REGION: Zwei Modelle als Grundlage

Menschen mit Demenz brauchen besondere Betreuung. Vielfältig sind deshalb die Betreuungsformen, mit denen Heime und Zentren im Werdenberg den Herausforderungen begegnen.

Hanspeter Thurnherr
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Menschen mit Demenz profitieren in den Heimen und Zentren von den angebotenen Aktivitäten und der fachlichen Betreuung. (Bild: Reto Martin)

Menschen mit Demenz profitieren in den Heimen und Zentren von den angebotenen Aktivitäten und der fachlichen Betreuung. (Bild: Reto Martin)

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

«Wir können grundsätzlich zwei Modelle unterscheiden. Beim integrierenden Modell leben die Erkrankten im Altersheim mit den anderen Bewohnern zusammen. Das funktioniert bei leichteren Formen sehr wahrscheinlich gut», erläutert Mathias Engler, Geschäftsleiter des Pflegeheims Werdenberg. Bei schwererer Demenz sei häufig die Unterbringung in einer separaten Wohngruppe die Lösung, auch weil dafür geeignetes Personal eingesetzt werden muss. «Diese Mitarbeitenden setzen beispiels- weise auf Fragetechniken, mit denen sie die Betreuten und deren Bedürfnisse besser verstehen lernen.» Das Pflegeheim Werdenberg in Grabs führt zwei solche Wohngruppen zu je zehn Plätzen. Immobile oder bettlägerige Menschen mit Demenz werden in der «Pflegeoase» betreut. Es sei ein Vorteil, wenn man eine bedürfnisgerechte Betreuung anbieten könne.

Im Betagtenheim Wartau in Azmoos stehen für Menschen mit Demenz elf Plätze im dritten Stock zur Verfügung. Grosse Terrasse inklusive, wie Leiterin Beatrice Disch sagt.

Das Zentrum Wiitsicht bietet in der Tagesstätte in Grabs an vier Tagen für je sieben Menschen mit Demenz ebenfalls die Möglichkeit für einen Aufenthalt tagsüber – mit ähnlichen Aktivitäten wie im Wiedenpark. Auch hier führt der Aufenthalt zu einer wertvollen Entlastung der pflegenden Angehörigen. Das Zentrum Wiitsicht bietet weiter eine Pflegewohngruppe in Trübbach. Die Erkrankten sollen hier leben können wie zu Hause, also im familiären Rahmen. Mit Angehörigentreffen und Sprechstunden bietet «Wiitsicht» aber auch ungezwungenen Austausch und durch Informationen Unterstützung für die pflegenden Angehörigen.

Seit zehn Jahren bietet Buchs im Haus Wieden mit dem Wiedenpark (Haus D)ein Wohnkonzept mit 18 Zimmern, das demenzkranken Menschen ein Zuhause gibt. «Die angebotenen Alltagsaktivitäten lassen ihnen viel Freiraum für ihre individuellen Bedürfnisse und fördern gleichzeitig das Gemeinschaftsleben. So wird beispielsweise täglich gemeinsam gekocht. Weiter können die Bewohner in der geschützten Gartenanlage beim Gärtnern mithelfen, spazieren oder auf dem Hometrainer Fitness betreiben», erzählt Heimleiterin Domenika Schnider. Gesichert ist die Wohngruppe durch einen Code an den Ausgängen. Bewohner, die den besonderen Schutz nicht brauchen, erhalten den Code und können so das Areal verlassen.

Tag- und Nachtstruktur im Wiedenpark

Seit letztem Sommer bietet der Wiedenpark auch eine Tages- und Nachtstruktur an. Das heisst: Menschen mit Demenz können zwischen 9 und 17 Uhr oder zwischen 17.30 bis 8.30 Uhr hier betreut werden. «Dies ist vor allem sinnvoll, weil sie tagsüber oft schlafen und in der Nacht quicklebendig sind. So können Angehörige regelmässig entlastet werden», erzählt Domenika Schnider. Tagsüber sind sie voll ins vorstehend beschriebene Tagesgeschehen integriert.

Im Altersheim Gärbi in Sevelen lebt eine begrenzte Anzahl Menschen mit Demenz integrativ mit den anderen Bewohnern zusammen. «So viele, wie es vertretbar ist», präzisiert Leiter Markus Disch. Auch im Altersheim Forstegg in Sennwald leben Menschen mit Demenz mit anderen Bewohnern zusammen und werden in den Alltagsablauf eingebunden. Wie Heimleiter Marco Vaccariello sagt, ist das Forst­egg zu klein und verfügt nicht über die Infrastruktur für eine geschlossene Wohngruppe.

Dieses integrierende Modell wird auch im Alterswohnheim Möösli in Gams gelebt. «Wir haben dazu Personal mit einer psycho-gerontologischen Aus- und Weiterbildung», erklärt Leiterin Birgit Ramos. Mit Melderfunktion ausgerüstete Zimmer- und Eingangstüren geben Alarm, wenn eine Person mit Demenz aus dem Zimmer geht oder das Haus und allenfalls den Garten verlassen will. So kann für ihre Sicherheit gesorgt werden. Ihnen werden auch spezielle Aktivitäten angeboten. «Für stark fortgeschrittene demenziell erkrankte Personen wird eine Essecke mit professioneller Begleitung angeboten. Gerne wird auch Fingerfood angeboten», ergänzt Birgit Ramos.

Als «offenes Haus» bietet das Stütlihus in Grabs eine Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz, bei denen keine Weglaufgefahr besteht. Leiter Rolf Lenherr sagt: «Bei der Planung der Erweiterung, die derzeit im Bau ist, hat man sich gegen eine geschlossene Demenzabteilung entschieden. Denn wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit den anderen bestehenden Angeboten in der Gemeinde.»