SARGANS/SENNWALD: Anhänger verstreut Granit

Das Kreisgericht hat einen Fahrer verurteilt, dessen Anhänger sich selbstständig machte. Ein Fahrer kassierte eine saftige Strafe für 173 km/h auf der A13.

Reinhold Meier
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Reinhold Meier

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Im ersten Fall hatte sich ein 48-Jähriger eine Sitzbankgarnitur aus Granit gekauft und die tonnenschwere Last samt Palette in seinen Anhänger gelegt. Als er bei Sargans in die Autobahn einbog, um nach Gams zu fahren, löste sich der Anhänger vom ­Wagen und sauste eigenständig gegen die Mittelleitplanke. Er blieb schliesslich auf der Überholspur liegen, die schweren Granitplatten verstreuten sich auf der Autobahn. Der Fahrer konnte auf dem Pannenstreifen anhalten. Es kam zu Verkehrsbehinderungen.

Die Anklage hat dem Fahrer nun vorgeworfen, seine Ladung nicht sachgerecht festgezurrt zu haben. Darum sei das Granitpaket in der Rechtskurve der Auffahrt nach links gerutscht und zwar mit solcher Wucht, dass die Kupplung gerissen sei und der Anhänger schliesslich führerlos die Autobahn überquerte. Dafür forderte die Anklage eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 200 Franken, also 6000 Franken, bedingt auf zwei Jahre, dazu eine Busse von 1200 Franken.

Technische Ursache möglich

Die Verteidigung plädierte hingegen auf Freispruch und machte dafür ein Gutachten von Mandantenseite geltend, das einen technischen Defekt an der Anhängerkupplung belegte. Ein zweites Gutachten von Seiten der Staatsanwaltschaft jedoch erkannte die ungesicherte Ladung als Ursache des Unfalls. Dabei konnte es einen technischen Defekt aber auch nicht vollkommen ausschliessen. Somit musste das Gericht im Zweifel für den Angeklagten entscheiden.

Es sprach den Beschuldigten lediglich der einfachen Verkehrsregelverletzung für schuldig, nicht wie beantragt, der groben. Dies, weil er zwar die Ladung hätte sichern müssen, so wie es jeder tun muss, der etwas lädt. Dieses Versäumnis könne aber nicht als zwingende Ursache des Unfalls erwiesen werden, hiess es. Hier fehle der so genannte adäquate Kausalzusammenhang. Es hätte eben auch ein Materialfehler in der Kupplung die Ursache für die herrenlose Fahrt sein können. Als Strafe resultierte somit lediglich eine Busse von 200 Franken, ergänzt von Verfahrenskosten über satte 7300 Franken.

Ein Versteckspiel probiert?

Im Raserfall war unbestritten, dass der Alfa Romeo des Angeklagten auf der A13 bei Sennwald mit 173 Stundenkilometern geblitzt wurde. Jedoch blieb unklar, wer am Steuer gesessen war. Der Angeklagte bestritt, dass er gefahren war. Er wies vielmehr darauf hin, dass sein ganzes Umfeld, also über ein Dutzend Personen auf den Fahrzeugschlüssel zugreifen könne. Keine Ahnung habe er, wer es konkret gewesen sein könnte. Auf dem einschlägigen Foto erkannte er sich selbst nicht, aber auch sonst niemanden aus seinem Umkreis. Selbst nach der Einvernahme von Verwandten blieb unklar, wer am Lenkrad gesessen haben könnte. So drängte sich der Eindruck eines Versteckspieles auf.

Doch das genügte nicht für einen Freispruch, wie ihn der Verteidiger gefordert hatte. Das Gericht verwies vielmehr auf das so genannte Halterprinzip, wonach der Halter grundsätzlich verantwortlich dafür ist, was mit seinem Auto geschieht. Zudem fiel das Foto ins Gewicht und das Fehlen der so genannten Täteralternative. Diese wurde jüngst vom Bundesgericht in ihrer Gewichtung gestärkt. Das Gericht sprach den Mann daher schuldig, verhängte als Strafmass, wie von der Anklage gefordert, 50 Tagessätze à 130 Franken, also 6500 Franken, bedingt auf zwei Jahre. Zudem wird eine Busse über 1300 Franken fällig sowie Verfahrenskosten von 2800 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Verurteilte hat es aber spontan «zur Kenntnis genommen».