Schmerzhafter Rückschlag für Frauen in der Politik

VADUZ. Seit gut zwanzig Jahren wurden nicht mehr so wenige Frauen in den Gemeinderat der Liechtensteiner Gemeinde gewählt wie am letzten Wochenende. Ein Resultat, das überrascht und viele enttäuscht.

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VADUZ. Seit gut zwanzig Jahren wurden nicht mehr so wenige Frauen in den Gemeinderat der Liechtensteiner Gemeinde gewählt wie am letzten Wochenende. Ein Resultat, das überrascht und viele enttäuscht. Gleichzeitig rüttelt es aber auf und zeigt, dass es Rückschläge gibt, sobald das Thema Gleichstellung nicht mehr konsequent verfolgt wird.

Mehr Frau auf den Listen

Mit insgesamt 56 Kandidatinnen fanden sich dieses Jahr sogar mehr Frauen auf den Wahllisten als 2011. Dennoch wurden massiv weniger Frauen in die Gemeinderäte gewählt. Die Frauenquote reduzierte sich von 27,4 Prozent (2011) um 10 Prozent auf 17,3 Prozent – von den 56 Kandidatinnen wurden lediglich 18 Frauen gewählt. Ein Blick auf die einzelnen Gemeinden zeigt, dass sich in allen Gemeinden ausser in Mauren, Gamprin und Ruggell der Frauenanteil reduziert hat. Ruggell ist mit 37,5 Prozent Frauenanteil – ohne Vorsteherin – Spitzenreiter in Sachen Frauenquote. Drei Frauen liessen sich aufstellen und drei Frauen wurden in den Gemeinderat gewählt. Rechnet man die Vorsteherin Maria Kaiser-Eberle dazu, kommt der Ruggeller Gemeinderat sogar auf eine Frauenquote von 44,4 Prozent – ein Spitzenwert, auch im internationalen Vergleich.

«Mittlere Katastrophe»

Dieses Ergebnis kann aber nicht darüber hinwegtrösten, dass das Resultat aus Frauensicht alles andere als befriedigend ausgefallen ist. Politikerinnen und Politiker sowie Vertreterinnen von Frauen- und Gleichstellungsorganisationen sprechen von einer «mittleren Katastrophe», von einem «miserablen Resultat». Frust macht sich breit. Aber auch Ohnmacht. «Offensichtlich machen wir eine Retro-Entwicklung durch», sagt beispielsweise Frauenrechtlerin Nancy Barouk-Hasler auf Anfrage. Ein solches Ergebnis lasse einen auch an Sensibilisierungskampagnen und den Bemühungen der vergangenen Jahre im Kampf um Chancengleichheit zweifeln. (jak)