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SALEZ: Schwarzwäldertorte aus Genf

Seit 68 Jahren steht Hansueli Berger fast täglich in der Familienbäckerei in Salez. Obwohl er diese bereits vor Jahren seinem Sohn Ueli übergeben hat, denkt der 84-jährige alt Bäckermeister noch nicht ans Aufhören.
Ueli Berger Senior - alter Bäckermeister aus Salez. (Bild: Mareycke Frehner)

Ueli Berger Senior - alter Bäckermeister aus Salez. (Bild: Mareycke Frehner)

Andrea Müntener

In unmittelbarer Nähe des Gasthaus Löwen und der Dorfmetzgerei, mitten im Dorf Salez, steht leicht von der Hauptstrasse zurückversetzt die Bäckerei Berger. Ein eher unauffälliges Haus von aussen, jedoch eines mit lebendiger Geschichte. In diesem besagten Haus, in dem Hansueli Berger aufwuchs, in dem er seine beiden Kinder Ueli und Ursula grosszog, in dem heute auch seine beiden Enkelkinder Michelle und Jonas aufwachsen dürfen, in dem Haus ist Hansueli Berger 1934 geboren. Von dem Haus, welches noch heute die Bäckerei und den dazugehörenden Laden beherbergt, ist hier die Rede.

Hansueli Berger wuchs als Einzelkind auf. «Für meine Familie war vermutlich schon bei meiner Geburt klar, dass die nächste Generation der Bäcker Berger eingeläutet wurde», erzählt der grauhaarige Mann. Auch er selbst sah das so, obwohl er als Jugendlicher manchmal in seiner knapp bemessenen Freizeit ein wenig den Traum vom «Bähnler» hegte. Die Eisenbahn gefiel ihm. Doch kaum roch er den Duft des frischgebackenen Brotes, waren die Träumereien von der Bahn vergessen.

Anfang der Fünfzigerjahre absolvierte er – wie von ihm erwartet wurde – die Ausbildung zum Bäcker-Konditor in der Konditorei Egli in Buchs. «Es war eine schöne, aber strenge Zeit in Buchs», hängt der Altbäckermeister seinen Erinnerungen an die Lehrzeit nach.

Nach der Ausbildung folgten mehrere Wanderjahre. Diese brachten ihn nach Thun, Genf und St. Moritz. In dieser Zeit hat er meistens in der Patisserie-Abteilung der Bäckereien gearbeitet. «Wenn ich aussuchen konnte, habe ich damals lieber Patisserie hergestellt als Brote gebacken. Vor allem das kreative und doch akkurate Verzieren der Süssigkeiten erfüllte mich mit grosser Freude und auch Stolz.» Hier kam ihm seine von Haus aus «pingelige Art» und Liebe zur Genauigkeit zugute.

So kam es, dass er das eine oder andere Patisserierezept mit nach Salez brachte, wo er fortan ab 1957 im elterlichen Betrieb mitarbeitete. «Vor über 60 Jahren brachte ich die Schwarzwäldertorte aus Genf mit. Diese für die damalige Zeit doch moderne und fremdartige Köstlichkeit stellen wir noch heute nach unverändertem Rezept her. Ich habe keine ­Ahnung, wie viele dieser köstlichen Schokoladenrahmtorten unsere Backstube seither verlassen haben», schwärmt der leidenschaftliche Tortenbäcker. Auch wenn die Schwarzwäldertorte über 60 Jahre unveränderten Bestand im Leben vom Salezer Bäcker hat, so fanden mit und um ihn herum einige Veränderungen statt.

Von der Pharma- zur Bäckersfrau

Im Jahr 1962 wurde das Ladengeschäft umgebaut und das Sortiment wieder erweitert. «Ich erinnere mich, dass wir im Laden auch Strickwolle und Stoffe im Angebot hatten. Können Sie sich das heute noch vorstellen, in der Dorfbäckerei zum Brot und Sonntagszopf zusätzlich drei Meter Stoff und farblich passenden Faden zu kaufen», lächelt der lebenserfahrene Senior. Etwa zeitgleich zum Umbau kam die Deutsche Edith Delius nach Salez, obwohl sie eigentlich nach England wollte. Doch ihre Mutter liess sie nicht ziehen, England war viel zu weit weg. «Wenn nicht England, dann eben die Schweiz», dachte sich die junge reiselustige Frau aus Vlotho an der Weser, einer Kleinstadt nähe Hannover. Doch eine Anstellung in der Schweiz als Pharmaassistentin, ihrem gelernten Beruf, war nicht zu finden. Darum nahm sie die Stelle bei Hans­ueli Bergers Eltern in der Bäckerei an. Schnell lebte sie sich im Ladengeschäft ein und wurde herzlich von Familie Berger und den Salezern aufgenommen. Nach einem Jahr Tätigkeit zog es Edith Delius zurück in ihre mitteldeutsche Heimat, wo sie wieder als Pharmaassistentin tätig war. Ein Teil von ihr blieb jedoch im beschaulichen Salez. Der Juniorchef Hansueli hat das Herz der jungen Edith erobert. Die beiden Turteltauben hielten regen Briefkontakt. Wiederum nach einem Jahr kehrte sie zurück, seine Edith. Aus Edith Delius wurde 1964 Edith Berger. Als 1966 ihr Stammhalter Ueli und zwei Jahre danach ihre Tochter Ursula geboren wurden, war das Glück perfekt. Gemeinsam mit den Eltern Berger wohnte und arbeitete das junge Ehepaar Berger in Haus und Bäckerei. Eben dem Haus, wo für Hansueli alles begann. Seine Frau Edith erinnert sich: «Ohne schlecht reden zu wollen, manchmal war es schon etwas mühsam. Nach der Arbeit wieder die gleichen Leute – die Familie meines Mannes – um mich zu haben. Richtig abschalten konnten wir nie. Wir waren nie alleine. Nur die Schlafzimmer hatten wir für uns, ­Küche und Wohnzimmer benutzen wir mit meinen Schwiegereltern.»

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