Schutzengel – seien Sie behütet!

Zum Sonntag

Michael Nolle, Pastoralassistent, Wildhaus und Alt St. Johann
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In diesen herbstlichen Tagen bestaunen wir die wunderschön gefärbten Wälder. Fallen sie auch deswegen so ins Auge, weil auch das Licht, in dem sie erscheinen, ein sehr besonderes ist? Das milchige Herbstlicht, in dem die geschaffenen Dinge einen besonderen Glanz bekommen. Erstaunlicherweise gibt es in diesen Tagen in der katholischen Kirche noch ein Fest, welches meist hinter den Erntedankfeiern in Vergessenheit gerät.

Ich meine das Schutzengelfest am 2. Oktober. In der Kirche wird es vergessen, aber in der Esoterik boomen die Engel. Man liest, dass mehr Menschen an die Existenz eines Schutz­engels glauben, als an einen ­persönlichen Gott. Man kann in der Kirche nicht gut darüber reden, weil man dann schnell in den Verdacht gerät, selbst in einer esoterischen Ecke zu stehen oder aber ein etwas angestaubtes Glaubens­verständnis zu haben. Sei das an dieser Stelle einfach einmal ignoriert.

Mir fällt es noch relativ leicht zu glauben, dass Gott mir einen Schutzengel gesandt hat. Wie oft habe ich das schon erlebt. Die Bewahrung, den Schutz. Man fährt ja täglich Auto, und mich wundert es oft, dass da nicht mehr passiert …

Aber es gibt auch andere Anlässe: Wenn mir plötzlich ein Licht aufgeht, wo ich zuvor nur Probleme und Dunkelheiten gesehen habe. Hat da auch ein Schutzengel seine Hände im Spiel? Oder wenn ich plötzlich stärker als sonst die Stimme des Gewissens vernehme, die mich zu einer guten Entscheidung mahnt. Und nicht zuletzt kenne ich viele Menschen, die meinen Lebensweg kreuzen, und die dann noch eine oftmals wundersame Gabe haben, genau zum richtigen Zeitpunkt anzurufen oder mir gar widersprechen. Ja, ich kenne auch viele Engel in Menschengestalt.

Seltsam ist das alles, seltsam und auch schön.

Was wäre dann, wenn ich noch glauben könnte, dass das ­deswegen so ist, weil ich Gott einfach so wichtig bin, dass er mir einen persönlichen ­Beschützer schickt. Finden Sie nicht auch, dass das ein starkes Stück ist? Und noch einmal anders gewendet heisst dieser Glaube an die Schutzengel auch: Der Himmel ist nicht fern, nicht ganz weit weg. Der Himmel ist uns sehr nahe! Jesus hat das oft zum Ausdruck gebracht. Ich wünsche Ihnen von Herzen gute Erfahrungen mit diesem besonderen Schutz, den uns Gott schenkt. Der Schutzengel ist im Übrigen kein Privileg der Gläubigen. Gott schenkt ihn allen seinen Kindern, weil er eben alle sehr, sehr lieb hat. Seien Sie behütet.

Michael Nolle, Pastoralassistent, Wildhaus und Alt St. Johann