SARGANS: Vielversprechende Wege für eine Integration

An der 16. Integrationstagung der Stiftung Mintegra wurden am Samstag Programme präsentiert, die es Migranten erleichtern, in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Als grosse Hürde erweisen sich dabei mangelnde Sprachkenntnisse.

Jerry Gadient
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Die Referentinnen und der AGV-Präsident in der Diskussionsrunde (von links): Sandra Gerschwiler, Claudia Schwarzenbach, Béatrice Speiser und Markus Probst. (Bild: Jerry Gadient)

Die Referentinnen und der AGV-Präsident in der Diskussionsrunde (von links): Sandra Gerschwiler, Claudia Schwarzenbach, Béatrice Speiser und Markus Probst. (Bild: Jerry Gadient)

Jerry Gadient

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Zum ersten Mal führte die Stiftung Mintegra ihre Integrationstagung in Sargans, genauer in der Aula des BZSL, durch. «Arbeit und Migration» war das Thema der Tagung, die vom Walenstadter Journalisten Petar Marjanovic moderiert wurde.

In spannenden Referaten wurden Projekte vorgestellt, die es Menschen mit Migrations­hintergrund erleichtern, im hiesigen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Claudia Schwarzenbach von der Stiftung Arbeitsgestaltung stellte an zwei Fallbeispielen das Projekt «Potenziale nutzen» des Staatssekretariats für Migration näher vor. Hier will man die unbefriedigende Erwerbsbeteiligung von gut qualifizierten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen besser nutzen. Ausgewählte Personen wurden auf ihrem Weg zur Arbeitsintegration durch Coaches begleitet und betreut. Claudia Schwarzenbach ist ein solcher Coach, sie hat am Samstag vor dem Publikum in Sargans ein ­erstes Fazit gezogen. Ein immer wiederkehrendes Problem sind mangelnde (berufsspezifische) Deutschkenntnisse, dann aber auch Hürden bei der Anerkennung von Dokumenten. Überfordert sind die Migrantinnen und Migranten auch vom komplexen System der Berufsbildung in der Schweiz.

Von Migranten gegründete Lehrbetriebe

Hier setzt das Projekt «Gemeinsam ausbilden» an, das vom Ausländerbeirat der Stadt Zürich und der Stiftung BVZ 2009 lanciert wurde. Hier sind kleine und Kleinstbetriebe angesprochen, die oft von Migranten gegründet wurden und nun animiert werden, selbst zum Ausbildungs­betrieb zu werden. Die Betriebe können sich dabei vollkommen auf ihre Tätigkeit als Ausbildner konzentrieren, und die Lehrlinge wechseln zwischen verschiedenen Lehrbetrieben, um die ganze Breite ihres Berufs kennen zu lernen. Alles Administrative erledigt die Stiftung BVZ, auch der Lehrvertrag läuft über sie. Präsentiert wurde das Projekt von der aus Walenstadt stammenden Sandra Gerschwiler. Sie erklärte, dass man als längerfristiges Ziel die ­Sicherung von mindestens 25 solcher Lehrstellen hat. Das Ziel, 40 neue Ausbildungsbetriebe zu gewinnen, habe man nicht erreichen können. Dafür sei das Projekt noch zu jung und die Arbeitsmarktlage schwierig. Sorgen be­reitet die Finanzierung der etwa 20 Prozent von der öffentlichen Hand und privaten Gönnern getragenen Mittel. Als Drittes stellte Béatrice Speiser «Crescenda» vor, das Gründungszentrum für Migrantinnen in Basel. Die Idee war aufgekommen im Zusammenhang mit Einfrau-Unternehmen und «Microfinance» in Entwicklungsländern – «warum so etwas nicht auch in der Integrationsarbeit versuchen?» So unterstützt «Crescenda» Migrantinnen auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit und Gründung von Kleinstunternehmen. Dies geschieht durch ein umfassendes Lern-, Beratungs- und Coachingprogramm, «aber nicht durch eine Kredit­vergabe», wie Speiser betonte. Und sie konnte schon von etlichen Unternehmen berichten, die so im Raum Basel gegründet worden sind.

Braucht sie der Arbeitsmarkt?

«Arbeit und Migration», hat es überhaupt Arbeitsplätze für Migrantinnen und Migranten in der Region? Markus Probst, der Präsi­dent des Arbeitgeberverbandes (AGV) Sarganserland-Werdenberg war eingeladen worden, zu diesem Thema eine Einführung zu geben. Probst erinnerte dabei an die seit den Siebzigerjahren laufend andauernde Automatisierung vor allem im industriellen Sektor. Mit dem Wegfall der einfachen Arbeiten sind auch die Arbeitsplätze für wenig qualifizierte Arbeitskräfte verschwunden. Und was noch übrig bleibt, kann mit Einheimischen abgedeckt werden. Seitens der Arbeitgeber sieht man deshalb als Hauptproblem, dass die Quali­fikation der Migranten nicht mit den Bedürfnissen auf dem Arbeitsmarkt übereinstimmt. Denn auf der anderen Seite herrscht ein Mangel an hoch qualifizierten Fachkräften. Die Problematik lasse sich nur lösen, wenn mit verschiedensten Massnahmen dafür gesorgt werde, dass Angebot und Nachfrage im Stellenmarkt enger zusammenrücken, hielt der AGV-Präsident fest.

Abschliessend äusserte Nadja Heeb, die für das Sozialwesen ­zuständige Gemeinderätin in Walenstadt, Anliegen der Kommunalpolitik an die Arbeitgeber. Diese sollen «Verantwortung übernehmen», die «Zusammenarbeit suchen» und «Chancen bieten und nutzen». Konkret wünscht sich Heeb, dass die Arbeitgeber den Arbeitnehmern ermöglich, Deutsch zu lernen und mehr Praktikumsplätze und Lehrstellen zur Verfügung stellen. Eine gute Integration komme schliesslich allen zugute. «Die Migranten fühlen sich gut, und wenn sie Arbeit haben, kosten sie die Allgemeinheit nichts.»