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REGION: Schadenminderung ist das Ziel

Der Schutz von Kulturpflanzen vor massiven Schädigungen in Frostnächten ist das Ziel von verschiedenen Präventionsmassnahmen. Es gibt einen ganzen Strauss davon, doch einen 100-prozentige Schutz gibt es nicht.
Thomas Schwizer
Das Abdecken von Erdbeerfeldern mit einem Vlies bietet den empfindsamen Blüten der Pflanzen einen gewissen Schutz vor Temperaturen im Minusbereich. Wo Berieselungsanlagen verlegt sind, kann auch das aufwendige «Einfrieren» Schutz bieten.

Das Abdecken von Erdbeerfeldern mit einem Vlies bietet den empfindsamen Blüten der Pflanzen einen gewissen Schutz vor Temperaturen im Minusbereich. Wo Berieselungsanlagen verlegt sind, kann auch das aufwendige «Einfrieren» Schutz bieten.

Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch

Alles andere als eine erholsame Nacht hat der st.-gallische Rebbaukommissär Markus Hardegger aus Gams hinter sich. Wegen der spätestens auf die frühen Morgenstunden von heute Donnerstag angekündigten Minustemperaturen hat er das warme Bett mit dem kalten Rebberg «getauscht». In der Nacht auf morgen Freitag wird ein Kollege von Hardegger diese besondere Nachtschicht im Staatswingert Frümsen übernehmen. Dieser wird vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in Salez betrieben und gehegt.

«Wir nutzen die Minusgrade, um mit verschiedenen Schutzmassnahmen Erfahrungen zu sammeln», sagt Markus Hardegger auf Anfrage des W&O. Diese sollen dann den Rebbauern zur Verfügung gestellt werden.

Bereits am 28. April 2016 herrschten in der Region Minusgrade – letztlich blieben die Schäden an den Knospen der Reben vor Jahresfrist glücklicherweise relativ begrenzt. Doch diesmal waren und sind tiefere Temperaturen als damals angesagt. Hardegger weiss, dass ab circa 4 Grad minus grössere Schäden erwartet werden müssen. Die Tiefsttemperaturen sind jeweils in den frühen Morgenstunden zu erwarten.

Verschiedene Schutzmassnahmen möglich

In einem Merkblatt an die Rebbauern hat Hardegger vor einigen Wochen verschiedene Schutzmassnahmen genannt, welche diese für allfällige Frostnächte treffen könnten. Eine Sicherheit vor Schäden könne es trotzdem nicht geben, aber «das Ziel aller Massnahmen ist die Schadenminderung», sagt der Rebbaukommissär. Und mehrere Massnahmen zusammen würden dazu beitragen.

In erster Linie empfahl er, was früher im Rebbau häufig umgesetzt wurde und heute meistens nur noch bei besonders empfindlichen Sorten getan wird: so genannte «Frostruten». Man lässt zu Beginn der Vegetationszeit die doppelte Anzahl Triebe stehen, die man braucht. Wenn bei sehr tiefen Temperaturen die Hälfte erfriert, hat man dennoch den angestrebten Ertrag. Einige Rebbauern hätten vergangenes Jahr mit dieser Methode gute Erfahrungen gemacht.

Als weitere Präventionsmassnahme nennt Hardegger, das Gras zwischen den Rebstöcken kurz zu mähen. Damit könnten Minustemperaturen um rund 1 Grad vermindert werden – denn man wisse, dass hohes Gras mehr Feuchtigkeit bilde und damit der Frost verstärkt werde. Als Drittes sei der Abschluss einer Frostversicherung möglich. Dafür sei es aber nun zu spät. Wenn bereits eine Frostwarnung ausgegeben sei, finde man dafür keine Versicherung mehr.

Schliesslich könnten sogenannte Frostkerzen eingesetzt werden, wie das schon vor Jahresfrist verschiedentlich gemacht worden sei. Eine Schwierigkeit dabei sei einerseits, dass man damit nicht ganze Rebberge ausrüsten könne, sondern primär gezielt in besonders frostgefährdeten Muldenlagen. Ebenfalls sei es sehr heikel, den richtigen Moment für das Anzünden zu finden. Wenn drei Nächte in Folge Minustemperaturen herrschen, dann seien der Aufwand und die Kosten für den Einsatz dieser «Kerzen» sehr hoch, erklärt der Fachmann. Im Staatswingert in Frümsen standen in der vergangenen und stehen in der nächsten Nacht übrigens punktuell Frostkerzen im Einsatz. «Um den optimalen Zeitpunkt dafür zu finden, messen wir ab circa 23 Uhr bis am Morgen die Temperatur auf 85 cm Höhe», so Hardegger.

Schliesslich erwähnt er auch die mögliche Berieselung mit Wasser und damit das Einfrieren der empfindsamen Knospen. Allerdings brauche es dafür sehr viel Wasser, da diese Methode ab einer Temperatur von 0,5 Grad bis nach dem Auftauen am Vormittag, wieder bei 0,5 Grad, pausenlos erfolgen müsse. Zudem brauche es dafür eine teure mobile Spritzanlage. Letztlich werde der Boden dabei so durchnässt, dass man ihn nicht mehr befahren könne, und beim stundenlangen Einsatz in Hanglagen drohe die Erde abzurutschen.

Letztlich gilt: «Die Hoffnung stirbt zuletzt»

Allen vom Rebbaukommissär empfohlenen Massnahmen ist gemeinsam: Sie verursachen einerseits einen grossen Arbeitsaufwand und andererseits nicht zu unterschätzende Kosten.

Das Fazit von Markus Hardegger: «Es gibt einen ganzen Strauss von möglichen Massnahmen, aber insgesamt bleiben sie trotzdem begrenzt.» Die aktuellen Frostnächte seien ein grosses Thema, was zahlreiche Anrufe von Rebbauern bei ihm zeigten. Letztlich bleibe nun abzuwarten, wie gross allfällige Schäden ausfallen – und das Motto: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.»

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