SALEZ: Bienen lernen im Schlaf

Am Samstag trafen sich die St. Galler Imker zum Kadertag an der Landwirtschaftlichen Schule. ­Höhepunkt der Tagung war das Referat des renommierten Bienen-Forschers Randolf Menzel aus Berlin.

Katharina Rutz
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Der renommierte Berliner Bienenforscher Randolf Menzel sprach über die Intelligenz der Bienen. (Bild: Katharina Rutz)

Der renommierte Berliner Bienenforscher Randolf Menzel sprach über die Intelligenz der Bienen. (Bild: Katharina Rutz)

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Das Gehirn einer Biene ist winzig klein, kaum grösser als ein Sandkorn. Dennoch verfügen Bienen über erstaunliche Fähigkeiten. Wie intelligent Bienen wirklich sind, darüber berichtete der Bienen-Forscher Professor Randolf ­Menzel von der Freien Universität Berlin an der Kadertagung des Imkerverbandes St. Gallen-Appenzell. Diese fand am Samstag am Landwirtschaftlichen Zen­trum Salez statt.

Randolf Menzel beschäftigte sich wie kaum ein anderer mit der Erforschung des Nervensystems der Biene. Dabei führte er unzählige Experimente im Labor und im Feld durch. Unter anderem versah er die Bienen auch mit Sendern und verfolgte per Radar ihre Flugrouten. Ausserdem gelang es seinem Team, im Gehirn der Biene Veränderungen durch Lernen sichtbar zu machen.

Wie intelligent sind Bienen wirklich

«Manch einer würde es als Hochstapelei betrachten, wenn ich die Bienen als sehr intelligent bezeichne», sagte Randolf Menzel anlässlich seines Referats. Doch dann erklärte er, wie er durch ­seine jahrelange Forschung dennoch durchaus zu diesem Schluss gekommen ist. Zunächst gilt es zu verstehen, wie die Bienen die Welt wahrnehmen. Bienen sehen und riechen anders als Menschen. Durch das Facettenauge der Biene erscheint die Welt der Blumen als eine Musterwelt. Ausserdem sehen Bienen auch die Farben anders. Riechen können die Bienen mit ihren Antennen. Die Düfte bilden sich als Landkarte im ­Gehirn der Biene ab. Aus einem Duftgemisch können sie ausserdem die einzelnen Düfte unterschieden.

«Die Blüten dressieren also die Bienen», so Menzel. Und zwar, indem sie die Bienen mit Nektar oder Pollen belohnen. Die Bienen lernen, welche Blumen mit ­welchen Farben zu welcher Tageszeit diese Belohnung an­bieten. «Dies müssen die Bienen immer wieder neu lernen, sonst wären sie im Zuge der Evolution längst ausgestorben», ist Menzel überzeugt. Bienen können also lernen und sie können das Gelernte über eine gewisse Zeit im Gedächtnis behalten. Winter­bienen beispielsweise vergessen bis im Frühling nicht, was sie im Herbst gelernt haben. Mittels Belohnungen können Bienen sogar Regeln lernen. Beim Flug durch ein verzweigtes Rohr lernen sie, dass sie nur dann eine Belohnung erhalten, wenn sie den richtigen Ausgang wählen. Welches das ist, wird ihnen vorgängig mit einer Marke – etwa einer Farbe – angezeigt.

Bienen schlafen auch gerne. «Dies tun sie immer an der gleichen Stelle des Stocks», weiss Randolf Menzel. Der Forscher hat herausgefunden, dass Bienen nach einer schwierigen Lern­aufgabe länger schlafen. «Möchte man ihnen beibringen, sich an einen Duft zu erinnern, tun sie dies zudem besser, wenn man ­ihnen den Duft während des Schlafs zuführt», erklärt Menzel. Bienen lernen also im Schlaf.

Haben Bienen eine Landkarte im Kopf?

Eine der wichtigen Forschungsfragen ist auch, wie Bienen navigieren. Haben sie ein Gedächtnis für die Landschaft? Oder rechnen sie ihre Flugwege doch eher aus? In verschiedenen Experimenten kam Randolf Menzel zur Überzeugung, dass es Ersteres ist. Ebenfalls hat Randolf Menzel herausgefunden, dass Neonicotinoide die Gedächtnisleistung der Bienen mindern. Das «Pestizidproblem» sei ein wichtiges aktuelles Forschungsgebiet.

Das Tagesprogramm bot für die Imkerinnen und Imker weitere relevante Themen. So beschäftigen sich die Imker neu mit der Erstellung eines Betriebskonzeptes. Ein solches kann jeder Imker aufgrund von Merkblättern nach seinen eigenen Überlegungen erstellen. Es beinhaltet vor allem auch die Bekämpfung der Varroa-Milbe, welche die Imker inzwischen das ganze Jahr beschäftigt. Ebenfalls Thema waren die vielen Faulbrut- und Sauerbrutfälle dieses Jahr im Kanton St. Gallen.

Mit Spannung erwarteten die rund 70 Teilnehmenden auch das Schlussreferat. Da das Gewicht eines Bienenvolkes Aufschluss über mögliche Vorgänge im Volk gibt, versprechen sich die Fachleute einen Effizienzgewinn dank einer elektronischen Waage. Auch Profiimker Lorenz Huber aus Gams arbeitet damit. «Wenns im Mai und Juni klingelt, dann hat möglicherweise ein Volk geschwärmt und ich erfahre gleich noch welches», erklärt er. Mittels einer Funkstation kann er bis zu acht Völker so überwachen.