«Sehe neuen Lehrplan als Chance»

Lehrpersonen trafen sich zur HV des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, Sektion Werdenberg. Der Jahresbericht beinhaltete kritische, aber auch aufmunternde Elemente für die Zukunft.

Heidy Beyeler
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Im Namen des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes Werdenberg sagte Co-Präsidentin Karin Berger Christoph Friedrich Adieu mit einem Glas Bienenhonig fürs Frühstück und einer Flasche Wein für den Abend. (Bild: Heidy Beyeler)

Im Namen des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes Werdenberg sagte Co-Präsidentin Karin Berger Christoph Friedrich Adieu mit einem Glas Bienenhonig fürs Frühstück und einer Flasche Wein für den Abend. (Bild: Heidy Beyeler)

Zur Einstimmung in die Versammlung gab es Vorträge von einem Ensemble der Musikschule Werdenberg unter der Leitung von Markus Nauer. Der musische Beitrag passte gut zur Hauptversammlung des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (KLV), Sektion Werdenberg. Es entstand geradezu eine auflockernde Stimmung in der Turnhalle.

In seinen Grussworten erinnerte (noch) Schulratspräsident Christoph Friedrich, Sennwald, an den vergangenen Mittwoch. Dabei sei ihm einmal mehr bewusst geworden, welch wichtigen Auftrag die Schule habe. «Ich bin immer noch ein wenig sprachlos, dass es ein Land wie die USA mit derartigen Bildungsstrukturen nicht schafft, Werte zu vermitteln.» Auch in Sennwald habe es Wahlen gegeben und das Präsidium der Schule sei neu bestellt worden.

«Der Unterschied ist aber riesig. Wir haben mit einer wesentlich kleineren Bürgerschaft eine bessere Präsidentin gefunden», sagte Christoph Friedrich zufrieden. «So kann ich mit gutem Gewissen Ende Jahr mein Amt ablegen. Ich sehe den neuen Lehrplan als Chance für eine zeitgenössische und lebensnahe Bildung – für das Leben unserer Zukunftsträger – der Schüler.» Für seine Worte erhielt Christoph Friedrich einen langanhaltenden Applaus aus der Lehrerschaft.

Brandaktuelles Thema: Lehrplan 21

Co-Präsident Florian Zäch stieg mit seinem Jahresbericht verheissungsvoll ins Thema ein. «Auch unsere Schüler müssen zu aktuellen Themen und zu Kontroversen Stellung beziehen können und dabei ihre Positionen zu persönlichen Erfahrungen im schulischen und ausserschulischen Alltag begründen», erklärt Florian Zäch. «Unsere Schüler sollen in Konsens- und Konfliktgesprächen ihre eigene Meinung in Mundart und Standardsprache zum Ausdruck bringen und sich mit Argumenten stützen», bekräftigt Zäch. Im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen stehen insbesondere in Grabs und Gams zweite Wahlgänge an, stellte Florian Zäch fest: «In Grabs wird aus der Schulgemeinde eine Einheitsgemeinde, in Gams wird die amtierende Schulratspräsidentin frontal aus mehreren Richtungen angegriffen. Bei diesen politischen Veränderungen bleibt nur zu hoffen, dass die Schule und vor allem die Menschen dahinter nicht in Vergessenheit geraten.»

Im weiteren gab der Co-Präsident zu bedenken, dass «mit dem zu erwartenden weiteren Rechtsrutsch» der KLV noch mehr darauf Acht geben müsse, damit <Schulreformen> nicht als versteckte Sparpakete herhalten müssen.» Zäch wundert sich – je mehr er sich mit der Materie Wirtschaft – Arbeit – Haushalt (WAH) befasst – über die Vertheoretisierung des Fachs Hauswirtschaft und den damit verbundenen Abbau der praktischen Arbeiten. Neben dem Thema «Ernährung und Gesundheit» werden dann auch noch die Themen «Produktions- und Arbeitswelten, Lebenszeit», «Handel, Märkte und Geld» sowie «Haushalten und Zusammenleben» in den Bereich WAH eingepackt. Mit den Worten: «Ich appelliere daher an alle zuständigen Schulleiter und Schulbehörden, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dieses Fach vor allem auch zum Wohl der schulisch schwachen Schüler möglichst praxisorientiert unterrichtet werden kann.»

Comedy statt Referat

Zum Abschluss trat Simon Libsig, Wortakrobat, Wortfechter, Poet, Autor, Scharfdichter und vieles mehr, vors Publikum. Angekündigt war das Referat: «Sprechstunde – Geschichten mit Nebenwirkungen». Das war kein Referat, das war Comedy. Es ist verblüffend, wie Libsig mit Worten und der Sprache umgehen kann. Ein Beispiel: «Wir leben in einer furchtbaren Zeit, äh, fruchtbaren Zeit.» Weitere Beispiele muss man lesen oder sie selber an einem Anlass oder bei einem Besuch in einem Kleintheater anhören. Er schafft es auf jeden Fall, das Publikum während einer vollen Stunde zum ununterbrochenen Lachen zu bringen bzw. bei Laune zu halten. Das war ein schöner Abschluss einer interessanten und differenzierten Hauptversammlung.