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RHEINTAL: Rhein glich einst dem Tagliamento

WWF und Pro Natura möchten dem Rhein mit dem Projekt Rhesi neues Leben einhauchen. Als Vorlage für die Aufwertung des Rheins dient der italienische Fluss Tagliamento, der bis heute unverbaut ist.
Kurt Latzer
Der Mittellauf des Tagliamento ist der letzte grosse Wildfluss in Mitteleuropa. (Bild: depositphoto/Perreten)

Der Mittellauf des Tagliamento ist der letzte grosse Wildfluss in Mitteleuropa. (Bild: depositphoto/Perreten)

Kurt Latzer

redaktion@wundo.ch

Er ist wild, schön und artenreich – wie einst der Rhein. Die dynamischen Prozesse des Flusses funktionieren noch immer und bestimmen die Landschaft. Der italienische Fluss Tagliamento verfügt über ausgedehnte Schotterflächen, bewachsene kleine Inseln und Auwälder. Sie bilden ein grosses zusammenhängendes Ökosystem von etwa 150 Quadratkilometern, das einzigartig in Europa ist.

Eine unvergleichbare Artenvielfalt

Der Mittellauf des Tagliamento, des letzten grossen Wildflusses in Mitteleuropa, beherbergt eine im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohe Zahl an Tier- und Pflanzenarten. «Allein bei den Fischen kommt man mit 32 Arten auf fast doppelt so viele Arten wie in vergleichbaren europäischen Gewässern», heisst es in der Fachlektüre. Der Tagliamento wird seit Jahren als Referenzökosystem wissenschaftlich intensiv untersucht.

«Der Fluss ist 170 Kilometer lang, entspringt am Mauriapass in der Provinz Belluno, tritt bei Gemona del Friuli in die norditalienische Tiefebene ein und mündet zwischen Bibione und Lig­nano Sabbiadoro in die Adria», heisst es in der Beschreibung des Gewässers.

Lebensräume von einst muss es wieder geben

Lukas Indermaur, Gewässerbiologe, Mitarbeiter beim WWF St. Gallen-Appenzell und Projektleiter Rhesi, hat bereits mehrfach am Tagliamento gearbeitet. An diesem Fluss wurden viele Un­tersuchungen durchgeführt. So unter anderem über die Artenvielfalt in den Stillgewässern und im stark strömenden Wasser. «In Tümpeln, die nur etwa fünf Prozent der gesamten Wasserfläche ausmachen, lebt die Hälfte aller Gewässerinsekten», sagt Lukas Indermaur, «an dem messen wir unter anderem auch den Erfolg des Projektes Rhesi.»

Kurz zusammengefasst: Am Rhein müsse es wieder die Lebensräume geben, die früher vorhanden waren. Und zwar so, dass sich wieder Populationen bilden, die nicht bei der geringsten Störung aussterben, etwa beim kleinsten Hochwasser. Mit der Rheinkorrektur sind die Auenwälder komplett verschwunden. «Auenwald, wie er früher im Flussbett des Rheins vorkam, muss wieder wachsen können. Dies ist eine zentrale Vorgabe, die bei uns im Umweltschutzgesetz gegeben ist», sagt der Gewässerbiologe. Darum seien die Naturverbände in dieser Angelegenheit so hartnäckig. Auf der gesamten Strecke von 26 Kilometern einen Auenwald zu schaffen, ist hingegen unmöglich. Das wissen die Fachleute von WWF und Pro Natura. Die Verantwortlichen für den Wasserbau hätten wegen des Hochwasserschutzes aber lieber eine freie Fläche, ohne Auwälder. «In Höchst sowie Au-Widnau reden wir ja auch nicht von der Verlegung von Hochwasserdämmen.

wäre innerhalb der Dämme Platz, um einen sogenannten Trittstein für die Natur einzurichten», sagt Indermaur. Nach der Meinung der Naturverbände sind vier bis fünf dieser Trittsteine nötig. Jeder müsse et­wa zwei Kilometer lang sein.

Selbsterhaltende Populationen schaffen

Nur so seien selbsterhaltende Populationen möglich, und es könnten die Lebensraumstrukturen entstehen, die früher hier zu finden waren. Dazu gehören zum Beispiel Hart- und Weichholzauen, Rückläufe und Still- gewässer.

«Die Wiederbesiedlung vom See her bis zum ersten Trittstein und von dort aus weiter in die anderen neu geschaffenen Lebensräume am Rhein ist nur dann zu erwarten, wenn die einzelnen Trittsteine nicht weiter als vier Kilometer voneinander entfernt sind», sagt der Gewässerbiologe. Allein dies sei bereits ein Kompromiss, weil die Distanz von vier Kilometern für viele schwimmschwache Arten bereits zu gross ist und praktisch nicht überwunden werden kann. «Das wissen wir, aber wir haben uns dem politisch Machbaren untergeordnet.Uns ist es vor allem wichtig zu kommunizieren, dass wir von minimalen ökologischen Anforderungen sprechen und nicht von Maximallösungen», sagt der WWF-Projektleiter Rhesi.

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