REGION: Nichtraucher gegen Raucher

Die SBB überprüften die Raucherregelung in Bahnhöfen. Generell mehren sich die Stimmen für eine Einschränkung des Rauchens in der Öffentlichkeit. Der W&O hat nachgefragt, wie das so ankommt.

Ursula Wegstein
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Ursula Wegstein

ursula.wegstein@wundo.ch

Dass Tabakrauchen einer der grössten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrankheiten und Krebs ist, ist seit langem bekannt. Nikotin erzeugt im Gehirn ein Gefühl von Entspannung und Belohnung. Das ist wohl ein Grund dafür, dass in der Schweiz nach Schätzungen etwa zwei Millionen Raucher nicht von diesem Laster lassen können. Zum Schutz vor Gesundheitsgefährdungen durch Passivrauchen ist das Rauchen in der Öffentlichkeit, in Restaurants, Bars und am Arbeitsplatz bereits verboten.

Recht auf saubere Luft contra Freiheit, zu rauchen

Die Frage, die sich hinter dem Ruf nach weiteren Restriktionen verbirgt: Steht das Recht in der Öffentlichkeit, frei zu atmen, ohne sich mit Passivrauch zu vergiften, über der Freiheit, die Luft mit einer Zigarette zu verschmutzen? Die Redaktion hat am Bahnhof Buchs und auf der Facebook-Seite des W&O nachgefragt.

Dass es nun vielleicht bald auch mit dem Rauchen auf dem Bahnhofsperron vorbei sein könnte, empfinden viele, sowohl Raucher als auch Nichtraucher, als unerträgliche Bevormundung. Eine Raucherin am Bahnhof findet, markierte Raucherzonen mit Aschenbechern wären sinnvoll. Oder Raucherlounges, schreibt jemand auf der Facebook-Seite. Hat man das Gefühl, dass man als Raucher verteufelt oder ausgegrenzt wird? «Ja. Schon ein bisschen», finden drei Raucher am Bahnhof Buchs. «Wir verstehen das nicht. Wir sind ja draussen an der frischen Luft», hört man häufig. «Wie das in Österreich ist, finden wir nicht gut. Da musst du als rauchender Pendler den Bahnhof komplett verlassen. Am Ende verpasst du deswegen noch deinen Anschlusszug», beklagt ein junger Pendler aus Altstätten. Mancher Raucher fragt sich, wie das weitergeht. «Als Nächstes kommt dann die Krankenkasse, die von uns Rauchern höhere Prämien verlangt.» Und, und, und, ist am Bahnhof Buchs zu hören.

Solange die Zigarettenkippen richtig entsorgt werden, sei doch alles gut. Dann müssten auch vermehrt andere Geruchsbelästigungen auf den Prüfstand, so eine weitere Meinung auf Facebook.

Andere stören sich an Rauchschwaden und Zigarettenkippen und fänden weitere Restriktionen, wie sie in vielen europäischen Ländern gelten, in Ordnung. Laut einer SDA-Meldung sei die Raucherregelung an den SBB-Bahnhöfen im europäischen Vergleich sehr liberal. In zahlreichen Ländern gilt bereits ein komplettes Rauchverbot auf Bahnhöfen. In Deutschland und Norwegen darf nur in markierten Raucherzonen geraucht werden.

Übrigens: Die Kosten für die Beseitigung von achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln im Gleisfeld beziffert die SBB mit jährlich rund 3 Millionen Franken.