Bereich der PID liessen, deren Folgen allerdings nicht abzuschätzen seien.

Diskriminierung als Folge

Aus der Sicht der Gegner würden die Änderungen, so wie sie im revidierten FMedG vorgesehen sind, weit über die generellen Zusagen zur PID hinausgehen. Die Anzahl Embryonen dürften massiv erhöht und das Einfrieren der Embryonen erlaubt werden, was dazu führte, dass Embryonen dem «Verbrauchsmaterial» zur Reproduktion von Menschen gleichgestellt würden. Susanne Lippmann-Rieder kritisiert, dass dabei zwischen lebenswertem und nichtlebenswertem Leben entschieden werde. «Hier wird das Beste ausgewählt und das, was nicht der Norm entspricht, ausgesondert.» Die Aussortierung von Embryonen mit genetisch bedingten Krankheiten führe unweigerlich zu einer Diskriminierung von Behinderten in unserer Gesellschaft, weil Behinderungen bei diesen Möglichkeiten als «vermeidbares Risiko» betrachtet werden könnten.

Salamitaktik

Die Referentin befürchtet, dass mit der Annahme des revidierten FMedG eine Salamitaktik von kleinen Schritten hin zu weiteren Konzessionen unvermeidbar folgten, was einer schrankenlosen Fortpflanzungsmedizin gleichkomme: Der Wahl des Geschlechts, des Aussehens und der Intelligenz des Wunschkindes würde nichts mehr im Weg stehen. «Das ist ethisch nicht vertretbar.» Dass das möglich ist, beweist, was in der Landwirtschaft bereits praktiziert wird, wo Kühen gesexte Spermas eingepflanzt werden, damit Kuhkälber statt Stierkälber zur Welt kommen.

Im Anschluss an das Referat wurde in der Diskussion festgestellt, dass das revidierte FMedG etliche Fragen unbeantwortet lässt, weil die Texte unverbindlich verfasst sind und somit keine Klarheit darüber bestehe, was wirklich Sache sei und so Forschern Tor und Tür öffnen würde.