SAX: «Ich war wie in einer anderen Welt»

Seit über 30 Jahren schlägt das Herz von Beat Aebi für «Star Wars», die Figur Luke Skywalker und das fiktive Universum. Der enthusiastische Fan der Science-Fiction-Filmreihe ist auch Präsident eines Fanclubs.

Andrea Müntener
Drucken
Teilen
Der Fanclub-Präsident Beat Aebi aus Sennwald inmitten seiner «Star Wars»-Schätze, in der Hand hält er die Maske von Admiral Ackbar. (Bild: PD)

Der Fanclub-Präsident Beat Aebi aus Sennwald inmitten seiner «Star Wars»-Schätze, in der Hand hält er die Maske von Admiral Ackbar. (Bild: PD)

Andrea Müntener

redaktion@wundo.ch

Alles begann damit, als der Primarschüler Beat in den Achtzigern die Zeitschrift «Bravo» seines älteren Cousins in den Händen hielt. Darin fand er einen bebilderten Bericht über den neusten «Star Wars»-Film. Sofort zogen ihn die Zeilen und Bilder der guten und bösen Mächte in seinen Bann. Raumschiffe, Roboter und andere ihm unbekannte Figuren trafen seinen Geschmack.

Bevor er aber überhaupt einen «Star Wars»-Film schauen durfte, musste er das vorgegebene Alter erreichen. So begnügte er sich vorerst mit Hörbuchkassetten und erfreute sich, wenn er dort das Piepsen von R2-D2, dem rund ein Meter grossen Astromech-Droiden, hörte. «Rückkehr der Jedi-Ritter» war der erste Film, den sich Beat Aebi aus der «Star Wars»-Reihe anschaute. «Damals gab es noch keine DVD, geschweige denn das Internet für den Privatgebrauch. Wir sahen uns den Film auf einer VHS-Kassette an», erzählt der erfahrene «Star Wars»-Fan. Die Kosten für diese Kassette überstiegen Aebis Budget bei weitem.

So sparten er und sein damals bester Freund eisern das Taschengeld, bis sie den Betrag zusammenhatten. «Meine Güte, war das eine Freude, als wir endlich genug Geld für die Kassette hatten», erinnert sich Beat Aebi schmunzelnd zurück. Er erinnert sich auch noch sehr gut an den Mittwochnachmittag, als sie die Kassette in den Rekorder schoben. «Ich war wie verzaubert, in einer andern Welt, in einem andern Universum. Ein Universum, das mich bis heute nicht mehr loslässt», erläutert der grosse Fan frenetisch.

Die grosse Freude über die Gleichgesinnten

1991 entdeckte Beat Aebi als 15-Jähriger in einer Zeitschrift die Adresse eines deutschen «Star Wars»-Fanclubs. «Das war wie ein Lichtstrahl im meinem Fan-Leben. Es gab also noch weitere ‹Spinner› wie mich», schwelgt er in Erinnerungen. Sofort trat er dem deutschen Verein bei, dem er bis heute die Treue hält. Durch deren Vereinsmagazin kam er an Informationen über die Filmreihe, welche ihm sonst verborgen blieben. Heute unvorstellbar, in Zeiten des Internets mit den unzähligen sozialen Netzwerken. Damals, in der Hoffnung, auf Gleichgesinnte zu treffen, schloss er sich zudem in der Schweiz einem Science-Fiction-Fanclub an. Doch dieser Verein orientierte sich sehr stark an «Star Trek».

«Oftmals höre ich, dass doch alles dasselbe ist mit den Raumschiffen und dem Science-Fiction-Schmarren. Doch ‹Star Trek› ist nicht ‹Star Wars›! Wir – die wenigen ‹Star Wars›-Fans – fühlten uns nicht sonderlich wohl in diesem Verein,» erläutert Beat Aebi die Beweggründe, warum die Gedanken zu einem reinen ‹Star Wars›-Fanclub aufkeimten.

Zu Glanzzeiten hatte der Verein an die 30 Mitglieder

So kam es, dass im Herbst 1996 der Schweizer «Star Wars»-Fanclub Members of Bespin, mit Beat Aebi an der Spitze, ins Leben gerufen wurde. Das Gründungstreffen fand im Flughafen Zürich statt, da dies ein zentraler Ort für die Mitglieder war. Über 20 Jahre hält er nun den Vorsitz des Vereins, immer noch mit Freude und Stolz. Gestartet sind sie mit zehn Mitgliedern. Mittlerweile sind es deren 14, immer noch verteilt über die gesamte Deutschschweiz. «Zu Glanzzeiten hatten wir an die 30 Mitglieder. Es sind zum Teil tiefe Freundschaften entstanden, und sogar eine Hochzeit resultierte aus unserem Verein. Die beiden aus verschiedenen Ecken der Schweiz stammenden ‹Star Wars›-Fans lernten sich bei einem Vereinstreffen in Frümsen kennen», plaudert Aebi aus dem Vereinsleben.

Der «Star Wars»-Fanclub ist ein Verein wie jeder andere, mit Statuten und jährlicher Hauptversammlung. Und doch ist er anders. Irgendwie. Immer wieder müssen sie sich erklären. Wer sie sind, was sie machen. Nichtsdestotrotz hat der Fanclub ein aktives Vereinsleben. Gemeinsam mit seinen Vereinskollegen besucht Beat Aebi verschiedene Fantreffen und Conventions, vor allem in Deutschland. Dort kann es sein, dass er nebst weiteren hochgestimmten Fans auf einen der Filmschauspieler trifft, wie beispielsweise den vor einem Jahr verstorbenen R2-D2-Darsteller Kenny Baker. Das war ein ganz besonderes Erlebnis für den Schweizer Fan.

Der Stolz auf die Bauernhofwurzeln

Das Umfeld von Beat Aebi ist mit seinem langjährigen Hobby vertraut. Auch seine Familie akzeptierte sein nicht alltägliches Hobby von Anfang an. Doch viele verstehen nicht, was er macht, wovon er hellauf begeistert ist: «Ich wurde schon gefragt, ob unser Verein eine Sekte ist oder ob ich wirklich an Ausserirdische glaube. Da konnte ich nur den Kopf schütteln. Vor allem ältere Generationen können nichts mit meinem Hobby anfangen.» Von manchen wird er als Spinner bezeichnet oder wird gar belächelt. Doch das steckt der unermüdliche Fan ebenso mit einem Lächeln weg: «Es ist mir bewusst, der ‹Star Wars›-Fanclub ist nicht jedermanns Sache», sagt er im Gespräch mit dem W&O.

Am liebsten mag der Vereinspräsident die Figur des Luke Skywalker, der wie er selbst ein Farmerjunge war. «Ja, auch ich bin ein ‹Buurebueb› und bin auf einem Bauernhof gross geworden,» erzählt der Verwaltungsangestellte. Von Luke Skywalker als Pilot sowie auch von Admiral Ackbar besitzt er ein Kostüm, welches er zu bestimmten Anlässen wie Kinopremieren anzieht. Ansonsten hält sich seine Sammelleidenschaft aber in Grenzen. Er grinst und meint: «Es ist nicht so, dass ich im ‹Star Wars›-Schlafanzug zu Bett gehe, morgens aus dem Bett mit ‹Star Wars›-Bezug steige und zur Toilette mit ‹Star Wars›-WC-Deckel gehe!» Der eine oder andere Fanartikel, wie beispielsweise «Star Wars»-Lego, ist in Aebis Wohnung zu finden, aber nicht mehr, als es bei einem eingefleischten Fussballfan der Fall wäre.