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REGION: Philip Herrmann veredelt Schnaps

Gegen ein Verteilerli nach dem Essen hat wohl niemand etwas einzuwenden. Eines aus Alpenkräutern soll es sein. Am besten aus Kräutern des Alpsteins.
Die "Werkstatt" von Philip Herrmann befindet sich im Keller seines Wohnhauses im Schönenboden. Auf dem Tisch liegt die Linoleums-Vorlage für den Etikettendruck. (Bild: Christiana Sutter)

Die "Werkstatt" von Philip Herrmann befindet sich im Keller seines Wohnhauses im Schönenboden. Auf dem Tisch liegt die Linoleums-Vorlage für den Etikettendruck. (Bild: Christiana Sutter)

Christiana Sutter

Im schwach beleuchteten Kellergewölbe des Toggenburger Hauses von Philip Herrmann und seiner Familie ­in Wildhaus sind die Schätze des Schnapsveredlers gelagert. Fein säuberlich. Fass neben Fass. Auf einem Tischchen liegt eine Pipette, um den Wein zu kontrollieren, eine Flasche «Altmaa Bitter», ein Glas, Prospekte, Visitenkärtchen, eine Verpackung – und die Linoleumvorlage für den Druck der Etikette. Diese wurde von einem Grafiker in Handarbeit hergestellt.

Bittere Schnäpse haben etwas gemeinsam: Die Inhaltsstoffe, oder die Ingredienzien, sind ein Geheimnis. Auch jenes des «Altmaa Bitter». Ein Schlupfloch aber hat Philip Herrmann gefunden. Um das Geheimnis zu lüften, hat Philip Herrmann den Inhalt einer im Januar 2014 gefundenen Flasche analysieren lassen. Sein Grossonkel Ernst Eppenberger, Drogist aus Neu St. Johann, stellte bis zu seinem Tod 1956 in seiner Drogerie in Neu St. Johann den «Ueli Bitter» her. Auf den Geschmack ist Philip Herrmann dann beim Degustieren des Inhalts der gefundenen Flasche gekommen. Seine Neugierde war geweckt, und die Idee geboren: Dieses Getränk muss wieder zum Leben erweckt werden. Lebensmitteltechnologen aus Winterthur konnten für Herrmann die Rezeptur entschlüsseln.

Der Schnapsveredler ist fasziniert von den Vorfällen, die in einem Jahr mit dem gebrannten Wasser im Holz geschieht. Die Farbe oder der Geschmack verändert sich, je nachdem, in welches Fass das Gebrannte abgefüllt wird. Angefangen mit der Veredlung von gebrannten Wässerchen hat Philip Herrmann vor drei Jahren mit Whisky. In bereits belegten Eichenfässern hat er denselben Brand aus dem Hause der Brauerei Locher in Appenzell in ein Fläscher Pinot Noir und in ein Sauternes-Fass abgefüllt. «Das Ergebnis ist unterschiedlich», erklärt Herrmann. Nicht nur, weil die eine Abfüllung in einem Rot- und die andere in einem Weisswein-Fass gelagert wurde. Philip Herrmann vermutet, dass auch der «Ueli Bitter» früher in Fässern gelagert wurde, später waren es dann Glasballone. Gebrannt und abgefüllt wird der «Altmaa Bitter»- Kräuterschnaps in Winterthur. Nach dem eigenen Rezept. «In Wildhaus habe ich aber immer ein Fass für die spezielle Veredlung stehen», erläutert Herrmann.

Ein passender Name

Eines Morgens ist Philipp Herrmann von zu Hause im Schönenboden über die Zwinglipasshütte auf den Altmann gewandert. Er ging abwärts und hinunter auf die Meglisalp, wieder hinauf zum Alten Säntis und über die Tierwies zurück nach Wildhaus. «Da ist mir der Gedanke gekommen, dass der Schnaps ‹Altmaa Bitter› heissen muss.» Ursprünglich hiess der Kräuterlikör «Ueli Bitter». Herrmann nannte den Bitter in seiner ersten Produktion «Toggenburger Bitter», das war allerdings aus markenrechtlichen Gründen nicht möglich. Der Name war von einer Destillerie in Willisau geschützt. Philip Herrmann hat daraus gelernt. Er hat sich abgesichert und nun die Markenrechte für den «Altmaa Bitter» erhalten. Wenn im Hobbyraum, dem Keller in Herrmanns Haus, abgefüllt wird, kann es im ganzen Haus nach Schnaps riechen. «Käme ein Fremder ins Haus, könnte der sich weiss was bei den Düften denken», meint Herrmann und lacht schelmisch. «Meine Frau weiss aber immer, was ich mache.» Sie ist es auch, die dem Schnapsveredler hilft, die Etiketten anzukleben, die Flaschen zu versiegeln und sie anschliessend fein säuberlich zu verpacken. Jedes Produkt aus dem Hause Herrmann ist in eine spezielle Flasche abgefüllt und hat eine eigene Etikette. «Ich finde es spannend, jeweils eine passende Flasche zum Produkt zu finden.» Auch die Etiketten werden passend zum Schnaps kreiert. Dabei wird er von der Toggenburger Druckerei in Wattwil beraten.

Wein und Essig sind ähnlich

Ein weiteres Produkt von Herrmann ist der Essig. Diese Fässer lagern nicht im Keller, sondern stehen an einer Hauswand. Vergangenen Herbst hat er zusammen mit seiner Frau Nicole sämtliche Kräuter rund ums Haus geschnitten, «Lavendel, Minze, Thymian, Rosmarin und vieles mehr», erzählt der gelernte Koch. «Ohne Rezept, einfach nach Gutdünken.» Das Ziel war, bis Weihnachten 20 Liter abzufüllen. «Ohne Zusatzstoffe und ohne Zucker.» Philip Herrmann verwendet Weinessig-Konzentrat und Traubenmost. Den Weissweinessig hat er in einem Weissweinfass des Weinproduzenten Schmidheiny in Heerbrugg abgefüllt. «Trinkt man ein Glas Weisswein und danach etwas von dem Essig, merkt man sofort, dass sich diese beiden Produkte ähnlich sind», sagt Philip Herrmann schmunzelnd.

Das Hobby von Philip Herrmann ist inzwischen ein Familienhobby geworden. Vertrieben werden die Destillate im Toggenburg bei einheimischen Gewerbetreibenden. «Ich freue mich immer wieder, wenn ich meinen ‹Altmaa Bitter› an einem neuen Ort entdecke», sagt Herrmann. Und nippt an einem Glas. Natürlich gefüllt mit «Altmaa Bitter».

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