SCHAAN: «Eine ziemlich wilde Mixtur»

Seit Jahrzehnten auf den Bühnen der Schweiz zu Hause, tritt Kabarettist Lorenz Keiser nach zweijähriger Pause nun wieder vor sein Publikum. Am kommenden Freitag wird er zu Gast im TAK Theater in Schaan sein.

Julia Kaufmann
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Bespielt am 29. September die Bühne des TAK Theater: Lorenz Keiser. (Bild: PD)

Bespielt am 29. September die Bühne des TAK Theater: Lorenz Keiser. (Bild: PD)

Julia Kaufmann

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Im Gepäck hat Lorenz Keiser ein witziges und zugleich ernstes Stück über alles, was ist, was sein könnte und was noch kommen mag.

Im Jahr 2014 ist Ihr letztes Soloprogramm «Chäs und Brot & Rock ’n’ Roll» ­erschienen. Nun starten Sie mit «Matterhorn Mojito» durch. Was können die ­Besucher von Ihrem neuen Stück erwarten?

«Matterhorn Mojito» ist die Geschichte eines Paars, das ein paar Freunde zum Essen zu sich nach Hause eingeladen hat. Aber was sollen sie kochen? Einer ist Vegetarier, die andere hat Laktose­intoleranz, ein Dritter isst nur glutenfrei und ein Vierter leidet an Lebensmittel-Allergien. Nicht einfacher wird die Sache dadurch, dass die Frau des Paares beschlossen hat, einen Flüchtling aufzunehmen. Am Ende klingeln alle zur gleichen Zeit an der Tür.

Gegenfrage. Was erwarten Sie sich vom Auftritt im TAK Theater und von dessen Publi­kum am kommenden Freitag?

Meistens gehe ich relativ erwartungsfrei an meine Gastspiele quer durch die Schweiz und lasse mich von den Orten und den Leuten überraschen. Aber in Schaan ist das selbstverständlich ganz anders: Das ist meine Ausland-Tournee! Hier erwarte ich die Weite Europas, aufgeschlossene EWR-Zuschauer, den Erbmonarchen persönlich und dazu ein paar Dutzend Schweizer, die grad ihr verstecktes Geld abholen und am Abend ebenfalls ins Theater kommen.

Welches sind die Kern­themen, die Sie in diesem Stück behandeln?

Im Kern geht es um die grossen Themen Immigration und Integration – zusätzlich aber auch um Nail-Art und Brazilian Waxing, um Burkas sowie Pudel-Pullover, um Callcenter, Selbstmordattentäter, Whatsapp und Waffenhandel. Es ist also eine ziemlich wilde Mixtur aus Einheimischem, Exotischem, Ausgelaufenem und Eingewandertem.

Was wollen Sie Ihren Zuhörern mit diesen doch sehr aktuellen und teils kontroversen ­Themen übermitteln?

Ich möchte die Leute zwei Stunden lang unterhalten und zum Lachen bringen. Lachen, auch und vor allem gerade über Sachen, die nicht immer zum Lachen sind, tut uns gut und befreit den Geist.

Massimo Rocchi ist der Regisseur Ihres aktuelles Stücks. Inwieweit hat er zum Stück beigetragen und was schätzen Sie an ihm?

Die Zusammenarbeit zwischen Massimo und mir war wunderbar. Wir trafen uns täglich in Basel, gingen zunächst immer ausgiebig Kaffee trinken und Gipfeli essen, bevor wir uns anschliessend allmählich an die Arbeit begaben. Ich selbst komme stark von der Wortkomik her, Massimo hingegen von der darstellerischen Komik, vom Schauspiel und von der Expressivität. Das hat sich grossartig ergänzt. Ich denke, wir haben ein sehr rundes, stimmiges Stück auf die Beine gestellt. Ausserdem hatten wir es während der Arbeit stets sehr lustig miteinander.

«Matterhorn Mojito» ist Ihr neuntes Soloprogramm. Woher nehmen Sie die Inspiration, immer wieder neue Stücke zu schreiben?

Die einzige existierende Inspiration für mich ist die Welt, die mich und uns umgibt. Wenn man sich in dieser Welt ein wenig umsieht und umhört, reicht das, um unzählige Stücke zu schreiben. Diese gestalten sich immer wieder anders, neu und möglichst aktuell.

Sie stehen seit Jahrzehnten auf den Bühnen der Schweiz. Was gefällt Ihnen an dieser Arbeit?

Auf der Bühne zu stehen ist eine stark extrovertierte Arbeit mit ganz direkter Publikumsrückmeldung. Ich kriege meinen «Lohn» in derselben Minute, in der ich meine «Arbeit» abliefere. Das ist, wenn es gut läuft, ein grosses Ver­gnügen. Dennoch stehe ich nicht mein gesamtes Leben lang auf der Bühne. Wenn eine Tournee zu Ende ist, ziehe ich mich zurück, um das nächste Stück zu schreiben. Dies ist dann das genaue Gegenteil: nämlich introvertierte, grüblerische, relativ einsame Fantasie- und Gedankenproduktion. Ganz besonders mag ich an meiner Arbeit eben diesen starken Wechsel der zwei Welten.

Haben Sie bereits wieder neue Ideen für weitere ­Bühnenstücke?

Ja, ein paar Ideen schwirren bereits in meinem Kopf herum. Ich arbeite aber nicht an ihnen, sondern hebe sie mir, fein notiert, in einem Kästchen auf. Wenn ich mich dann wieder für mein nächstes Stück zurückziehe, hilft mir dieses Kästchen sehr, die Angst vor dem leeren Papier zu überwinden.