Sechs Jahre Haft für Treuhänder

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Vaduz Das Liechtensteiner Krimi­nalgericht hat einen 68-jährigen Rechtsanwalt und Treuhänder aus Vaduz am Mittag wegen des Verbrechens der Untreue, des schweren Betrugs und der Geldwäscherei schuldig gesprochen.

Der Angeklagte war vollumfänglich geständig. Er schäme sich zutiefst und wolle sich bei den Geschädigten in aller Form entschuldigen, sagte er gleich zu Prozessbeginn. Den materiellen Schaden konnte er damit allerdings nicht wiedergutmachen. Auch nicht die Tatsache, das Vertrauen von engen Freunden ausgenutzt zu haben. Rund 13 Mil­lionen Franken hat der 68-Jährige von Kunden, Freunden und Bekannten veruntreut. Mit dem Geld stopfte er nach eigenen Angaben die finanziellen Löcher einer Kosmetikfirma in Mailand, die er gemeinsam mit einer Brasilianerin aufbauen wollte.

Finanzlöcher bei einer ­Kosmetikfirma in Mailand

Tragisch ist ausserdem sein persönlicher tiefer Fall: Der Angeklagte amtierte einst als fürst­licher Justizrichter und war von 1991 bis 2004 Präsident des Liechten­steinischen Staatsgerichtshofes. Entsprechend angesehen war ­seine Person und gross das Vertrauen zu ihm. Dies wertete das Kriminalgericht als erschwerend, ebenso seine «perfide» Vorgehens­weise, wie sie der Senatsvorsitzende bezeichnete. Das Gericht verhängte eine sechsjährige Gefängnisstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Ange­klagte will sich mit seinem Verteidiger besprechen. Es handelte sich bei dem Prozess ausserdem um eine Teilanklage – aller Wahrscheinlichkeit nach wird es zu einer weiteren Verhandlung mit weiteren Anklagepunkten kommen. (bfs)