REGION: «Normaler Mann – kein ‹Sexpaket›»

Viktor ist 29 Jahre jung und wohnt im W&O-Gebiet. Sein Nebenverdienst: Frauen gegen Bezahlung glücklich zu machen.

Mengia Albertin
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Das Interesse der Damen an Callboys ist gross: In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl der Klicks auf der Webseite callboy-schweiz.ch ­verdreifacht. (Bild: Cura Photography/Fotolia)

Das Interesse der Damen an Callboys ist gross: In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl der Klicks auf der Webseite callboy-schweiz.ch ­verdreifacht. (Bild: Cura Photography/Fotolia)

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

«Frauen sind mutiger geworden». Das erzählte der Betreiber der Webseite callboy-schweiz.ch, Renato, kürzlich dem «St. Galler Tagblatt». Vor vier Jahren habe er auf seiner Webseite 2500 Klicks im Monat registriert, mittlerweile seien es 8000 Damen, die sich für die Dienste eines Callboys interes­sieren. Die Männer haben private Homepages oder sind auf Plattformen wie callboy-schweiz.ch zu finden. Dort bieten sie Begleitung zu Anlässen und sexuelle Abenteuer an. Für jeden Geschmack, jede Fantasie ist gesorgt. Schon beim Aussuchen des richtigen Profi-Liebhabers ist in erster Linie wichtig, was frau gefällt. Ist es der verträumte Lockenkopf, der Casanova mit Gitarre oder doch der dominante Geschäftsmann im Anzug?

Auch das W&O-Gebiet beherbergt einen Callboy. Viktor reist seit gut zwei Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum umher, um die Frauen glücklich zu machen. Er hat sogar ein Coaching absolviert und kann nun ein Gütesiegel vorweisen. «In den kälteren Monaten des Jahres steigen die Anfragen für unverbindliche Treffen an. Das Bedürfnis nach Nähe ist grösser», sagt der 29-jährige Callboy. Die Kundinnen sind Frauen zwischen 25 und 50 Jahren und kämen in ihrem Sexualleben oftmals zu kurz. Andere wollen etwas Neues ausprobieren. «Ich bin gerne der heimliche Liebhaber», sagt Viktor über sich selbst. Seit seinem Callboy-Dasein hat der Messtechniker viel über Frauen und Männer gelernt. Dass Männer grundsätzlich etwas falsch machen und sich die Frauen deshalb einen Callboy bestellen, das glaubt er nicht. Auch wenn Männer in der Sexualität egoistisch sein können, fehle auch vielen Menschen die Experimentierfreude, um in einer ­längeren Beziehung das Feuer beizubehalten.

«Plumpe Anmache stösst mich ab»

Ruth* hat Viktor bisher zweimal im professionellen Rahmen getroffen und ist begeistert. Sie verheimlicht einigen ihrer Freunde, dass sie für die Dienste ihres Liebhabers bezahlt. Mit ihrem besten Freund hatte sie Streit deswegen, versicherte ihm aber, dass es ihr gut tue. Bei ihren Treffen soll Viktor auf keinen Fall zu kurz kommen, findet sie. An ihm gefällt ihr, dass er zwar eine erotische Anziehung auf sie ausübt, aber sonst ein ganz normaler Mann ist und kein «Sexpaket» oder ein Chippendale. Zwar wäre fast immer ein Mann für ein kurzes Vergnügen zu finden, die plumpe Anmache würde sie aber abstossen, sagt sie. Ergreife man als Frau selber die Ini­tiative, könne man schon mal als Flittchen abgestempelt werden. Sie weiss, dass das Bestellen eines Callboys noch immer ein Tabuthema ist. 5

* Name der Redaktion bekannt