REGION: Nichtheimische Wildvögel verursachen Schäden

Wildvögel, die sich an einem heimatfremden Ort niederlassen oder gar illegal ausgesetzt werden, können für einheimische Arten zur Bedrohung werden. So auch die Nil- und die Rostgans.

Julia Kaufmann
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Befallene Eschen weisen Welke-Symptome auf. Dies können braune Flecken auf den Blättern sein oder ­abgestorbene Triebe. (Bild: PD)

Befallene Eschen weisen Welke-Symptome auf. Dies können braune Flecken auf den Blättern sein oder ­abgestorbene Triebe. (Bild: PD)

Ursprünglich aus Afrika stammend, wurde die Nilgans im 18. Jahrhundert in Europa eingeführt. Seither hat sich das Tier über den ganzen Kontinent verbreitet – jedoch zum Leidwesen der einheimischen Vogelarten. Ähnlich verhält es sich auch mit der Rostgans, die ebenfalls aus Afrika sowie aus Asien stammt. Beide Vogelarten verursachen Schäden am hiesigen Ökosystem, weshalb sie schweizweit zum Schutz der heimischen Artenvielfalt reguliert werden.

Schaden für Mensch, Tier und Umwelt

«Es werden immer wieder Nilgänse an verschiedenen Orten beobachtet. So beispielsweise am Bodensee, im Rheintal oder am Zürichsee. Ausserdem haben in diesem Jahr über zehn Stück auf dem Golfplatz in Gams gewütet, und Nilgänse wurden an verschiedenen Standorten im Binnenkanal der Regionen Werdenberg und im Rheintal gesichtet», bestätigt Silvan Eugster, Wildhüter der Regionen Werdenberg und Rheintal.

Wann die ersten Wildvögel dieser Art in der Schweiz gesichtet wurden, ist nicht vollständig zu klären. Experten sind sich jedoch einig, dass Nilgänse seit 2003 alljährlich an Schweizer Gewässern gebrütet haben. In der Ostschweiz wird die momentane Population auf einige Dutzend Tiere geschätzt, die sich vor allem bei Seen, Fliessgewässern, Feuchtgebieten sowie Siedlungen aufhalten. Nil- und Rostgänse sind dafür bekannt, ein aggressives Verhalten an den Tag zu legen, wenn es um die Verteidigung ihres Brutgebiets geht.

Sie vertreiben dann andere einheimische Arten sowie vor allem Stockenten, die in Reichweite der nichtheimischen Art nicht mehr in Ruhe brüten können. Auch vor Attacken auf den Menschen würden sie in der Regel nicht zurückschrecken. Doch Silvan Eugster ist bislang kein solcher Angriff bekannt. Dennoch rät er, die Tiere nicht absichtlich zu provozieren und bei Sichtungen einen Bogen um sie zu machen. Durch das Nisten in Wohngebieten können zudem Verschmutzungen entstehen, welche die Menschen als störend empfinden können.

Abschüsse das ganze Jahr über erlaubt

Ebenso wie die Nilgans ist die Rostgans im Anhang 1 der eidgenössischen Jagdverordnung als nicht einheimische Wildart aufgeführt. «Ihre Einfuhr und Haltung ist bewilligungspflichtig, und die Kantone müssen sich darum sorgen, dass diese Tiere, die in die freie Wildbahn gelangt sind, reguliert werden. Sie sollen sich nicht weiter ausbreiten und müssen entfernt werden», so Eugster. In der gesamten Schweiz werden berechtigte Personen eingesetzt, die die Aufgabe der Regulierung übernehmen.

Ausserdem darf der aus Afrika stammende Vogel während des ganzen Jahres gejagt werden. Abschüsse müssen dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei entweder durch Jagdgesellschaften oder Wildhüter gemeldet werden. Analog verhält es sich überdies mit der Rostgans. Laut Einschätzung des Wildhüters sei es unter gewissen Bedingungen durchaus vorstellbar, dass der Bestand dieser nichtheimischen Wildarten in den kommenden Jahren zurückgeht: «Wenn alle am gleichen Stick ziehen, sollte das möglich sein.»

Dennoch wird dieses Vorhaben dadurch geschwächt, dass es in «Deutschland sowohl von den Nil- wie auch von den Rostgänsen grosse verwilderte Vorkommen gibt, von denen stets viele Tiere in die Schweiz einfliegen», sagt Eugster abschliessend.

Julia Kaufmann

redaktion@wundo.ch