Schmerz, Lobpreis und Jubel im Konzert

Am Sonntag führte der Kleine Sarganserchor mit dem Orchester ad hoc in der katholischen Kirche in Buchs Werke von Antonio Caldara, Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart auf.

Hans Hidber
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Ein beeindruckendes Zusammenspiel: Der Kleine Sarganserchor mit Solisten und Orchester unter der Leitung von Josef Rüegg. (Bild: Hans Hidber)

Ein beeindruckendes Zusammenspiel: Der Kleine Sarganserchor mit Solisten und Orchester unter der Leitung von Josef Rüegg. (Bild: Hans Hidber)

BUCHS. Die Aufführungen des Kleinen Sarganserchors in Buchs und Pfäfers in der vorösterlichen Zeit sind schon längst zur schönen Tradition geworden. Unter der Gesamtleitung von Josef Rüegg und Martin Keller als Konzertmeister wurde einmal mehr ein ebenso hochstehendes wie berührendes Konzert geboten. Die geistliche Musik umfasste verschiedene Aspekte des Kirchenjahres von Trauer und Schmerz am Karfreitag (Stabat Mater), eine österlich-festliche Mozartmesse, jubelnde Pfingstfreude (Bachkantate) und den adventlichen Lobgesang Mariens (Magnificat).

Magnificat und Stabat Mater

Zuerst standen zwei in ihrer Aussage unterschiedliche Werke von Antonio Caldara (1670 bis 1736) auf dem Programm. Sein Kompositionsstil ist vom venezianischen Spätbarock geprägt. Erst als 50-Jähriger übersiedelte er 1716 nach Wien zur kaiserlichen Hofmusikkapelle. Der markante Anfangssatz des Magnificats mit dem Gesamtchor entspricht ganz der textlichen Einleitung «Es preist meine Seele den Herrn…» Dann geht es flüssig weiter, abwechselnd mit Soli und Chorsatz bis zum fugierten und kraftvollen «…jetzt und immer und für alle Zeiten». Ganz anders das Stabat Mater («Es stand die Mutter voller Schmerz beim Kreuz»). Verhaltene, unverkennbar Trauer und Schmerz ausdrückende Melodien, Dissonanzen, die sich auflösen, steigern sich allmählich zu leidenschaftlichen Bitten und finden mit der Hoffnung auf das Paradies einen zuversichtlichen Abschluss.

Ergänzt mit Pauke und Trompeten kommt bei Bachs Pfingstkantate «Erschallet, ihr Lieder …» jubelnde Festfreude auf. Auch hier nach dem typischen Kantatenmuster abwechselnd solistisch und chorisch.

Ein Lobgesang von Anfang bis zum chorisch breit angelegten Schlusssatz: «Von Gott kommt mir ein Freudenschein», der in der bekannten, schönen Melodie «Wie schön leuchtet der Morgenstern» daherkommt. Mit der anschliessenden Missa solemnis in C, KV 337 von Mozart kam das Publikum gleich nochmals in den Genuss einer froh stimmenden Komposition. Missa solemnis (festliche Messe) trägt ihrer Bezeichnung voll Rechnung, auch wenn sie von ihrer kompakten Anlage her gelegentlich als Missa brevis (kurze Messe) oder als «Grenzfall» zwischen den beiden Kompositionsarten klassiert wird. Auch hier wieder ein wunderbares Zusammenspiel von Chor, Solisten und Orchester.

Beim Kleinen Sarganserchor dringt das innere Engagement aller Beteiligten spürbar durch. Da werden nicht einfach Texte und Melodien möglichst perfekt «abgesungen». Chorleiter Josef Rüegg legt stets grossen Wert auf den sprachlichen Ausdruck und die gesangliche Dynamik, um die Aussagekraft der Kompositionen voll wirken zu lassen.

Viele Einsätze für die Solisten

Das bewährte Solistenquartett mit Karin Kurath (Sopran), Cornelius Glaus (Altus), Joachim Oberholzer (Tenor) und Alfred Kesseli (Bass) kam in allen vier aufgeführten Werken reichlich zum Einsatz und meisterte auch sehr anspruchsvolle Passagen souverän.

In makelloser Perfektion spielte unter der kompetenten Leitung des langjährigen Konzertmeisters Martin Keller das Orchester, bei dem man den Zusatz ad hoc ruhig weglassen kann, ist es doch ein altvertrautes, professionelles Ensemble. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus wurde als Zugabe der festliche Anfangssatz der Pfingstkantate wiederholt, und ganz zum Schluss das sehr aktuelle «Verleih uns Frieden, gnädiglich» von Mendelssohn.