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REGION: Vergewaltiger den Tarif durchgegeben

Ein Kosovare muss wegen mehrfacher Vergewaltigung vier Jahre ins Gefängnis. Das hat das Bundesgericht unmissverständlich entschieden. Damit stützt Lausanne die klaren Urteile der Vorinstanzen in Mels und St. Gallen.
Reinhold Meier

Reinhold Meier

redaktion

@wundo.ch

Alles Zappeln nützte nichts. Der 28-jährige Kosovare aus der Region Werdenberg-Sarganserland hockt. Und muss zur Therapie. Ihm war vorgeworfen worden, zwei Frauen mehrfach vergewaltigt, verletzt, genötigt und ihrer Freiheit beraubt zu haben. In einem aufsehenerregenden Prozess vor dem Kreisgericht in Mels war ihm im Mai 2016 von der Anklage vorgeworfen worden als «Kontrollfreak und Stalker» junge Frauen zunächst umgarnt und dann gnadenlos unter seine Fuchtel gebracht zu haben. Er habe sie schliesslich mit Tausenden von Nachrichten traktiert, ihnen vielfach aufgelauert, sie eingeschüchtert und nach Gutdünken blutig geschlagen. Unter allgegenwärtiger Drangsalierung und Psychoterror habe er die Wehrlosen dann schliesslich vergewaltigt, laut Gutachten mit Lust an der Erniedrigung. «Das Filmen war eine sadistische Machtdemonstration», so die Anklage.

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland war in seinem Urteil denn auch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinausgegangen und hatte viereinhalb Jahre Haft verhängt. Bezeichnend war, dass mindestens ein Opfer seine Anzeige zurückgezogen hatte, offenbar unter Druck. Zudem war die Sicherheit während der Verhandlung gefährdet, namentlich, weil Familienmitglieder und Freunde des Täters das Dorfzentrum von Mels unsicher machten. Zur bereits stark vertretenen Polizei in Zivil und Uniform mussten deshalb gegen Mittag weitere Beamte der Autobahnpolizei zugezogen werden. Der Beschuldigte hatte alle Vorwürfe vehement bestritten und sein Verhalten als kulturell akzentuierte Form der Eifersucht dargestellt. Passiert sei gar nichts, behauptete er, vielleicht ein bisschen Streit, sonst sei alles freiwillig gewesen. Sein Anwalt hatte das Gericht als voreingenommen bezeichnet und gültige Diagnosen nicht anerkannt.

«Schreckensherrschaft aufgebaut»

Nach dem Schuldspruch unternahm der Täter denn auch alles, um dagegen vorzugehen. Doch alles Registerziehen war umsonst, er zog den Kürzeren. Zunächst beim Kantonsgericht St. Gallen, wo der Fall ein Jahr später erneut zur Verhandlung kam. Doch die Berufungsinstanz stützte die Überlegungen des hiesigen Kreisgerichts und hielt die schweren Vorwürfe im Wesentlichen für erwiesen. Sie verminderte das Strafmass zwar geringfügig auf vier Jahre, verhängte jedoch zusätzlich eine stationäre Massnahme zur Behandlung der psychischen Störung. Auch dagegen ging der Verurteilte vor und verlangte am Bundesgericht in Lausanne einen Freispruch in der Hauptsache sowie Entschädigung wegen übermässiger Haft.

Doch auch am Bundesgericht ist er jetzt abgeblitzt, und zwar kläglich. Massgebend sei, dass die Opfer unter seiner «Schreckensherrschaft» keine Freiheit mehr hatten, um sich gegen die sexuellen Übergriffe zu wehren, schrieb ihm die Kammer Klartext ins Stammbuch. Deshalb seien die Taten als Vergewaltigung zu qualifizieren, selbst wenn die verängstigten Opfer in ihrer Not formell zugestimmt hätten. Dies gelte sinngemäss auch für die Nötigungen, Freiheitsberaubungen und Körperverletzungen.

Therapie zwingend nötig

Auch der Versuch, sich gegen die stationäre therapeutische Massnahme zu wehren, erwies sich in Lausanne als eher peinlicher Schuss in den Ofen. Denn das Bundesgericht vermochte an der gutachterlichen Beurteilung schlicht nichts Fehlerhaftes zu entdecken. Und selbst wenn er derweil in der Haft «allfällige Ansätze» zeige, sein Verhalten kritisch zu reflektieren, mache das die Therapie keineswegs überflüssig, hiess es.

Das Bundesgericht hielt zudem ausdrücklich fest, dass die gutachterliche Einschätzung von «sadistischen Zügen» nicht in Frage zu stellen sei. Sie entspreche einem durchgängigen Verhaltensmuster des Täters. Infolge dieser Erwägungen wurden sowohl das verhängte Strafmass als auch die Massnahme bestätigt, die beantragte Haftentschädigung hingegen abgewiesen. Die Kosten des Entscheids in Höhe von 3000 Franken hat der Täter zu zahlen.

Urteil 6B_25/2018

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