REGION/SEVELEN: «Mit 100-prozentiger Sicherheit»

Gefundene Pilze dem Richtigen von 4500 Grosspilzen zuordnen, das ist die Aufgabe von Pilzkontrolleurin Notta Tischhauser. Ein Fehler könnte tödlich enden.

Alexandra Gächter
Drucken
Teilen
Mit Hilfe ihres Mikroskopes kann Notta Tischhauser die Sporen eines Pilzes untersuchen. Damit kann sie den Pilz besser bestimmen. (Bild: Alexandra Gächter)

Mit Hilfe ihres Mikroskopes kann Notta Tischhauser die Sporen eines Pilzes untersuchen. Damit kann sie den Pilz besser bestimmen. (Bild: Alexandra Gächter)

Alexandra Gächter

alexandra_gaechter@wundo.ch

«Vielleicht», «wahrscheinlich» oder «möglicherweise» sind Worte, die Notta Tischhauser nicht gebraucht, wenn Pilzsammler sich ihr anvertrauen. «Bestimme ich einen Pilz, dann muss ich zu 100 Prozent sicher sein», sagt sie. Ihre Ausbildung als Pilzexpertin, ihre 34-jährige Erfahrung als Pilzkontrolleurin und weit über 100 Bücher helfen der Sevelerin, die über 4500 Grosspilze, welche in der Region Werdenberg wachsen, zu bestimmen. Ist die Bestimmung schwierig, hilft zusätzlich ihr Mikroskop. Damit untersucht sie die Sporen. Ansonsten vergleicht sie Form, Farbe und Beschaffenheit sowie Lamellen, Manschette und Stiel. Auch Fundort und Alter des Pilzes sind Bestimmungskriterien.

«Pilze werden relativ oft verwechselt»

Während sich Notta Tischhauser als Expertin auf ihre Bestimmungen verlassen kann, ist die Verwechslungsgefahr für Laien sehr gross. Viele essbare Pilze ähneln giftigen. Ein Beispiel: Einer der beliebtesten Pilze, der Wiesenchampignon, gleicht einem der giftigsten Pilze, dem Knollenblätterpilz. Für Laien ist der Gang zur Pilzkontrollstelle also unumgänglich. «Pilze werden relativ oft verwechselt», sagt Notta Tischhauser. «Meistens ist es aber nicht so schlimm und geht mit einem bisschen Bauchweh wieder weg.» Vergiftungsfälle habe es im Werdenberg bisher nur wenige gegeben. «Bei einer Vergiftung muss die Pilzart ebenfalls bestimmt werden. Dies mache ich anhand der Pilzabfälle, falls vorhanden. Entscheidend sind auch die Reaktionen der Patienten», so Tischhauser.

Pilze sind mehr als ein Hobby für Notta Tischhauser. Als Kind habe sie mit ihrem Vater oft Eierschwämmli gesammelt. Nach ihrer Heirat zog Notta Tischhauser vom Engadin ins Werdenberg. «Wegen den Mischwäldern gibt es hier mehr Pilzarten. Mit unseren Kindern gingen wir oft in den Wald. Mein Mann fotografierte, ich bestimmte die Pilze.» Im Jahre 1983 wurde sie im Werdenberg stellvertretende Pilzkontrolleurin, es folgte zwei Jahre später die Prüfung zur Pilzexpertin. Im Jahre 1999 erhielt sie die Stelle als Chef-Pilzkontrolleurin. «Als Kontrolleurin benötigt man eine gute Beobachtungsgabe und ein gutes Gedächtnis. Und man muss sich stetig mit Pilzen befassen, darf nicht ruhen.»

Dieses Jahr kontrollierte Notta Tischhauser 135-mal die Pilze von Sammlern. Die Pilzkontrollstelle in Buchs war vom 22. Juli bis 28. Oktober geöffnet. «Wer immer noch Pilze findet, darf sie zur Bestimmung zu mir nach Hause bringen», so Tischhauser.

Am meisten Pilze waren heuer in den subalpinen und montanen Regionen zu finden. «In den Tälern war es bis Ende September zu wenig feucht, deshalb hatte es dort teilweise weniger Pilze.» Den grössten Steinpilzschub verzeichnete Tischhauser Ende Juli. Sommersteinpilze bei Birken und Buchen gab es dieses Jahr am meisten, Fichtensteinpilze etwas weniger, Föhrensteinpilze noch weniger und Eichensteinpilze gar keine. Mehr als in anderen Jahren sei der Moronenröhrling vorgekommen, Herbsttrompeten gab es hingegen nur wenige. «Das lag daran, dass es in den Buchenwäldern der Hügelregionen zu trocken war.» Ausserdem auffallend war, dass diejenigen Pilze, die neben Birken wuchsen, dieses Jahr gut gedeihten, so zum Beispiel der Birken-Raufuss. Über die Gründe kann Notta Tischhauser nur spekulieren. «Der Pilz braucht jemand, der ihn mit Zucker füttert. Im Gegenzug reguliert der Pilz den Wasserhaushalt des Baumes und löst die Mineralien für ihn auf.» Möglich wäre, dass die Birken dieses Jahr viel Zucker oder wenig Mineralstoffe hatten. «Sie waren jedenfalls aufeinander angewiesen», sagt Notta Tischhauser.

Pilzsammlern rät sie, Pilze, welche in der Nähe von befahrenen Strassen oder gespritzten Äckern wachsen, nicht zu pflücken. Und: Die gesammelten Pilze zur Kontrolle zu bringen.