Schüler sind viel offener als früher

Ennetbühl, Wildhaus und zum Schluss Nesslau waren die Stationen des Sekundarlehrers Ueli Roth aus Wildhaus. Für ihn war während all den Jahren wichtig, die Jugendlichen zu führen, sie zu verstehen, ihnen aber Grenzen zu setzen.

Christiana Sutter
Drucken
Teilen
Ueli Roth vor seinem Haus im Tobel an der Schönenbodenstrasse in Wildhaus. (Bild: Christiana Sutter)

Ueli Roth vor seinem Haus im Tobel an der Schönenbodenstrasse in Wildhaus. (Bild: Christiana Sutter)

WILDHAUS. Ueli Roth wäre am liebsten Landwirt geworden. Denn er ist als zweites von sieben Kindern in Degersheim auf einem Bauernhof aufgewachsen. Der Vater legte ihm aber nahe, einen anderen Beruf zu wählen. Der Berufsberater riet ihm, den Beruf des Bäckers zu erlernen. Ueli Roth lacht, «denn zu jener Zeit war die Lehrstelle in der Dorfbäckerei noch nicht besetzt». Entscheidend mitbeteiligt an seiner Berufswahl waren schliesslich seine Lehrer während der Sekundarschulzeit. «Ich hatte das Glück, von guten Lehrern unterrichtet zu werden.» Ueli Roth wurde selber Sekundarlehrer. Jetzt ist aber Schluss – er trat gestern in den Ruhestand.

Jugendliche suchen Zuwendung

Seine erste Anstellung hatte Roth als Mittelstufenlehrer in Ennetbühl. «Dort unterrichtete ich bis zu 35 Schüler der vierten bis sechsten Klasse.» Er blieb in Ennetbühl bis zum Studium an der Sekundarlehramtsschule in St. Gallen 1975.

Nach dem Studium 1978 zog es ihn wieder ins Toggenburg, nach Wildhaus. Dort kaufte er ein Haus und baute es zusammen mit seinem Bruder, der Zimmermann ist, um. 31 Jahre lang unterrichtete Roth in Wildhaus, dann ab 2009 an der Oberstufe Büelen in Nesslau. Fragt man Ueli Roth nach Prinzipien im Schulunterricht, sagt er: «Die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Schüler und Lehrer ist entscheidend.» Man muss die Schüler ernst nehmen, aufrichtig und ehrlich sein, «und sie so behandeln, wie auch wir behandelt werden möchten». Einen Moment überlegt er. «Gegenüber früher sind die Schüler viel offener geworden.» Ueli Roth lacht, «sie erzählen uns Dinge, die wir früher niemandem anvertraut hätten», das zeuge von Vertrauen. Eines sei sich aber gleich geblieben: Die Jugendlichen suchen Zuwendung.

Ausserberufliches Engagement

Nebst dem Unterrichten engagierte sich Ueli Roth in verschiedenen Gremien. Auch war er 30 Jahre lang Praktikumsleiter von Studenten der PH St. Gallen. «Die letzte Studentin, die ich betreute, war eine ehemalige Schülerin aus Wildhaus.»

Roth engagierte sich auch in der Gemeinde und als Verwaltungsrat der Raiffeisenbank. Ein Amt hat er erst kürzlich übernommen: Das Präsidium des Fördervereins der KlangWelt Toggenburg. «Dieses Amt freut mich sehr, denn die KlangWelt liegt mir am Herzen.» Für die Zukunft versucht Ueli Roth die Balance zwischen spontanen Unternehmungen und vorgenommenen Tätigkeiten zu finden. Eines möchte er auf jeden Fall tun, «die Tagebücher meiner Grossmutter in Kurrentschrift lesen».

Aktuelle Nachrichten