REGION: «OKP plus» wird überflüssig

Wenn der Landtag, das Liechtensteiner Parlament, in knapp zwei Wochen dem Abkommen mit der Schweiz zustimmt, gilt freie Arztwahl in der Schweiz. Aber nicht in Liechtenstein.

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Das Abkommen für den grenzüberschreitenden Zugang zu ambulanten Leistungen im Gesundheitswesen hat es in sich. Wird dieses Abkommen von beiden Parlamenten im Dezember abgesegnet, dann wird die erweiterte OKP – von den Krankenkassen auch als «OKP plus» bezeichnet – hinfällig. Mit der Zusatzversicherung kann man sich für 40 Franken im Monat die freie Arztwahl erkaufen. Ohne diesen Zusatz werden nur die Leistungen der 58 OKP-Ärzte in Liechtenstein und von rund 15 Spezialärzten über dem Rhein, welche über eine liechtensteinische OKP-Zulassung verfügten, übernommen.

Eigene Praxis in der Schweiz bringt Vorteile

Ende 2016 hatten 10 085 Personen oder 25 Prozent der Versicherten in Liechtenstein diese Zusatzversicherung. Mit dem neuen Abkommen können sich alle krankenversicherten Personen in Liechtenstein im Rahmen der Standard-OKP bei allen zugelassenen Leistungserbringern in der ganzen Schweiz behandeln lassen. Umgekehrt dürfen auch alle St. Galler und Bündner zu einem Arzt in Liechtenstein gehen. Aber nur, wenn dieser einen OKP-Vertrag hat. Die rund 50 Ärzte ohne OKP-Vertrag in Liechtenstein schauen dabei in die Röhre. Sie können weder Liechtensteiner ohne «OKP plus» noch Schweizer Patienten mit einer Allgemeinversicherung behandeln. Dafür müssten diese Ärzte ihre Praxis in die Schweiz verlegen. «Die diesbezügliche Schweizer Willkommenskultur kennt nämlich keine Bedarfsplanung», erklärt VU-Parteipräsident Günther Fritz. Deshalb sieht er auch die Gefahr einer beachtlichen Abwanderung von Steuersub­strat. Für den Patienten klingt das neue Abkommen auf den ersten Blick sehr gut. Doch ohne die Prämien aus der «OKP plus» fehlt den Krankenkassen Geld.

Patrik Schädler

redaktion@wundo.ch