SCHIESSEN: EM in der Stadt der Winde

Für die Kleinkaliber-Europameisterschaften reist Christoph Dürr nach Baku. Der Schiessstand in der aserbaidschanischen Hauptstadt ist gefürchtet. Die Schweizer Delegation hat sich entsprechend darauf vorbereitet.

Robert Kucera
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Fühlt sich gut vorbereitet auf die Herausforderungen des windanfälligen Schiessstands in Baku: Christoph Dürr. (Bild: Robert Kucera)

Fühlt sich gut vorbereitet auf die Herausforderungen des windanfälligen Schiessstands in Baku: Christoph Dürr. (Bild: Robert Kucera)

Robert Kucera

robert.kucera@wundo.ch

Forscht man nach, woher der Name Baku kommt, entdeckt man Folgendes: Die Hauptstadt Aserbaidschans wird die Stadt der Winde genannt. Ohne grosse Internetrecherchen wissen dies Sportschützen bereits bestens. Das liegt an den gemachten Erfahrungen im Schiessstand. «Wir wissen, dass Baku ein schwieriger Stand ist», erzählt Christoph Dürr. Der EM-Neuling mit dem Kleinkalibergewehr hat schon viel gehört vom berüchtigten Schiessstand, der sogar den weltbesten Schützen ein gutes Resultat vermiest.

Die Schweizer Delegation hat dem in der Vorbereitungszeit Rechnung getragen. «Wir lasen fürs Training extra Stände aus, die windanfällig sind, um das Feeling zu erhalten, im Wind zu schiessen», beschreibt Dürr. Doch auch im mentalen Bereich wurde das EM-Team auf die in Baku herrschenden Verhältnisse vorbereitet. «Wir lernten, damit umzugehen, dass die Punktzahl tiefer liegt und dass es nicht nur für mich, sondern auch für die anderen schwierig ist», erklärt der 21-Jährige weiter. «Es wird ein Wind wehen, das kann ich nicht abstellen. Aber mich möglichst gut drauf einstellen und eine Strategie entwickeln.» Daneben holten sich Dürr und seine Schützkollegen in Magglingen den Feinschliff im technischen Bereich und prüften, ob die Abläufe noch stimmen. In den Einheiten selbst wurde ausserdem nicht auf Quantität der Schüsse gesetzt, sondern auf Qualität.

Wettkampftechnische und mentale Ziele umsetzen

«Ich reise gut vorbereitet an die EM in Baku», ist Dürr überzeugt. Nervös ist er nicht. Vielmehr freut er sich darauf, dass es nun endlich los geht. Ein konkretes Ziel hat er sich nicht gesteckt. Auf Grund der Verhältnisse am EM-Ort und Stärke der Konkurrenz will er lieber Ziele erreichen, die er selber beeinflussen kann. «Ich will wettkampftaktische und mentale Ziele umsetzen», so der Gamser. Bei allem Talent und Erfolgen geht oft vergessen, dass Christoph Dürr noch sehr jung ist und sein erstes Elite-Jahr ja noch nicht mal abgeschlossen hat. Für ihn gilt es folglich nach wie vor, Erfahrungen auf höchstem Niveau zu sammeln. Ihm helfen aber Erinnerungen an vergangene internationale Grossanlässe. Wie jene der Luftgewehr-EM in Maribor vom März: «Ich weiss jetzt, dass meine Wettkampfvorbereitung passt. Das kann ich nun weiternehmen nach Baku.» Er kennt nun auch die Unterschiede zu einer Junioren-EM oder Junioren-WM. «Man sieht wie der Wettkampf aufgebaut wird, es gibt keine Überraschungen mehr.» Und jene Erfahrung von der letztjährigen Junioren-EM in Talinn, als er vom Winde verweht wurde, ist aus heutiger Sicht nicht mehr ärgerlich, sondern nützlich. «Ich will in jedem Wettkampf der Spitze einen Schritt näher kommen», umschreibt Dürr.