RENTENREFORM: Ausgewandert und städtisch

Die Stadt St. Gallen und die Auslandschweizer sind die Abweichler – und die deutlichen Verlierer.

Regula Weik
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An seinem Einsatz hat es nicht gelegen. Paul Rechsteiner war geweibelt und nie müde geworden, die Vorzüge der Rentenvorlage zu preisen – genützt hat es nichts. Am Wochenende hat sein Heimatkanton «Mister Rentenreform» im Regen stehen lassen; über 59 Prozent der St. Galler Stimmberechtigten wollten nichts von dieser Reform der Altersvorsorge wissen. Ein kleiner Trost bleibt dem SP-Ständerat: Seine Heimatstadt St. Gallen stimmte der Vorlage zu – als einzige im Kanton. Die Stimmberechtigten der übrigen 76 St. Galler Gemeinden waren sich am Wochenende in den Nein-Mehrheiten einig.

Mit 52 Prozent Ja-Stimmen war die Begeisterung für die Vorlage auch in der Stadt St. Gallen nicht überbordend. Und vor allem: Die Kapitale steht im Kreise der anderen Städte im Kanton ­allein; Gossau, Rapperswil-Jona, Rorschach, Wil, Buchs oder Altstätten verwarfen die Reform. Keine Spur von einem Stadt-Land-Graben, der sich gelegentlich im Kanton auftut.

Acht Gemeinden schickten die Rentenvorlage sehr deutlich bachab – mit über 70 Prozent Nein-Stimmen: Benken, Flums, Hemberg, Neckertal, Niederbüren, Rüthi, St. Margrethen und Waldkirch.

Unterstützung aus Hawaii und Trogen

Ganz alleine stehen die Stadtsanktgaller mit ihrer Zustimmung zur Reform der Alters­vorsorge nicht da. Sie erhalten Unterstützung aus der Ferne: Die 2500 teilnehmenden Auslandschweizer stimmten der Vorlage mit knapp 68 Prozent Ja-Stimmen zu. Ob es sich dabei ausschliesslich um ausgewanderte Städter handelt? Auch die Auslandschweizer der Nachbarkantone Appenzell Innerrhoden und Thurgau fanden Gefallen an der Rentenreform; ebenfalls anders wie ihre jeweilige hiesige Bevölkerung.

Ein Blick über die Kantonsgrenze zeigt ferner: Die Ostschweiz war sich am Wochenende für einmal einig. Auch beide Appenzell und der Thurgau gehören zu den Nein-Kantonen. Die Vorlage hatte es bei ihnen noch schwieriger als im Kanton St. Gallen. Dasselbe Bild wie beim Gesetz über die Reform der Altersvorsorge 2020 zeigt sich auch bei der zweiten Rentenvorlage, der Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Auch sie fiel in den vier Ostschweizer Kantonen durch; flächendeckend im Thurgau und in Innerrhoden, im Kanton St. Gallen stimmte einzig die Hauptstadt dafür. Die Ablehnung schwankt in den vier Kantonen zwischen gut 56 und knapp 63 Prozent Nein-Stimmen; sie ist damit überall leicht geringer als bei der generellen Reform­vorlage.

Ostschweizer Rekordhalter bei der Stimmbeteiligung sind die Ausserrhoder mit 50,2 Prozent. In Innerrhoden gaben nur 42,8 Prozent ihre Stimme ab. In St. Gallen waren es 47,1 Prozent, im Thurgau 45,9 Prozent.

Regula Weik

regula.weik

@tagblatt.ch