Rückenschuss ist Fehlschuss

Kommentar

Thomas Schwizer
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Eines hat die Toggenburg Bergbahnen AG (TBB) erreicht: mediale Aufmerksamkeit. Das zweite wird Mélanie Eppenberger als «Tätschmeisterin» dieses Bergbahnunternehmens wohl nicht erreichen: Ihr Ziel, mindestens 51 Prozent der Aktien der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) zu erwerben und diesen ihre Strategie auf-zuzwingen. Dafür ist das Übernahmeangebot viel zu schlecht.

Wer in einer Tageszeitung eine grosse Anzeige mit einem Angebot zum Aktienkauf veröffentlicht, sollte dieses ernst meinen. Wenn das Angebot aber so grottenschlecht ist fragt man sich: Was will die Toggenburg Bergbahnen AG wirklich erreichen? Da Verwaltungsratspräsidentin Eppenberger vorerst gegenüber der Zeitung einmal mehr jegliche Auskunft verweigerte, bleibt nur das Mutmassen.

Dabei ist eines naheliegend: Die TBB will das Projekt Wildhaus 2.0 der Bergbahnen Wildhaus AG bzw. die Aktienzeichungskampagne dafür torpedieren. Doch warum tut Mélanie Eppenberger dies? Findet sie es nicht zielführend und nicht zukunftsgerichtet? Oder befürchtet sie, dass die an sich finanziell gesunden BBW damit erstarken könnten? Letzteres müsste ja auch im Interesse der TBB sein. Oder sieht sie mit ihrem Vorpreschen wirklich die letzte Chance, das gemeinsame Skiticket im obersten Toggenburg zu retten?

Ihre TBB haben in den letzten Jahren selbst sehr grosse und mutige Investitionen getätigt. Stehen sie deshalb nun selbst unter ganz massivem wirtschaftlichem Druck? Dann wäre das aktuellen Angebot eine regelrechte Verzweiflungstat.

Was Mélanie Eppenberger auch geritten hat: Mit ihrem Rückenschuss gegen den bisherigen «Partner» BBW hat sie die Basis fürs gemeinsame Skiticket und eine künftige Kooperation der beiden Bahnunternehmen weiter geschwächt.

Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch