Reise durch die Jugendzeit«mit Phantasie und Poesie»

BUCHS. Witzig, ideenreich, kritisch, erfinderisch, poetisch – so kommt Ferruccio Caineros Programm «Cosmos» daher.

Heidy Beyeler
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Ferruccio Cainero mit «molto poesia», Humor und ausdrucksvoller Gestik. (Bild: Heidy Beyeler)

Ferruccio Cainero mit «molto poesia», Humor und ausdrucksvoller Gestik. (Bild: Heidy Beyeler)

BUCHS. Witzig, ideenreich, kritisch, erfinderisch, poetisch – so kommt Ferruccio Caineros Programm «Cosmos» daher. Wer den Erzählkünstler kennt – und das sind sehr viele – weiss, dass ein Abend, gestaltet von Ferruccio Cainero, nie langweilig wird – auch wenn er mit einer ganz banalen Geschichte anfängt. Und so war es auch am Freitagabend im fabriggli.

Erinnerungen an damals

Cainero steigt belanglos in seine Geschichte ein. Dabei kommt er vom Hundertsten ins Tausendste, findet aber immer wieder den Kernpunkt seiner Geschichte – den Kosmos und die Garage seines Freundes Toni im Friaul.

Ferruccio Cainero erzählt von seinem Leben, als er kleiner Bub war, von Streichen aus der Zeit seiner Adoleszenz und seines Erwachsenwerdens bis hin zur heutigen Zeit. Dazwischen gibt es unheimlich viele Episoden, die einen ganzen Kosmos füllen. Er erzählt Geschichten, die einem ganz besonderen, individuellen Kosmos gleichkommen. Um keine Missverständnisse zu erzeugen, klärt Cainero das Publikum auf, dass mit dem griechischen Wort Cosmos nicht «nur» das gesamte Weltall gemeint sei, sondern auch die (Welt)-Ordnung.

Italianità in vollem Umfang

Der junge Ferruccio interessierte sich nicht für Dinge wie Kirche oder Municipio. Er fühlte sich hingezogen zur Autowerkstatt «Cosmos». Dort erlebte er Toni, Inhaber der Garage. Ein Automechaniker, der mit seiner eigenen Philosophie Motoren wieder zum Laufen sowie Träume zum Fliegen bringt.

Ferruccio erzählt – mit etwas Wehmut – vom Leben in seiner Heimatstadt Udine, mit all den Absurditäten, die er auf amüsante Art zugespitzt ausschmückt. Dem Heiteren steht Ernsthaftes gegenüber. Schicksale, die das Leben ebenso schreibt wie das Glück, das einen da und dort besucht. Ferruccio hat erkannt, dass seine Landsleute gelernt haben, sich zu arrangieren. Die Italianità hat Ferruccio Cainero nicht verloren, obwohl oder weil er seit vielen Jahren in der Schweiz – in der italienischen Schweiz – lebt.

Gutes Essen macht friedlich

Cosmos, die Autogarage, hat den aus dem Friaul stammenden Fabulierer geprägt. Aus dieser Zeit wurden die Geschichten zu «Cosmos» geboren. So entstanden Visionen oder Träume, in denen Toni und sein Bruder Giovanni aus einer BMW 750 ein Raumschiff machten und es fliegen liessen. Träume entstanden, als Ferruccio und Giovanni abends auf dem mächtigen Motorrad über die Ebene brausten, direkt auf die niedrigsten Sterne zu, die am Horizont strahlten – dort, wo Himmel und Meer zusammentreffen.

Wenn Cainero zur Gitarre greift, treffen scherzhafte, komische und freche Pointen auf tiefgehende und nachdenklich stimmende Erzählungen, zum Beispiel bei der Frage: «Warum neigen manche Völker dazu, andere zu bekriegen und ihnen ihre eigenen Regeln zu oktroyieren?» Dazu Ferruccio Cainero: «Das nervt! Die tun das, weil sie zu Hause schlecht essen. Die Kämpfer sind lieber als Piraten auf den sieben Weltmeeren unterwegs, als zu Hause das essen zu müssen, was ihre Frauen kochen.» Will sagen, bei der guten italienischen Küche passiert das nicht – das glaubt (oder hofft) der Erzählkünstler zumindest.