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REGION: Thesen schlagen ein wie ein Meteor

Die Historisch-Heimatkundliche Vereinigung lud am Donnerstag zum Vortrag über die «Reformation» ins Grabser «Schäfli» ein. Besonders die Vorgänge im Werdenberg stiessen auf grosses Interesse.
Katharina Rutz
Frank Jehle machte in seinem Vortrag einen Bogen von Luther in Deutschland über Zwingli in Zürich bis ins Werdenberg. (Bild: Katharina Rutz)

Frank Jehle machte in seinem Vortrag einen Bogen von Luther in Deutschland über Zwingli in Zürich bis ins Werdenberg. (Bild: Katharina Rutz)

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Die Aufteilung ist ganz klar: Gams ist mehrheitlich römisch-katholisch und die restlichen Gemeinden im Werdenberg sind reformiert. Dies kommt daher, dass die jeweiligen Obrigkeiten im 16. Jahrhundert die Religion von oben herab diktiert haben. «Eine Befreiung des Volkes war die Reformation also eigentlich nicht», sagt Frank Jehle und ist sich bewusst, damit zu provozieren.

Der Referent war vor seinem Ruhestand als Seelsorger und Dozent an der Universität St. Gallen tätig und amtete lange Jahre als Kopräsident der Evangelisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission der Schweiz. Zusammen mit seiner Frau Marianne Jehle-Wildberger verfasste er die bekannte «kleine St. Galler Reformationsgeschichte». Letztes Jahr veröffentlichte er im Theologischen Verlag Zürich den St. Galler Katechismus von 1527 mit dem Titel «Ain christliche Underwisung der Jugend im Glouben». Rund 45 Personen folgten seinen Ausführungen zur Reformation, anlässlich des 500-Jahre-Jubiläums.

Ein Auslöser der Reformation

Am 31. Oktober 1517 übersandte Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablass an den Erzbischof von Mainz. Zusammen mit weiteren politisch-religiösen Geschehnissen der damaligen Zeit lösten die Thesen die Reformation aus. «Die Thesen Luthers schlugen in der damaligen geistigen und kirchlichen Welt ein wie ein Meteor», erzählte Frank Jehle lebhaft. «Der daraufhin folgende Prozess stellte die Europäische Landschaft auf den Kopf.» Von Luther leitete Jehle zu Zwingli in Zürich über. Denn der in Wildhaus geborene Zwingli kaufte eine Schrift Luthers, um sie seinem Freund Vadian zu schenken. Dies beweist eine Widmung im Buch. Zwingli stammte aus einer führenden und wohlhabenden Wildhauser Familie und war zudem für die damalige Zeit hochgebildet.

Im Jahr 1518 wurde er als Leutpriester nach Zürich berufen und war dort ein sehr beliebter Pfarrer. 1522 erschien die erste Bibel in Deutsch. «Ein Bestseller der damaligen Zeit und sofort vergriffen», sagte Frank Jehle. In Zürich schliesslich war es, dass der Rat beschloss, dass nur noch gepredigt werden soll, was mit der göttlichen Schrift belegt werden könne. «Dieser Ratsbeschluss war revolutionär, denn eine weltliche Behörde nahm das Heft in Sachen Religion in die Hand», so Jehle. Auch der Bildersturm und der Abendmahlstreit zwischen Luther und Zwingli waren Themen des Abends. Schliesslich verlief die Reformation auch blutig und gerade Zwingli fiel «viel zu früh» im zweiten Kappeler Krieg.

Dann blickte Frank Jehle auf die Ostschweiz, wo in St. Gallen der Bürgermeister Vadian und Johannes Kessler die wichtigen Personen der Reformation waren. Auch St. Gallen wurde per Ratserlass zur zweiten reformierten Stadt der Eidgenossenschaft. Im restlichen Gebiet des heutigen Kantons wurde jeweils die Religion ausgeübt, welche die Obrigkeit vorgab. «Dennoch habe gerade die Werdenberger Bevölkerung ihre jeweilige Religion bejaht und stark verinnerlicht.»

Religion von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich

So blieben das Fürstenland und Teile des Toggenburgs römisch-katholisch. Da das Toggenburg bereits verschiedene Rechte vom Fürstabt erwirken konnte, wurden dort einzelne Gemeinden reformiert. Im Werdenberg gehörte die Herrschaft Gams den Schwyzern, die sehr stark am katholischen Glauben festhielten. Während die Herrschaften Wartau und Werdenberg zu den Glarnern gehörten, wo die führenden Familien eher zur Reformation neigten. Etwas unglücklich habe es die Sennwalder getroffen. «Je nach Laune der Herren von Sax waren sie einmal reformiert und ein andermal katholisch. Doch nach dem Verkauf an Zürich blieben sie reformiert», so Jehle. Allerdings seien aus dem 16. Jahrhundert nur wenige Quellen aus dem Werdenberg erhalten, deshalb wisse man auch nicht sehr viel über den Verlauf der Reformation in unserer Region.

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