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SARGANS/BUCHS: Ideen gegen Rassismus gesucht

Die Stiftung Mintegra hat innerhalb der St. Galler Aktionswoche gegen Rassismus mit engagierten Personen eine Projektwerkstatt abgehalten.
Jerry Gadient
Missstände verbessern: Eine Arbeitsgruppe macht sich Gedanken über Massnahmen, begleitet von Marlen Rutz Cerna (Zweite von rechts) vom Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung. (Bild: Jerry Gadient)

Missstände verbessern: Eine Arbeitsgruppe macht sich Gedanken über Massnahmen, begleitet von Marlen Rutz Cerna (Zweite von rechts) vom Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung. (Bild: Jerry Gadient)

Etwas Bewegung wurde den Teilnehmern der Projektwerkstatt im Musiksaal der Kantonsschule zunächst verordnet. Auf Stichworte von Jakob Gähwiler, Geschäftsführer der den Anlass organisierenden Stiftung Mintegra, waren sie gebeten, jeweils einen Schritt vorzutreten, wenn die Aussage auf sie zutrifft. Dabei zeigte sich, wie gross die Unterschiede alleine schon bei den Teilnehmenden waren: Während die einen praktisch den ganzen Raum durchschritten, konnten andere nur einzelne Aussagen als auf sie zutreffend bewerten.

Auch Regierungsrat ist nicht davor gefeit

In einem kurzen Einführungsreferat zeigte Marlen Rutz Cerna, Projektleiterin am kantonalen Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung, Hintergründe zur «St. Galler Aktionswoche gegen Rassismus» auf. Im Laufe dieser Woche sind rund 25 Veranstaltungen im ganzen Kantonsgebiet geplant, mit denen auf die Problematik eingegangen und ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt wird. Cerna sprach dann von pauschalen Bildern, welche der Westen zum Beispiel gegenüber dem Islam hat. Solche Vorurteile entstehen, «wenn jemand nicht dem eigenen Bild entspricht». Und man stärke seine eigene Identität, «je mehr man sich abgrenzt». Dies ist in der Schweiz ein weitverbreitetes Phänomen: Der Bund hat 2016 die Einstellung der Bevölkerung untersuchen lassen. 36 Prozent haben angegeben, sich durch die Anwesenheit von als «anders» empfundenen Personen gestört zu fühlen. Für die als «anders» empfundenen Personen habe dies dann Auswirkungen auf die Arbeits- und Stellen- sowie die Wohnungssuche. Auch Beamte seien nicht gefeit vor einer solchen Einstellung: Die Polizei halte überdurchschnittlich viele dunkelhäutige Personen in der Öffentlichkeit an.

Bei der Aktionswoche, die übrigens nächstes Jahr wieder stattfinden soll, gehe es um subtile diskriminierende Sachen und nicht darum, sich mit offensichtlichen Neonazis zu beschäftigen. Das Projektziel, so Rutz Cerna, liege in der Verbesserung der festgestellten Missstände. Sie nannte auch Projektideen wie Theater, Filmvorführungen mit anschliessender Diskussion, Ausstellungen und Vorträge. An Spiel-, Musik- und Sportanlässen bestehe zudem die Möglichkeit zur Begegnung mit betroffenen Menschen. Wichtig dabei sei, die Projekte zu begleiten, Emotionen anzusprechen und selbst einzubringen. Es gehe nicht um «moralisieren und idealisieren».

Arbeitswelt, Schule und Kindergarten

In kleinen Gruppen machten sich die Teilnehmer – sie rekrutierten sich aus in der Jugend- und Sozialarbeit in der Region engagierten Personen – Gedanken über mögliche Ansätze und Projekte. In der Arbeitswelt etwa sei es gerade in der Industrie oft so, dass in gewissen Bereichen Personen aus den gleichen Herkunftsländern zusammenarbeiten und sich auch in ihrer Muttersprache unterhalten. Mit gemeinsamen Anlässen, an denen alle Arbeitnehmer vom Lehrling bis zum CEO teilnehmen, könnten hier Brücken geschlagen und Verständnis für die verschiedenen Gruppen geschaffen werden. Der Tenor an diesem Abend lautete: «Wenn man jemanden persönlich kennt, ist er plötzlich nicht mehr so fremd und ‘anders’.»

Eine andere Gruppe beschäftigte sich mit dem Bereich Schule und Kindergarten. Hier sollten die Lehrpersonen mehr die Nationalität der Kinder berücksichtigen und zum Beispiel Lieder aus anderen Ländern singen oder entsprechende Geschichten erzählen. Hier wurde aus dem Plenum darauf hingewiesen, dass dies schon von vielen Lehrpersonen im Unterricht so gehandhabt wird. Eine Frage lautete, ob Integrationsbemühungen nicht im Bereich der Berufsschule wichtiger wären. Dazu erklärte eine entsprechende Unterrichtsperson, dass sie nur positive Erfahrungen im Zusammenleben der verschiedenen Nationalitäten mache – «Internationalität ist unter den Jugendlichen gar kein Thema».

Schliesslich hatte sich eine Gruppe mit dem Themenumfeld Kommunikation auseinandergesetzt. Hier wurde auf bestehende Angebote wie das Café International in Sargans oder die Frauengruppe in Sevelen hingewiesen. Zum Café International, das sich an Asylsuchende und Immigranten wendet, wurde bemerkt, dass man hier vermehrt Schweizer aktiv einladen und Aktivitäten organisieren könnte.

Jakob Gähwiler ermunterte die Teilnehmer der Projektwerkstatt, ihre Ideen zu vertiefen, «im Idealfall können wir in einem Jahr mit einem konkreten Projekt starten».

Jerry Gadient

redaktion@wundo.ch

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