REGION: Massnahmen gegen Mangel ergriffen

Statistisch gesehen sind in den Wahlkreisen Werdenberg und Toggenburg genug Spezialärzte vorhanden. Dennoch zeigt sich in der Realität ein anderes Bild: Viele Frauen haben Mühe, einen Termin beim Gynäkologen zu bekommen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Julia Kaufmann
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Gemeinden und der Kanton sollen ländliche Regionen St. Gallens attraktiver machen.Bild: (Bild: Sven Bähren)

Gemeinden und der Kanton sollen ländliche Regionen St. Gallens attraktiver machen.Bild: (Bild: Sven Bähren)

Julia Kaufmann

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Aus Sicht des Kantons St. Gallen besteht in den Wahlkreisen Werdenberg und Toggenburg kein Mangel an Spezialärzten. Für die rund 86 000 Bewohner stehen insgesamt acht Gynäkologen und Gynäkologinnen zur Verfügung. Davon sind fünf im Werdenberg und drei im Toggenburg niedergelassen. Somit wird die Empfehlung des Bundes eingehalten und «daher ist rein auf dem Papier keine Unterversorgung aus­zu­machen», sagt Kantonsärztin ­Danuta Reinholz.

Dennoch zeigt das Empfinden vieler Frauen ein anderes Bild auf: Viele haben gerade in der Ferienzeit Mühe, einen Termin beim Gynäkologen für Sprechstunden oder Jahresvorsorgeuntersuchungen zu erhalten. Laut Reinholz hat dieser Mangel verschiedene Gründe.

Lockerung des ­Zulassungsstopps möglich

«Der Zulassungsstopp, der vom Kanton St. Gallen erlassen wurde, hat auf die Unterversorgung an Spezialärzten keinen Einfluss», so die Kantonsärztin. Denn dieser gilt lediglich für Ärzte aus dem Ausland, die weniger als drei ­Jahre in einer Praxis oder Klinik in der Schweiz tätig waren. Zudem ist dieser nicht zwingend auszuführen.

Denn es besteht die Möglichkeit einer Lockerung der Verordnung: «Wenn es darum geht, eine Bewilligung zu erteilen oder zu verweigern, wird stets die Region der gewünschten Niederlassung des betreffenden Arztes in Augenschein genommen. Anschliessend nehmen wir Kontakt mit der dortigen Ärztevereinigung auf, um uns nach der aktuellen Situation zu erkundigen. Somit erhalten wir die nötige Übersicht, um eine ­korrekte Entscheidung zum Wohl der Patienten zu treffen», erklärt Reinholz weiter. Wenn tatsächlich ein Mangel an Spezialärzten vorliege, so könne die Zulassung trotzdem erteilt werden.

Netzwerk für angehende Ärzte geschaffen

Die Faktoren, weshalb ein Ärztemangel wahrgenommen wird, präsentieren sich vielfältig: Ur­bane Gegenden sind attraktiver und auch die «Anspruchshaltung der Frauen variiert sehr stark. Diejenigen, die einen schnelleren und näheren Kontakt mit dem Arzt wünschen, empfinden den Mangel wohl als schwerwiegender», sagt Reinholz. Diese Erfahrung hat Seraina Schmid, Chefärztin der Frauenklinik Grabs, auch machen müssen. Aktuell reagieren viele Frauen verärgert und mit Unverständnis, wenn diese nicht auf Anhieb einen Termin in der Frauenklinik erhalten. Die langen Wartezeiten sind auf den zu grossen Andrang während der Sommermonate zurückzuführen. Die meisten Praxen der Region machen Betriebsferien und stellen keine Ferienvertretung bereit (vgl. Titelseite).

Um aktiv der Unterversorgung an Gynäkologen entgegenzuwirken, verfolgt der Kanton eine ähnliche Strategie wie die Frauenklinik Grabs in Zusammenarbeit mit derjenigen in Walenstadt. «Mit den regionalen Ärzteverbänden stehen wir im regen Austausch, um gemeinsame Massnahmen auszuarbeiten. Ein Beispiel hierfür ist das Ausbildungsnetzwerk für Gynäkologen sowie für andere Spezialärzte», sagt die Kantonsärztin. In diesem Netzwerk erhalten angehende Mediziner während ihres Master­studiums die Möglichkeit, erste Kontakte mit praktizierenden Ärzten zu knüpfen sowie den Einblick in eine Praxis zu erhaschen. «Damit versuchen wir, die jungen Ärzte an Regionen zu binden. Zum Bleiben können wir sie aber nicht zwingen», erklärte Reinholz.

Ländlicher Standort attraktiver machen

Nach Meinung der Kantonsärztin läge es ebenfalls an den jeweiligen Gemeinden, den Ärzten ihren Standort schmackhaft zu machen: «Sie nehmen eine wichtige Funktion in der Behebung dieser Unterversorgung ein. Vonseiten der Gemeinden sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Spezialärzte zur ­Niederlassung in ihrer Region animieren.»

Umgesetzt werden kann dies beispielsweise durch den Aufbau einer Praxis, in der Ärzte von der Gemeinde zu guten Konditionen Praxisräume erhalten. Dadurch würden die Mediziner finanziell entlastet werden.