REGION: Traditionelle Form ohne Zukunft?

Das Interesse an Jungbürgerfeiern sinkt. Wildhaus-Alt St. Johann und Wartau planen ein neues Konzept. In Sevelen will man die Jungbürger 2018 nochmals einladen.

Ursula Wegstein
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Ursula Wegstein

ursula.wegstein@redaktion.ch

Das war einst die Grundidee der traditionellen Jungbürgerfeiern: den jungen Erwachsenen zum Eintritt in das Erwachsenenalter etwas zu bieten und sie bei dieser Gelegenheit über ihre Rechte und Pflichten als Staatsbürger zu informieren. Nicht als Predigt oder belehrend, sondern im Rahmen eines lockeren Anlasses. Daneben diente eine Jungbürgerfeier auch als Animation für die Bürgerversammlung und als Werbung für die jeweilige Gemeinde allgemein. Ausserdem sollten Hemmschwellen abgebaut werden. Dass das Interesse daran mancherorts bei fünf Zusagen von 58 Personen (Wartau) oder sechs von 120 Personen (Sevelen) jeweils für das gesamte Programm ge­radezu verschwindend gering ist, enttäuscht, wie von den Organisatoren zu erfahren war.

Bis zuletzt alle Optionen offenhalten

Auf die Frage nach den Gründen für das geringe Interesse fällt die Antwort überall ähnlich aus: Das sei ein gesellschaftliches Phänomen. Am gebotenen Programm läge es nicht. Die jungen Erwachsenen hätten sowieso wenig Zeit. Manche arbeiten auch samstags. Es gäbe zu viele anderweitige Möglichkeiten und Aktivitäten. Man wolle sich bis zuletzt alle ­Optionen offenhalten. Hinzu kommt eine gewisse Gruppen­dynamik: Die jungen Erwachsenen sprächen sich ab. Entweder sagt eine ganze Clique zu, oder eben auch ab. In diesem Jahr gab es zusätzlich eine Termin­kollision mit dem Kantiball in Sargans.

Ein weiterer Grund: Ergeht die Einladung zur Jungbürger­feier an alle Personen eines Jahrgangs, kennt man sich teilweise untereinander wenig oder geht in unterschiedliche Klassen. Da habe es wenig Zusammenhalt untereinander.

In Wildhaus-Alt St. Johann will man gegensteuern: Ab nächstem Jahr ergehen dort die Ein­ladungen an alle Personen eines Schuljahrgangs (August–Juli). So will man die Jungbürgerfeier als eine Art erstes Klassentreffen ­attraktiver machen. Zudem wird die Jungbürgerfeier mit Nesslau zusammengelegt. Wegen der diesjährigen Absage will man in Sevelen alle Jungbürger nochmals zur nächsten Jungbürger­feier im Jahr 2018 einladen.

«Aus Sicht der Jungen nicht mehr zeitgemäss»

Auch in Wartau soll ein neues Konzept Abhilfe schaffen: Man will die Jungen mehr einbinden, aber nicht zwingen. «Vielleicht ist so eine Jungbürgerfeier aus Sicht der jungen Erwachsenen nicht mehr zeitgemäss», heisst es nicht nur in Wartau. Allenfalls soll die Organisation zusammen mit der Feuerwehr-Rekrutierung erfolgen.

Bei der Jungbürgerfeier in Grabs nahmen am 1. September 16 von 70 Eingeladenen teil. Eine Zahl, mit der so ein Anlass noch gut durchführbar sei.

Bei den weiblichen Personen sei das Interesse grösser, stellt man in Grabs fest. Insgesamt soll die Jungbürgerfeier in gewohntem Stil weitergeführt werden, vielleicht mit kleinen Verbesserungen.

In Gams wurde die Jung­bürgerfeier mit 10 Teilnehmern von 40 durchgeführt. Solange zwischen 10 und 20 Personen teilnehmen, ist man auch in Gams zufrieden.

In Buchs hat der Stadtrat beschlossen, die Jungbürgerfeiern mangels Interesse vorerst einzustellen. Im nächsten Jahr soll das Thema allerdings noch einmal auf die Tagesordnung kommen.