REGION: Nerv des Marktes getroffen

Die Werdenberger Autorin Alice Gabathuler hat mit «Hundert Lügen» ein neues Buch geschrieben. Auf Erfolgskurs ist sie auch mit dem Jugendbuchverlag da bux aus Buchs.

Armando Bianco
Drucken
Teilen

Armando Bianco

armando.bianco@wundo.ch

«Wie viele Lügen haben in zehn Jahren Platz? Hundert? Tausend? Hunderttausend? Zu viele.», lautet es einleitend im Klappentext von «Hundert Lügen», dem jüngsten Buch der Werdenberger Autorin Alice Gabathuler. Es ist ihr 15. Werk im Verlag Thienemann mit Sitz in Stuttgart und Wien. Jugendkrimis sind ihr bevorzugtes Genre. Mit Hingabe entwirft sie dabei Charaktere, mit Sorgfalt pflegt sie deren Eigenschaften, mit Fingerspitzengefühl profiliert sie die emotionale Welt der Buchfiguren, mit erzählerischem Geschick justiert sie ihre Botschaft in eine Richtung. Mit Erfolg, für ihren Titel «No way out» hat sie im Jahr 2014 den Hansjörg-Martin-Preis für die beste Publikation im deutschsprachigen Raum erhalten.

«Hundert Lügen» ist vor rund drei Wochen auf den Markt gekommen und sorgt in Foren bereits für viel Lob, ja teils begeisterte Kommentare. Am 19. September findet ihm Sinne einer Schweizer Premiere in Muttenz eine erste Lesung aus diesem Buch statt, weitere Auftritte folgen in den Wochen danach.

Die Chemie im Trio und die Motivation stimmen

Bekanntlich hat die Werdenberger Autorin letztes Jahr zusammen mit den zwei Berufskollegen Tom Zai (Walenstadt) und Stephan Sigg (St. Gallen) den Jugendbuchverlag da bux mit Sitz in Buchs gegründet. Die Idee, aktuelle Themen aufzugreifen, die im Alltag Jugendlicher eine Rolle spielen, war von Erfolg gekrönt. Edition 1 musste aufgrund der Nachfrage nachgedruckt werden, die aktuell promotete Edition 2 sorgt für Spannung und Erwartungen. «Dass wir vom Markt so schnell so gut aufgenommen werden, hätten wir nicht gedacht», so Alice Gabathuler im Gespräch mit dem W&O.

Eine besondere Erfahrung ist es für die Autorin, quasi die Seite des Business zu wechseln und selbst als Verlegerin tätig zu sein. «Es macht mir riesige Freude, ­zumal wir Erfolg haben und die Chemie zwischen mir und den beiden Mitverlegern absolut stimmt», beschreibt sie das motivierende Arbeitsumfeld. «Einen Verlag zu gründen, ist eigentlich total verrückt», meinte Alice Gabathuler noch im Mai 2016, kurz vor der Lancierung der Edition 1. Wer wagt, gewinnt.

Die Inspiration quasi vor der Haustüre gefunden

Die Inspiration für das neue Thienemann-Buch hat sich Alice Gabathuler bei ihrer Lieblingsband The Beauty of Gemina aus Sargans geholt. «Ich war an einem Konzert, die Musiker stimmten den Song ‹Dragon› an und mich traf so etwas wie ein Blitz. Ich wusste in jenem Moment, dass ich zu diesem Lied ein Buch schreiben würde.» «Hundert Lügen» entstand nicht nach dem üblichen Schema, nach welchen sie ihre Bücher üblicherweise anpackt. «Ich ging von der Stimmung im Song aus, liess mich von den Songzeilen inspirieren und schuf die Romanfiguren aus dieser Stimmung heraus. Auch die Geschichte wuchs nach und nach den Songzeilen entlang, wobei ich noch andere Lieder der Band mit hinein fliessen liess.»

In «Hundert Lügen» geht es um die Geschwister Manon und Kris, die man als unzertrennlich bezeichnen kann. Eines Tages in einem Sommercamp nimmt ihre unbeschwerte Kindheit ein brutales Ende. Die Familie zerbricht, ihre Leben driften in den Jahren danach auseinander. Verdächtigungen. Anschuldigungen. Lügen. Und am Ende aller Lügen wartet unbarmherzig die Wahrheit.5