RENNROLLSTUHLFAHREN: Alexandra Helbling hat wieder Spass

Fünf Medaillen, darunter zwei goldene, plus Bestzeiten erzielt: Alexandra Helbling hat erfolgreiche Schweizer Meisterschaften hinter sich. Nach einem Zwischenjahr geht es wieder aufwärts mit der in Azmoos aufgewachsenen Athletin.

Robert Kucera
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Der Gegnerschaft voraus: Alexandra Helbling (Zweite von rechts) entscheidet diese 100-Meter-Serie für sich und holt sich auch noch den Schweizer-Meister-Titel. (Bilder: Robert Kucera)

Der Gegnerschaft voraus: Alexandra Helbling (Zweite von rechts) entscheidet diese 100-Meter-Serie für sich und holt sich auch noch den Schweizer-Meister-Titel. (Bilder: Robert Kucera)

Robert Kucera

robert.kucera@wundo.ch

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Alexandra Helbling dort wieder anknüpfen konnte, wo sie sich vor ihrem Zwischenjahr, in welchem sie den Fokus auf die Lehrabschlussprüfung legte, bereits mal befand. Die in Azmoos aufgewachsene und heute in Nottwil wohnhafte Rollstuhlathletin kämpft wieder um Limiten und Podestplätze an nationalen Titelkämpfen. «Ich hatte Angst, dass ich den Anschluss nicht mehr finde», gibt sie zu.

Doch überrascht waren an den Schweizer Meisterschaften und zwei Tage zuvor am Daniela- Jutzeler-Memorial nur jene, die Helbling eine Weile nicht mehr in Aktion sahen. «Ich habe mehr trainiert, mehr investiert», gibt die 23-Jährige Auskunft. Und auch was geändert: «Früher ging ich oft zweimal täglich trainieren, an anderen Tagen gab es dafür nur Krafttraining. Jetzt gehe ich jeden Tag ausser sonntags fahren und habe das Krafttraining zurückgestellt. Ich bin viel schneller so und spritziger.» Und noch wichtiger: «Ich habe den Spass wieder gefunden.»

Auf Alexandra Helblings Endspurt ist Verlass

Auf der schnellen Bahn in Arbon liess sich Alexandra Helbling nicht lumpen und überzeugte bei allen Rennen. Besonders auf den kurzen Distanzen über 100 und 200 Meter. Hier fuhr sie die Bestzeiten im Schweizer Vergleich her­aus und darf sich nun zweifache Schweizer Meisterin nennen. Titelgewinne helfen natürlich, Spass am Sport zu haben. Aber sie konzentriert sich darauf, schnell zu sein, Limiten zu jagen. Nicht mit Goldmedaillen, sondern mit schnellen Zeiten erreicht sie ihr Ziel, die Weltmeisterschaften in London (14. bis 23. Juli). In drei ihrer vier Distanzen (200, 400 und 800 Meter) hat Helbling immerhin die B-Limite geschafft. Sie ist zuversichtlich, dass sie mit den erreichten Zeiten selektioniert wird. Darauf ausruhen wird sie sich in den nächsten Wochen aber nicht. Sie will abermals neue Bestzeiten herausfahren. Vor allem jene über 100 Meter. Denn 17,66 Sekunden reichten für Gold, doch selbst ihre alte Bestzeit von 17,48 reicht nicht für London. 17,35 sind gefordert. Somit geht Alexandra Helbling auf «Zehnteljagd». Wenn es einen Makel gibt, dann sind es die ersten Momente der Rennen. «Der Start ist zwar gut. Doch da wäre noch etwas herauszuholen», so ihre Analyse. Verlassen kann sich Helbling dagegen auf den Endspurt. Auf den letzten Metern konnte sie in Arbon jeweils zusetzen und noch Gegnerinnen überholen. So fuhr sie über 200 Meter eine neue persönliche Bestzeit heraus (30,46), über 100 Meter reicht es wieder unter 18 Sekunden und sie gewann knapp ihre 800-Meter-Serie. In den Mitteldistanzen (400 und 800 Meter)stand ihr nur Manuela Schär vor der Sonne, die Werdenbergerin holte zweimal Silber. Nicht mehr aktuell sind dagegen Limitenjagden über 1500 Meter. «Früher fuhr ich gerne über diese Distanz.Nun fahre ich sie mit grösstem Respekt.» Die ständige Unfallgefahr im Fahrerinnenpulk behagt ihr nicht. Sie bleibt lieber in ihrer eigenen Spur auf den kürzeren Distanz. Trotzdem gab es Bronze über ihre ungeliebte Distanz.

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