Sagen und gruselige Geschichten

Am Sonntagnachmittag fanden im Küefer-Martis-Huus in Ruggell fesselnde Lesungen statt über «Geschichten, die nicht das Leben schrieb». Ausserdem konnten die Werke der Gruppe «kunst-farb-form» bestaunt werden.

Melanie Steiger
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Mitreissend und unmittelbar wurden die Geschichten erzählt und erlebbar gemacht – unter anderem von Wolfram Kaiser mit der Handorgel. (Bild: Melanie Steiger)

Mitreissend und unmittelbar wurden die Geschichten erzählt und erlebbar gemacht – unter anderem von Wolfram Kaiser mit der Handorgel. (Bild: Melanie Steiger)

RUGGELL/REGION. Trotz des herrlichen Wetters am vergangenen Sonntag haben zahlreiche Besucher am Nachmittag den Weg ins Küefer-Martis-Huus gefunden. In dem kleinen Museum lasen Dichter und Schauspieler ihre einzigartigen Texte vor. Zusätzlich konnten Kunstwerke zum Thema «Aufbruch» von der Gruppe «kunst-farb-form» bei einem Rundgang durch die Stockwerke bestaunt werden. Abstrakte Kunst, Seidenmalerei oder Textilbilder zeugen von grosser Darstellungskraft. Weiter waren Gegenstände aus Keramik und Bilder nach japanischer Kunst, Sumi-e, zu bewundern. Interessant war die verschiedene Darlegung und Auffassung des Themas der unterschiedlichen Künstler mit ihrem jeweils individuellen Stil.

Geschichten erlebbar gemacht

Claudia Plat, leidenschaftliche Schauspielerin, und Alois Ruch, Schauspieler und Dichter, lasen gemeinsam neu geschriebene Sagen und Volksgeschichten. Es gab keine Dialoge oder ein bestimmtes Schema. Der Wechsel der Redner fand spontan statt.

Sie erzählten von Hexerei und einem unheimlichen Sturm, dabei wurde von Alois Ruch ein Regenschirm aufgespannt. Die nächste Geschichte handelte von einer mysteriösen Frau, welche ein krankes Kind heilte. Dabei flüsterte Claudia Plat immer wieder Worte dazwischen – ein Schauer lief den Zuhörern über den Rücken. Zwischen den Erzählungen wurden die Accessoires gewechselt, so wirkte die Erzählung noch authentischer. Die Zuhörer lauschten gebannt den Worten. Dank der situativ wechselnden Stimmlage und Ausdrucksweise der «Vorleser» fühlte man sich in die Geschichte hinein versetzt. Weiter ging es mit einer alten Dame. Diese hatte früher viele Liebhaber, und es fiel auf, dass keiner von denen das Haus je verlassen hatte oder ein zweites Mal auftauchte.

Fortgesetzt wurde der Erzählnachmittag von Wolfram Kaiser. Er schreibt Texte über Gehörtes oder von zusammengefügten Zeitungsartikeln.

Das verwunschene Männlein

Kaiser fing mit der Handorgel zu spielen an. Doch plötzlich schien er die Töne nicht mehr richtig zu treffen und meinte nun, es sei zu Ende. Er begann mit der Erzählung von einem verwunschenen Männlein und einer Gruppe von Jungs, welche einen Joint rauchen wollten. Diese wurden nach dem Zusammentreffen mit dem Männlein allesamt lammfromm. Wenn er erzählte, zeigte er gleichzeitig eine schauspielerische Darbietung mit Gesten, die unterstrichen, wie er sich in die Protagonisten hinein versetzte. Weiter ging es mit der Geschichte über einen Ziegenhirten, welche Kaiser in der Ich-Form erzählte. Die Ziegen assen die Rosenstöcke. Die Folge war die Abschaffung des Ziegenhirten. Anschliessend erzählte Kaiser, wie er zu der Handorgel kam – in Zusammenhang mit Vogelscheuchen und dem Teufel. Seine letzte Geschichte an diesem Abend war die erste, welche er geschrieben hat. Jene vom Sachbearbeiter im Himmel, der mit dem Wolkenshuttle dorthin gekommen ist.

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