Schutz vor Unwettern wird Pflicht

Die Gebäudeversicherung St. Gallen erwartet von den Hausbesitzern, dass sie ihre Gebäude «angemessen» vor Naturgefahren schützen. Sie unterstützt die Prävention aktiv, hat aber auch neue Sanktionsmöglichkeiten.

Adrian Vögele
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Aufräumarbeiten nach dem Unwetter in Altstätten im Juli 2014: Die Gebäudeversicherung will den Anstieg von Elementarschäden vermindern. (Bild: Hanspeter Schiess)

Aufräumarbeiten nach dem Unwetter in Altstätten im Juli 2014: Die Gebäudeversicherung will den Anstieg von Elementarschäden vermindern. (Bild: Hanspeter Schiess)

ST. GALLEN. Der Sommer scheint sich eine lästige Marotte zugelegt zu haben: mindestens ein heftiges Unwetter samt Überschwemmungen pro Saison. Im Kanton St. Gallen traf es im vergangenen Jahr die Region Wil, ein Jahr davor Altstätten, 2013 Widnau. Die kantonale Gebäudeversicherung (GVA) stellt fest, dass die Schäden durch solche «Elementarereignisse» tendenziell ansteigen. In 85 bis 90 Prozent der Fälle sind Hochwasser, Hagel oder Sturmwinde die Ursache. Im vergangenen Jahr betrug die Summe der Schäden durch Naturereignisse 11,5 Millionen Franken, 6 Millionen entfielen allein auf das Unwetter in der Region Wil.

Nebst der Klimaveränderung sieht die GVA weitere Ursachen für diese Entwicklung. «Heute wird an Standorten gebaut, die man früher wegen der Naturgefahren gemieden hätte», sagte GVA-Direktor Renato Resegatti gestern vor den Medien. Ausserdem würden vermehrt leicht verletzliche Baumaterialien verwendet.

Planer haben Schlüsselrolle

Umgekehrt ist der Trend bei den Brandschäden: Diese nehmen seit Jahren ab. Wegen der Brandschutzvorschriften, die Bedingung sind für Baubewilligungen, brennt es in neuen Bauten seltener als in alten.

Manche Kantone wie beispielsweise Bern gehen bei den Elementarschäden einen ähnlichen Weg: Je nach Standort sind präventive Massnahmen gegen Naturgefahren zwingend für eine Baubewilligung.

Nicht so in St. Gallen: Hier ist in erster Linie die Eigenverantwortung der Hauseigentümer gefragt. «Wir erwarten von ihnen, dass sie ihr Haus gegen die wichtigsten Naturgefahren angemessen schützen», sagt Resegatti. Um die Prävention zu fördern, wurde das Gebäudeversicherungsrecht revidiert. Ein Gebäude gilt als ausreichend geschützt, wenn es «stabil und nach den anerkannten Regeln der Baukunde» gebaut wurde, wenn der Unterhalt nicht vernachlässigt wird und wenn besonderen Gefahren vor Ort durch «geeignete Schutzmassnahmen» Rechnung getragen wird. Da nicht die Bewilligungsbehörde im vornherein prüft, ob ein Projekt diese Bedingungen erfüllt, haben die Baufachleute eine Schlüsselrolle: «Es ist wichtig, dass ein Bauherr die Planer und Handwerker auf diese Punkte anspricht und den Nachweis verlangt, dass die Anforderungen beim Bau eingehalten werden», sagt Resegatti.

Leistungen je nach Vorsorge

Bisher galt bei Elementarschäden in St. Gallen die Regel «alles oder nichts» – entweder bezahlte die GVA den gesamten Schaden oder nichts. Ab 2017 wird das System differenzierter: Die komplette Ablehnung der Versicherungsleistung bleibt bei «schwerwiegenden konstruktiven Gebäudemängeln» weiterhin möglich. Vernachlässigt ein Hausbesitzer seine Vorsorgepflichten in «grober Weise», riskiert er, dass die Versicherungsleistung um bis zu 50 Prozent gekürzt wird. Bei leichteren Mängeln wird nicht die eigentliche Versicherungsleistung gekürzt, sondern ein «gefährdungsbedingter Selbstbehalt» von 8 Prozent einbehalten.

«Diese Regelung bedeutet nicht, dass die GVA künftig weniger Leistungen bei Elementarschäden erbringen will», betont Resegatti. Es handle sich nicht um eine Verschärfung des Rechts, sondern lediglich um eine feinere Abstufung. In manchen Fällen, in denen nach früherem Recht gar keine Versicherungsleistung gezahlt worden wäre, haben die Betroffenen neu Anrecht auf einen Beitrag. Umgekehrt gebe es Fälle, in denen früher die gesamte Schadensumme gedeckt worden wäre, neu jedoch nur noch ein reduzierter Betrag gezahlt werde.

Finanzielle Beiträge

Die meisten der 190 000 versicherten Gebäude im Kanton haben laut Resegatti auch nach neuem Recht Anspruch auf die volle Versicherungsleistung. Bei schätzungsweise 15 bis 20 Prozent bestehe aber Bedarf für einen besseren Schutz vor Naturgefahren.

Die GVA zahlt unter bestimmten Bedingungen auch finanzielle Beiträge an bauliche Schutzmassnahmen. Beispielsweise, wenn ein älteres Haus plötzlich einer erhöhten Überschwemmungsgefahr ausgesetzt ist, weil die Umgebung überbaut wurde. Ausserdem verfügt die GVA über Präventionsspezialisten, die Hauseigentümer punkto Schutz vor Naturgefahren beraten.

In einer neuen Broschüre gibt die Gebäudeversicherung Praxistips zur Vermeidung von Schäden durch Hagel, Hochwasser und Wind. Zum Beispiel: Rollläden hochziehen, wenn ein Sturm angekündigt ist. «Das ist äusserst einfach – aber man muss daran denken», sagt Renato Resegatti. Die Broschüre in digitaler Form und weitere Informationen sind auf der Webseite der GVA – www.gvasg.ch – verfügbar.

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