REGION: Most könnte knapp werden

Obwohl die Mostobsternte voraussichtlich sehr schlecht wird, sehen die regionalen Produzenten davon ab, die schlechteren Erträge durch Importe auszugleichen. Die Qualität stimme nicht, sind sie überzeugt.

Katharina Rutz
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Im Werdenberg dürfte das Mostobst knapp werden, schweizweit wird sich die Menge aber wohl ausgleichen. (Bild: Hannes Thalmann)

Im Werdenberg dürfte das Mostobst knapp werden, schweizweit wird sich die Menge aber wohl ausgleichen. (Bild: Hannes Thalmann)

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Genau wie beim Tafelobst und den Rebstöcken wird auch beim Mostobst mit massiven Ernte­ausfällen gerechnet. Dies wegen des Frostes im Frühjahr (der W&O berichtete).

Mathias Vetsch von der Grabser M. Vetsch AG schätzt, dass es sicher «ein Stück weniger» Mostobst geben wird in diesem Herbst. Während die frühen Tafelobstsorten schon bald aktuell sind, beginnt das Mostobst erst im September. Die genaue Menge abzuschätzen sei sehr schwierig. Denn die Menge an Obst, die Mostereien oder Brennereien letztlich er­halten, hängt nicht nur von den Launen der Natur ab, sondern auch vom Verhalten der Bauern. «Früher war es selbstverständlich, dass man Obstbäume ab­geerntet hat, heute hingegen nicht mehr», sagt Hansruedi Wirz, Präsident des Produktezentrums Kirschen/Zwetschgen des Schweizer Obstverbandes. Vielfach ­laufe die Brennzwetschgenernte auf den Betrieben nebenher: Hat ein Bauer gerade Zeit, pflückt er die Brennfrüchte; gibt es wichtigere Arbeiten zu erledigen, bleibt das Obst hängen, erklärt er. Dies verhalte sich auch mit dem Mostobst ähnlich, bestätigt Mathias Vetsch.

Schlechte Qualität bei den Importen

Er geht dennoch davon aus, dass er auch in dieser Saison genügend Most anbieten kann. «Wir werden aber wahrscheinlich den von uns produzierten Most für den eigenen Verkauf ­benötigen», prognostiziert er. Andere Jahre verkauft er rund 20 000 bis 30 000 Liter Most an Grosshändler weiter. «Dies wird wohl dieses Jahr nicht möglich sein», so Vetsch. An einen Import denkt Vetsch dennoch nicht. «Die Qualität des importierten Mostobstes stimmt nicht», sagt er. «Mein Vater hat das vor Jahrzehnten einmal gemacht, aber es ist besser, es nicht zu tun», ist er überzeugt.

Dies bestätigt Obstbauer Florian Vetsch aus Grabs. Er verzichtet ebenfalls wegen mangelnder Qualität auf einen Import. «Die Konsumenten bemerken das ­andere Aroma. Dies haben mir ­einige Kunden bestätigt, die beispielsweise aus dem Thurgau hierher kommen, um meine Produkte zu kaufen», sagt er. Mostobst werde es dieses Jahr sicher zu wenig geben. «Bei den Äpfeln wird es nur rund 30 Prozent des üblichen Ertrages geben und bei den Birnen noch weniger.»

Auch der Grabser Landwirt Andreas Gantenbein sagt eine «ganz schlechte» Mostobsternte voraus: «Unsere 90 Hochstammbäume stehen in der Ebene und es wird sehr wenig Ertrag geben.» Den Most verkauft er im eigenen Hofladen. Dieses Jahr werde er möglicherweise von der Mosterei Zogg, die sein Mostobst verarbeitet, noch zusätzlichen Süssmost kaufen. Sonst könne es knapp werden. Seiner Meinung nach wird es nicht nötig sein, Mostobst zu importieren. «Über die ganze Schweiz gesehen, wird sich das Angebot ausgleichen», sagt ­Gantenbein. «Importiert wird ohnehin eher Most selber und da vor allem neu entwickelte Produkte», sagt er.