REGION: Lokal sehr hohe Winterverluste

Ein ungewöhnliches Bild trafen die regionalen Imker in diesem Frühjahr auf ihren Bienenständen an. Entweder gab es sehr kleine Verluste oder ungewöhnlich grosse. Ein Dazwischen gab es nicht.

Katharina Rutz
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Bei schönen Wetter haben die Bienen viel zu tun mit dem Sammeln von Pollen, Nektar und Wasser. (Bild: PD)

Bei schönen Wetter haben die Bienen viel zu tun mit dem Sammeln von Pollen, Nektar und Wasser. (Bild: PD)

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Manch ein Imker erlebte dieses Frühjahr bei der Kontrolle auf seinem Bienenstand eine böse Überraschung. Denn bei einzelnen Imkern haben nur wenige Völker den Winter überlebt. «Einige Imker mussten Verluste von 30 bis 70 Prozent ihrer Völker hinnehmen», sagt Lorenz Huber, Bieneninspektor und Berufsimker aus Gams. Andere Imker hätten nur ganz wenige Verluste gehabt. «Es gab nur schwarz oder weiss, dazwischen gab es nichts», sagt er. Dies ist ein ungewöhnliches Phänomen, welches sich laut Lorenz Huber nicht nur im Werdenberg zeigt, sondern auch im Fürstentum Liechtenstein und Vorarlberg.

Ein Imker muss mit bis zu zehn Prozent Völkerverlust rechnen. «Das ist normal», so Huber. Die punktuell grossen Winterverluste von diesem Jahr erscheinen selbst dem sehr erfahrenen Imker etwas «unheimlich», wie er gegenüber dem «Werdenberger & Obertoggenburger» sagt. Die Gründe lassen sich nicht mit Sicherheit feststellen. Doch der Bieneninspektor vermutet, dass die Varroamilbe dafür verantwortlich ist. Dieser Schädling entwickelt sich in der Bienenbrut und überträgt eine Vielzahl von Viren auf die jungen Bienen. Da der Imker nicht weiss, wie viele und welche Viren die Varroamilben in seinen Bienenvölkern übertragen, ist die Gefahr unberechenbar.

Starke Rückinvasion mit Varroamilben

Normalerweise bekämpft ein Imker den Schädling im Hochsommer nach der Honigernte sowie im Winter in der brutfreien Zeit beispielsweise mit Säuren. Letztes Jahr gab es überdurchschnittlich viele Bienenschwärme. Diejenigen, welche nicht von den Imkern eingefangen wurden, haben sich selber eine Behausung gesucht und ein neues Volk begründet. Diese unbetreuten Bienenvölker werden nicht gegen die Varroamilbe behandelt. Dort kann sie sich also ungehindert vermehren. Im Herbst gehen diese Völker aber häufig mangels Futter oder durch die Überbelastung mit den schädlichen Milben ein. Einige der Bienen finden dann den Weg zurück in die Bienenvölker der Imker und bringen die ungeliebten Gäste wieder mit. «Diese Rückinvasion mit Varroamilben könnte ein Grund für die hohen Winterverluste gewesen sein», sagt Lorenz Huber. Auch eine falsche Behandlung der Varroamilben, sei dies mit einem unpassenden Mittel oder zum falschen Zeitpunkt, könne für die Winterverluste verantwortlich sein. Neben der Varroamilbe kann auch der Tod der Königin für den Verlust eines Volkes über den Winter verantwortlich sein. In manchen Fällen verliert die Wintertraube, in der sich die Bienen zusammenschliessen um sich warm zu halten, auch den Anschluss an die Futterwaben weiter hinten im Stock. Diese beiden Fälle seien aber seltener der Grund für die Winterverluste, ist Lorenz Huber überzeugt.

Mögliche Massnahmen gegen Varroa ergreifen

Während in diesen Tagen der Frühling im Werdenberg Einzug hält, sind die Bienen sehr fleissig. Die Königin legt viele Eier und das Volk wächst sehr schnell. Die Arbeiterinnen sammeln nun intensiv Pollen, Nektar und Wasser. Für den Imker heisst dies, die Futtervorräte seiner Völker zu kontrollieren. Ebenfalls muss er die Varroadichte gut im Auge behalten. Bieneninspektor Lorenz Huber rät den Imkern, die in dieser Zeit wenigen möglichen Massnahmen gegen die Milben zu ergreifen.

Eine davon ist das Bilden von sogenannten Ablegern. Dabei wird das Volk geteilt und das Ablegervolk muss eine neue Königin nachziehen. Dies führt zu einer brutfreien Phase, in der eine Behandlung mit Säure im Volk zu einem kurzen Zeitpunkt möglich wird.