«Schmerzhaft, aber konsequent»

«Wir schätzen es, dass Paul Schlegel den Weg freimacht», sagte gestern abend Sven Bradke erleichtert. Der Vizepräsident der FDP Kanton St. Gallen wurde etwas überrascht vom Rückzug von Schlegels Nationalratskandidatur.

Thomas Schwizer
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Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Paul Schlegel nahm als Kantonsratspräsident am Olma-Umzug 2014 teil. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Paul Schlegel nahm als Kantonsratspräsident am Olma-Umzug 2014 teil. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

GRABS/ST. GALLEN. Neben dem medialen Druck habe die offene Aussprache mit dem Parteileitungsausschuss vom Donnerstagabend wohl zum Entscheid von Paul Schlegel geführt, nicht mehr auf der Nationalratsliste der FDP zu kandidieren. Das sagte Sven Bradke, auch Vizepräsident der Kantonalpartei, in einer ersten Reaktion.

Im Verlauf des längeren Gesprächs seien sämtliche in der medialen Berichterstattung geäusserten Vorwürfe im Zusammenhang mit Ausständen und Betreibungen gegenüber seiner Unternehmensgruppe schonungslos diskutiert worden. Gleichzeitig seien mögliche Konsequenzen ohne Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten erörtert worden, führte die Kantonalpartei gestern abend in einer Mitteilung aus.

«Sich und sein Umfeld schützen»

Die FDP begrüsst darin Paul Schlegels Entscheid. Auch sie wurde von der Bekanntgabe des Rücktritts und deren Zeitpunkt etwas überrascht und praktisch gleichzeitig mit den Medien orientiert.

Angesichts der durch die Berichterstattung publik gewordenen Vorwürfe erhalte Paul Schlegel die Möglichkeit, sich und sein Umfeld in angemessener Weise zu schützen», stellt die Partei fest. Sein Rücktritt aus der aktiven Politik sei vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen schmerzhaft, aber «konsequent und richtig».

Grosse Verdienste gewürdigt

Die Kantonalpartei würdigt gleichzeitig Schlegels grosse Verdienste. Er habe sich über viele Jahre mit viel Herzblut für die Region Werdenberg, den Kanton St. Gallen und die gesamte Ostschweiz engagiert. Initiative und die Gabe, Menschen für eine Sache zu begeistern, seien zuletzt in seiner Amtszeit als Kantonsratspräsident voll zum Tragen gekommen.

Paul Schlegels Rückzug aus der aktiven Politik bedeute für die St. Galler FDP kurzfristig eine schmerzhafte Zäsur, heisst es in der Mitteilung. Auf mittlere Frist würden die positiven Aspekte des Entscheids aber überwiegen. Denn die Werte und Ideale der Partei – allen voran die Eigenverantwortung – würden in der FDP höher gewichtet als die persönlichen Interessen verdienter Mitglieder.

Milizsystem in Gefahr

Das Milizsystem sei auf Menschen angewiesen, die sich aktiv für die Öffentlichkeit einsetzen, hält Paul Schlegel in seiner Rücktrittserklärung fest. Unternehmertum biete immer Risiken, für Fehler dürfe man aber keinen so hohen Preis bezahlen wie er in den letzten zwei Tagen. Sonst werde es kaum mehr ein Unternehmer wagen, ein öffentliches Amt zu übernehmen. Die Berichterstattung in diesem Fall habe niemandem genützt, aber vielen geschadet, kritisiert er.

Schliesslich hält er fest, dass er sich weiterhin engagiert für die Landesausstellung 2027 in der Ostschweiz einsetzen werde. Weil er auf diesem Weg kein Hindernis bilden wolle, trete er nicht nur als Nationalratskandidat und Kantonsrat, sondern auch aus dem Vorstand des Vereins Expo 2027 zurück.

Der Entscheid für die Rücktritte und eine «politische Pause» habe er nach sachlichem, nüchternem Überlegen gefällt, ergänzte Schlegel auf Anfrage des W&O.

Katrin Frick wird Nachfolgerin

Erste Ersatzkandidatin auf der Werdenberger FDP-Liste für den Kantonsrat ist Katrin Frick, Buchs. Auf Anfrage des W&O sagte sie gestern abend, sie werde die Wahl annehmen und Schlegels Nachfolge antreten.

Katrin Frick ist Präsidentin der FDP Werdenberg. Sie beurteilt Paul Schlegels Ausscheiden aus dem Kantonsrat als «riesigen Verlust, er war sattelfest und hatte ein grosses Wissen. Da geht ein unglaubliches Know- how verloren.»