RHEINTAL: Storchenvater tritt kürzer

Reto Zingg hat das Präsidium des Vereins Rheintaler Storch abgegeben – nach 27 Jahren. Er stand dem Verein seit der Gründung im Jahr 1990 vor.

Max Tinner
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Reto Zingg auf dem Beobachtungsturm zwischen Altstätten und Oberriet. Einer seiner Lieblingsorte im Rheintal. Zingg war Mitinitiant des Turms. (Bild: Max Tinner)

Reto Zingg auf dem Beobachtungsturm zwischen Altstätten und Oberriet. Einer seiner Lieblingsorte im Rheintal. Zingg war Mitinitiant des Turms. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

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Reto Zingg war die treibende Kraft hinter der Wiederansiedlung der Störche im Rheintal und auch bei der Gründung des Vereins Rheintaler Storchenhof, des heutigen Vereins Rheintaler Storch, im Spätherbst 1990. Der Toggenburger mit verwandtschaftlichen Beziehungen ins Rheintal hat hier schon als Kind seine Ferien verbracht. Das Rheintal sei seine zweite Heimat, sagt er. Weil ihm die Natur schon als Jugendlichem am Herzen lag, erkannte er, wie hier immer mehr Naturwerte verloren zu gehen drohten. Zu jener Zeit sei man als Naturschützer noch eher angefeindet als unterstützt worden, erzählt Zingg. Doch er sah auch, wie ein Umdenken einsetzte, was sich etwa in der Gründung des Vereins Pro Riet Rheintal gezeigt habe. «Jetzt verdienen die Rheintaler auch den Weissstorch», habe er sich da gesagt.

Renaturierung als Basis des Erfolgs

Einst war das Rheintal Storchenland. Seit den frühen 1920er-Jahren hatte aber kein Storch mehr hier gebrütet. Aber Reto Zingg glaubte an den Erfolg einer Wiederansiedlung. Und er konnte Leute in Schlüsselpositionen bei Gemeinden, Ortsgemeinden, Regionalplanung und Melioration ebenfalls davon überzeugen. Von der Storchensiedlung im solothurnischen Altreu bekam der Verein zehn domestizierte Störche. Die Vögel dienten nicht dem Aufbau einer Zucht, sondern sollten übers Rheintal ziehende Wildstörche anlocken. Das glückte sogar recht bald, im Frühling 1994 brütete erstmals wieder ein wildes Storchenpaar. Dennoch dauerte es noch gut zehn weitere Jahre, bis sich der Storch tatsächlich wieder im Rheintal heimisch zu fühlen schien und die Population sichtbar zu wachsen begann.

Entscheidend für die Wiederansiedlung des Storchs war, die Landschaft wieder storchenfreundlicher zu machen, was bedeutete, trockengelegte oder trockengefallene Feuchtgebiete wiederherzustellen und die verarmte Feldflurstruktur wieder zu bereichern. Ausserdem begann man Bäche zu renaturieren und Entwässerungsgräben zu naturieren.

Der Erfolg dieser Mass­nahmen spiegelt sich in den Zählungen von diesem Frühling: 94 Brutpaare mit 157 Jungvögeln hat man übers ganze Alpenrheintal zwischen Bodensee und der Wartau (beidseits des Rheins) gezählt. So viele wie noch nie seit der Wiederansiedlung! Irgendwann werde der Lebensraum voll sein, sagt Reto Zingg. Er ist aber der Ansicht, dass es im Alpenrheintal noch Platz für weitere Störche hat. Vor allem im Werdenberg sieht er noch Potenzial. Dem Naturschutz und dem Storchenschutz im Besonderen widmete sich Reto Zingg während Jahrzehnten in seiner Freizeit. Erst nach seiner Pensionierung als Sekundarlehrer machte er den Naturschutz zum Beruf und gründete ein Büro für Ökoberatung.

Einsatz für den Storch von Marokko bis Weissrussland

An der diesjährigen Hauptversammlung des Vereins Rheintaler Storch hat er nun das Präsidium Beni Heeb, dem früheren Präsidenten der Oberrieter Naturschutzkommission, übergeben. Altershalber. Schliesslich wird Zingg schon 75. «Irgendwann muss man loslassen», meint er, fügt aber nahtlos hinzu, dass er «ja noch so viele andere Aufgaben» habe. Die Leitung der Schweizerischen Stiftung für Vogelschutzgebiete etwa, die auch im Rheintal zahlreiche Projekte realisiert hat, oft zusammen mit dem Verein Pro Riet Rheintal und dem Verein Rheintaler Storch. Zingg ist auch Koordinator des Projekts Ciconia, das sich von Weissrussland bis Marokko länderübergreifend für die Störche einsetzt.