Rentenreform: Strafe und Verrat?

Leserbrief

Josef Dudli, Bogenstrasse 3, 9472 Grabs
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Mit der Rentenreform kommt in diesem Jahr die dritte ganz grosse Vorlage zur Abstimmung, Und erneut wird die Zukunft bei einem allfälligen Ja in den düstersten Farben gemalt. «Rentner bestrafen – Junge verraten», liest man auf den Plakaten. Erstens wird kein Rentner bestraft, denn es wird weder dessen Pensionskassenrente noch dessen AHV auch nur im Geringsten angetastet. Zweitens werden die Jungen nicht verraten. Sie zahlen zwar tatsächlich einen Preis, denn sie erhalten künftig wegen des sinkenden Umwandlungssatzes eine tiefere Pensionskassen­rente. Dies ist aber nicht dem bösen Willen oder einem ­«Verrat» der Politiker zuzuschreiben, sondern eine ­rechnerische Notwendigkeit durch die steigende Lebenserwartung. Das wird übrigens genau von den Parteien, welche jetzt mit solchen Slogans für ein Nein werben, nicht bestritten. Um die in Zukunft sinkende Pensionskassenrente wenigstens teilweise aufzufangen, wird für diese künftigen Neurentner die AHV-Rente etwas erhöht, um 70 Franken monatlich. Die Anpassung der AHV hat wegen des Umlageverfahrens den Vorteil, dass sie sofort wirkt, während Beitragsanpassungen der Pensionskasse wegen der langen Spardauer jeweils vier Jahrzehnte brauchen bis zur vollen Wirksamkeit. Die poli­tische Rechte, welche «Verrat an den Jungen» ruft, läuft gleichzeitig Sturm gegen diese bescheidene Teilkompensation für die Ausfälle der zweiten Säule. Dazu führt sie eine eigentliche Neidkampagne bei den jetzigen Rentnern, die keine solche Erhöhung erhalten, und die doch darum Nein sagen sollen. Dabei ist klar, dass eine An­hebung der AHV für die jetzigen Rentner auch bei den Gegnern kein Thema ist.

Bei einer Ablehnung der Rentenreform wird nichts besser, weder für die Rentner noch für die Jungen. Nach den Vorstellungen des Nein-Komitees erhalten die jetzigen Rentner ganz sicher keine Verbesserungen, und die Jungen werden die durch den Umwandlungssatz bedingten Pensionskassen­kürzungen voll schlucken müssen, ohne Teilkompensation durch die AHV. Zusätzlich würde für den Versuch einer neuen Vorlage – es wäre nach drei gescheiterten Reformen dann die vierte – wiederum mindestens ein halbes Jahrzehnt verstreichen. Hauptleidtragende wäre nicht die AHV, welche auch die nächsten paar Jahre überleben wird, sondern es wären in erster Linie die Pensionskassen, deren Situation sich wegen des realitätsfernen Zwangsumwandlungssatzes mit jedem weiteren Jahr verschlechtert. Mit einem doppelten Ja zu dieser Vorlage wird dieser dringende Handlungsbedarf nicht weiter negiert und verschleppt!

Josef Dudli, Bogenstrasse 3, 9472 Grabs