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RHEINTAL/FELDKIRCH: Rabiate Selbstjustiz bestraft

Der Vater eines mutmasslich sexuell missbrauchten Mädchens engagierte Rächer, um das Unrecht zu sühnen. Nun standen er und seine Helfer vor Gericht.
Christiane Eckert

Im Zentrum dieser Rheintaler Justizgeschichte steht ein 30-jähriger Türke. Der Mann wurde verdächtigt, sich an ein 14-jähriges Mädchen rangemacht und diese vergewaltigt oder zumindest sexuell missbraucht zu haben. Das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt – von den österreichischen wie auch von den Schweizer Behörden. Doch der Vater des Mädchens glaubte, der 30-Jährige habe das Leben seines Kindes zerstört, wollte Genugtuung.

Schädelhirntrauma und Prellungen

Im Gespräch fand sich jemand, der eine Abreibung des vermeintlichen Verbrechers organisieren könnte. Und so wurde alles in die Wege geleitet, der 30-Jährige in eine Falle gelockt. «Wie durch ein Wunder wurde das Opfer nicht schwerer verletzt», so die Staatsanwaltschaft des Landesgerichts Feldkirch.

Trotz Schädelhirntrauma und etlichen Prellungen gelten diese Folgen nicht als schwere Körperverletzung an sich. Die Anklagebehörde ging aber davon aus, dass einige der Männer sich in verabredeter Verbindung zusammenfanden, um das Opfer zusammenzuschlagen. Deshalb ergingen teils Schuldsprüche wegen schwerer Körperverletzung.Einer der Männer fuhr mit dem Opfer unter einem Vorwand um Mitternacht durch Lustenau, gab vor, sich verfahren zu haben und wollte den Wagen wenden.

Da stiegen drei Maskierte mit Eisenstangen, einem Staubsaugerrohr und Holzprügeln aus, schnappten sich den vermeintlichen Sexualstraftäter und verprügelten ihn. Im Prozess vor dem Landesgericht will sich einer der Schläger entschuldigen, doch das Opfer lehnt ab.

«Die wollten mich umbringen, ich will, dass sie ihre Strafe bekommen», entgegnet der damals Zusammengeschlagene. Er bekommt für die Blessuren insgesamt 2000 Euro zugesprochen.

Das Verfahren gestaltet sich mühsam. Sechs Verteidiger sind frageberechtigt, ein Dolmetscher muss etliches übersetzen, immer wieder verlängern umständliche Ausschweifungen die Schilderung. «Auch ein Richter kann eins und eins zusammen zählen», behält der Richter den Überblick und legt klar, dass sich trotz vielerlei Geschichten der Sachverhalt ganz klar herauskristallisiert habe. Er verurteilt nach halbstündiger Überlegung zwei der Männer zu je zwei Jahren unbedingter Haft.

Vater wegen Anstiftung verurteilt

Beim Rest der Angeklagten fallen die Strafen recht unterschiedlich aus. Der Vater, der seine Tochter für ein Vergewaltigungsopfer hielt, bekommt bewegen seiner Anstiftung 1600 Euro Strafe, die Hälfte davon bedingt. Ein anderer Beschuldigter kommt mit nur 640 Euro teilbedingt davon. Die sonst noch angeklagten Delikte, die Vorstrafenbelastung und die sonstigen Milderungs- und Erschwerungsgründe sind hierfür ausschlaggebend. Drei Urteile werden sofort rechtskräftig.

Christiane Eckert

ostschweiz@tagblatt.ch

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