SAUERBRUT IM KANTON ST. GALLEN: Bienenkrise im Werdenberg

Dieses Jahr war alles andere als ideal für die Bienen. Der Frost spät im Frühling hat auch ihnen zugesetzt. Die so geschwächten Völker waren anfällig für die zurzeit herrschende Sauerbrutepidemie.

Katharina Rutz
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Diese Bienenbrut ist gesund. Bei 86 anderen Werdenberger Bienenvölkern wurde allerdings die Krankheit Sauerbrut festgestellt. (Bild: Urs Bucher)

Diese Bienenbrut ist gesund. Bei 86 anderen Werdenberger Bienenvölkern wurde allerdings die Krankheit Sauerbrut festgestellt. (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Verschiedene Faktoren führten im Werdenberg zu einer Epidemie der Sauerbrut. Im Vergleich mit dem Rest des Kantons häufen sich die wegen der Krankheit verhängten Sperrgebiete im Raum Buchs, Grabs, Gams und Sennwald. Einer Krankheit, welche die Brut der Bienen befällt und von Bakterien ausgelöst wird. «Latent ist die Krankheit wohl häufiger in den Bienenvölkern vertreten, als es nach aussen sichtbar ist», schätzt Hans Oppliger von der Fachstelle Bienenhaltung am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. Zu einem Ausbruch komme es aber nur, wenn das Bienenvolk auch noch durch andere Faktoren geschwächt werde.

Ein solcher Faktor ist ein Parasit. Die Varroamilbe überträgt Viren auf die Bienen. Die Belastung mit Varroa war letztes Jahr sehr hoch, während das Futterangebot vor allem im Juni schlecht war. «Die Bienen im Herbst waren entsprechend schon geschwächt», sagt Oppliger. In diesem Jahr dann wurde es früh warm, was die Bienen zum Brutbeginn animiert hat. Die immer wieder auftretenden Kälteeinbrüche mit Frost und Schnee waren dann prekär für die Bienen.

All diese Faktoren führten dazu, dass die Sauerbrut in vielen Völkern zum Ausbruch kam. Laut Bieneninspektor Lorenz Huber aus Gams mussten bis jetzt 86 Bienenvölker an rund 30 Standorten abgetötet werden. Im ganzen Werdenberg gibt es über 900 Bienenvölker.

Die Krankheit ist zurückgekehrt

Bereits im Jahr 2010 gab es eine eher noch grössere Sauerbrutepidemie im Werdenberg. Damals wurden in einer grossen Aktion alle Bienenvölker auf neue Waben umgesetzt, um so den Erreger einzudämmen. Dies hat einige Jahre etwas genützt. «Nun kam die Sauerbrut aber zurück», so Lorenz Huber. Für die Zukunft sieht Hans Oppliger eine Lösung in der Zucht. «Bisher waren vor allem Eigenschaften wie ein grosser Honigertrag wichtig und wurden züchterisch gefördert», sagt der Fachmann. Auch wollte man ruhige Bienen, die auf ihren Waben sitzen bleiben und nicht stechen. «Etwas übersehen wurde dafür wohl, dass ein guter Putztrieb bei den Bienen ebenso wichtig ist», sagt Oppliger. Die Gefahr von Sauerbrut ist bei besonders putzfreudigen Bienenvölkern geringer. «Eine Königin wird von 8 bis 15 Drohnen begattet», erklärt er. Jede dieser Drohnen bringt eine andere Eigenschaft ins Volk ein. Die Vielfalt an genetisch unterschiedlichen Drohnen ist deshalb sehr wichtig. «Darauf sollte bei der Zucht vermehrt geachtet werden», sagt Oppliger.