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SCHAAN: Der Pionier des Schaaner Villenviertels

Was Ernst Sommerlad für Vaduz war, ist Erwin Hinderer für Schaan. Der junge Architekt setzte mit seinen Plänen im Resch und der Stein Egerta wichtige Akzente für die Dorfgestaltung. Heute stehen nur noch wenige der von ihm entworfenen Häuser.
Mirjam Kaiser
Erwin Hinderer mit seiner Frau Hedwig und seinen beiden Söhnen. (Bilder: Amt für Kultur/Landesarchiv, Privatbesitz)

Erwin Hinderer mit seiner Frau Hedwig und seinen beiden Söhnen. (Bilder: Amt für Kultur/Landesarchiv, Privatbesitz)

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Liechtenstein ein neues Personen- und Gesellschaftsrecht. «Reichen Leuten stand es also frei, in Liechtenstein Wohnsitz zu nehmen», erzählt Albert Eberle, der kürzlich ein Buch über die Schaaner Siedlungsgeschichte her­ausbrachte. Dies rief junge deutsche Architekten wie Ernst Sommerlad und Erwin Hinderer auf den Plan, für diese neue Klientel Villen zu bauen. Während Ernst Sommerlad vorwiegend das Vaduzer Villenviertel prägte und dort eine ganze Siedlung plante, wirkte Erwin Hinderer vermehrt im Schaaner Oberdorf.

Umwandlung des Oberdorfs in baufähiges Land

In einer Zeit, in der es in Liechtenstein kaum Architekten gab und nur wenige ein Studium in Angriff nehmen konnten, kam der junge Architekt Erwin Hinderer nach Schaan, um sich hierzulande einen Namen zu machen. «Weil Sommerlad in Vaduz war, kam Hinderer nach Schaan», sagt Albert Eberle. Schnell erwies er sich als äusserst geschäftstüchtiger Unternehmer. In einem halben Jahr schaffte er es, dass ein grosser Landwirtschaftsboden im Gebiet des Resch und der Stein Egerta in baufähiges Land umgewandelt wurde.

Die Abstimmung günstig beeinflusst hat sicher die Tatsache, dass das Gebiet aufgrund des steinigen Bodens landwirtschaftlich wenig ertragreich war und Hinderers Bauprojekte dem heimischen Gewerbe Aufträge in Aussicht stellten. So stand einem Villenviertel im Schaaner Oberdorf nichts mehr im Wege.

Neun Villen und die Friedhofskapelle

«Ursprünglich kam Hinderer für die Bauführung des Waldhotels nach Liechtenstein», erklärt Eberle. Im Zuge dessen hatte er 1930 im Dorfzentrum von Schaan ein Architektur- und Planungsbüro eröffnet. Ihm war klar, dass sich durch die Änderung der Gesetzeslage neue Geschäftsfelder auftun würden.

Bereits 1932 konnte Vorsteher Ferdinand Risch finanzkräftige Ausländer begrüssen, die am Kauf von Baugrund auf Dux und im Resch interessiert waren. So baute Hinderer in nur fünf Jahren neun Villen im Schaaner Oberdorf. Eines davon für Kapitän Johann Meyer, der – wie im «Volksblatt» zu lesen war – «so oft wie kein anderer Liechtensteiner die Weltmeere befahren hat». Dieses Haus ist eine der wenigen in den 30er-Jahren errichteten Villen von Hinderer, die noch heute stehen. Die meisten wurden mittlerweile wieder abgerissen oder umgebaut. Weitere Grossprojekte Hinderers waren der Vorgängerbau der Ivoclar (damals Ramco) sowie auch der Engländerbau in Vaduz. «Obwohl Hinderer Protestant war, gewann er den Architekturwettbewerb für den Bau des Klosters St. Elisabeth. Offiziell aus Kostengründen – in Wahrheit aber wegen seiner Religionszugehörigkeit – bekam schliesslich der katholische Arthur Wander den Zuspruch», erzählt Eberle. Auch die Friedhofskapelle in Schaan und der Umbau des Hotels Dux sind Entwürfe von Hinderer, die heute noch Bestand haben.

Erwin Hinderer verarbeitete bei seinen Bauten althergebrachte Stile in einer neuen Fassung.

Neue Formen mit traditionellen Materialien

Sowohl das Waldhotel als auch der Engländerbau weisen einige klassizistische Architekturmerkmale auf. Als Vertreter der Stuttgarter Schule brachte er das neue Bauen nach Liechtenstein, das allerdings weniger radikal war als Sommerlads Bauhausstil mit den vielen Flachdächern.

Als Gegner von Flachdächern, die oftmals undicht waren, weisen Hinderers Häuser alle ein kleines Walm- oder Satteldach auf. Teils zeichnen seine Entwürfe Rundfenster aus wie auch runde Mauern. Auch beinhalteten die meisten seiner Überbauungen im Schaaner Oberdorf grosszügige Gartenanlagen, von denen heute einige ansatzweise noch zu erkennen sind.

Reiseführer, um Gäste anzulocken

Abseits seiner Tätigkeit als Architekt schrieb Hinderer Reiseführer und entwarf Landkarten. 1935 brachte er das Büchlein «Offizieller Reiseführer durch das Fürstentum Liechtenstein und nähere Umgebung» heraus, das dafür wirbt, aufgrund der verkehrsgünstigen Lage in Schaan Urlaub zu machen oder gar Wohnsitz zu nehmen. «Hinderer war ein Tourismusmann der ersten Stunde», beschreibt ihn Eberle. Bereits nach drei Jahren in Liechtenstein gründete er gemeinsam mit Vorsteher Ferdinand Risch, Bildhauer Gottfried Hilti und Rechtsagent Louis Seeger den Verkehrsverein Schaan, dessen erster Präsident er wurde.

Trotz seines Ansehens und seiner guten Kontakte entschloss sich Hinderer 1935, zurück nach Deutschland zu gehen, da er sich dort mehr Aufträge erhoffte. Sein Wegzug wurde in den Liechtensteiner Zeitungen mit grossem Bedauern vermeldet. Er habe wichtige Impulse für die Dorf- und Verkehrsentwicklung in Schaan gesetzt und sich auch persönlich grosse Achtung er- worben. 1941 wurde Erwin Hinderer als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eingezogen und galt seit 1944 in Russland als vermisst. Trotz des kurzen Aufenthalts in Liechtenstein blieb seine Familie bis heute mit Liechtenstein verbunden und pflegt Freundschaften.

Erwin Hinderer ist im Buch «Lindarank – Geschichten um ein Dorfzentrum» von Albert Eberle ein Kapitel gewidmet.

Mirjam Kaiser

redaktion@wundo.ch

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