Sagen von Drachen, der Pest und unheimlichen Festen

AZMOOS. Da die Regionen Werdenberg und Sarganserland reich an Sagen-Geschichten sind, entschied sich der Verein Südkultur, diese mit einem Sagen-Wagen der Bevölkerung wieder näherzubringen. Mit dem Wagen vom Schloss Werdenberg ziehen sie während drei Wochen umher und besuchen 14 Gemeinden in der Region.

Melanie Steiger
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Caroline Capiaghi und Elsbeth Maag erzählten die Sagen-Geschichten, musikalisch unterstützt von Pius Bamert (von links). (Bild: Melanie Steiger)

Caroline Capiaghi und Elsbeth Maag erzählten die Sagen-Geschichten, musikalisch unterstützt von Pius Bamert (von links). (Bild: Melanie Steiger)

AZMOOS. Da die Regionen Werdenberg und Sarganserland reich an Sagen-Geschichten sind, entschied sich der Verein Südkultur, diese mit einem Sagen-Wagen der Bevölkerung wieder näherzubringen. Mit dem Wagen vom Schloss Werdenberg ziehen sie während drei Wochen umher und besuchen 14 Gemeinden in der Region.

Sage in Wartauer Dialekt

Am Donnerstagabend war der Sagen-Wagen in Azmoos. Aufgrund schlechter Witterung verlagerte sich die Veranstaltung ins Betagtenheim. Der besondere Gast an diesem Abend war Irene Seifert, die eine Wartauer Sage von einem hiesigen Drachen vorlas – in echtem Wartauer Dialekt. Früher lebten noch Drachen und riesige Greifvögel in der Region. Der Drache war so bösartig, dass er alles um das Wasserloch, was nicht schnell genug war, verspeiste. Die Einwohner hatten Angst und suchten nach einer Möglichkeit, den Drachen loszuwerden. Ein Bauer kam auf eine glänzende Idee: Ein Kraut, welches giftig für Pferde war, Ziegen aber geradezu lebendig machte, sollte den Drachen besiegen. So fütterte er eine Ziege das ganze Jahr über mit diesem Kraut und setzte diese dem Ungetüm zum Frass vor. Dieser hatte aber grosse Mühe, das Zicklein einzufangen, schliesslich gelang es ihm aber doch. Schon bald verfiel er in einen tiefen Schlaf in seiner Höhle – bis heute. Manchmal, bei grossem Unwetter, scheint er kurz zu erwachen und wedelt mit seinem Schwanz, welcher das Geröll auf die Strasse schüttet.

Auf Palfris wohnen Geister

Eine musikalische Note erhielten die Erzählungen von Pius Bamert am Keyboard. Er unterstrich dramatische sowie fröhliche Ereignisse mit seinem Instrument. Die beiden Erzählerinnen Caroline Capiaghi und Elsbeth Maag, welche die Tour begleiten, erweckten weitere Sagen aus dem Wartau zum Leben. Gespannt hörte das Publikum der Geschichte vom Leart, welcher auf der Alp im Palfris blieb, um einen Gamsbock zu erledigen. Doch gehörte die Alp ab dem 14. September den Geistern. Er hörte seltsame Geräusche und schaute einem Fest zu, welches aus dem Nichts auftauchte und verfiel in tiefen Schlaf. Der Leart überstand die Nacht auf der Alp und brachte den Gamsbock nach Hause. Weiter ging es mit Hexengeschichten. Eine durchkreuzte auf dem Weg ins Blutgericht nach Chur das Wartau. Dabei verwandelte sie die Kinder eines Bauern in weisse Schweinchen. Durch die Darbietung der Erzählerinnen und deren Leidenschaft beim Erzählen erweckten sie die Sagen zum Leben. Abschliessend berichteten sie von der Pest, welche die Region einst heimsuchte. Eine Stimme aus dem Wind gab den Leuten ein Wundermittel bekannt, doch niemand hörte. Am Ende, als sie vom letzten Pest-Opfer erzählten, hörte die Bevölkerung die Stimme mit dem Heilmittel, und die Pest war besiegt.

Spezialität aus der Gemeinde

An jedem Abend ist ein spezieller Gast oder Auftritt aus den jeweiligen Gemeinden vorgesehen. In Azmoos war es Irene Seifert, die eine Sage präsentierte. Dazu servieren Werdenberger Bäuerinnen anschliessend eine lokale Spezialität. In Azmoos kamen die Besucher in den Genuss von heissen Hirschwürsten. Während der kommenden Tage gastiert der Sagen-Wagen in Grabs, Gams, Unterwasser, Buchs und Frümsen.