REGION: Kritik an Pausenmilch-Aktion

Was ursprünglich als Pilotversuch begann, konnte dieses Jahr zum 17. Mal stattfinden. Kürzlich ist in den Schulen «Pausenmilch» ausgeschenkt worden. Allerdings übten diesmal zwei Verbände Kritik.

Silvia Frick
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Pausenmilch ist begehrt: Michaela Aebi und Anita Hanselmann beim Ausschank in der Schule Sennwald. (Bild: PD)

Pausenmilch ist begehrt: Michaela Aebi und Anita Hanselmann beim Ausschank in der Schule Sennwald. (Bild: PD)

Silvia Frick

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«Tag der Pausenmilch» am 7. November 2017. Kindergarten und Unterstufe. Eine Aktion der Schweizerischen Milchproduzenten SMP, Swissmilk, der Stiftung Pausenmilch und des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SBLV): Diese Meldung ging auch dieses Jahr an alle Schulgemeinden – und neu auch an Kitas und Kinderhorte. «3000 Schulen und zusätzlich 280 Kitas führten diese Aktion durch», bestätigt die Swissmilk-Marketingstelle auf Anfrage.

In der Region Werdenberg nutzten zehn Schulen dieses Angebot, im St. Galler Rheintal sogar 26 Schulen. Das Resultat: Schweizweit sind 344 807 Becher Pausenmilch an die Kinder ausgeschenkt worden.

Landfrauen als Milchbotschafterinnen

Als die Pausenglocke läutete, fanden sich die Schüler sehr schnell am Pausenmilchstand ein, wo sie einen Becher Milch erhielten. Sie durften Rohmilch, aber auch Milch mit Ovomaltine- oder Erdbeeraroma geniessen. Milch ist in der Schweiz ein natürliches Produkt unserer Nahrungskette.

Swissmilk propagiert: «Milch ist eine gesunde, praktische, vitamin- und kalziumreiche Pausenverpflegung. Sie ist unerlässlich für starke Knochen und einen wachen Geist. Sie tut dem Körper gut und bietet auch Gehirn und Nerven alle notwendigen Stoffe, um konzentrierte Kopfarbeit zu leisten.» Für Kinder sei eine gesunde Ernährung in der Schule und beim Spielen besonders wichtig: «Kinder sollten täglich drei Portionen Milch konsumieren, zum Beispiel: ein Glas Milch, ein Joghurt und ein Stück Käse. Für Erwachsene gilt das übrigens auch.»

Zwei Gruppierungen üben harsche Kritik

Aber offensichtlich denken nicht alle gleich. Deutliche Kritik am Pausenmilchtag brachten die Vegane Gesellschaft Schweiz und der Schweizerische Verein gegen Tierfabriken (VgT) an. Beide Gruppen propagieren eine Ernährungsumstellung. Der VgT die vegetarische Ernährung (fleischlos), die Vegane Gesellschaft Schweiz eine Ernährung ohne jegliche Tierprodukte, also auch ohne Milch. Zudem beteuern beide die Meinung, unsere Nutztierhaltung werde zur Nahrungsmittelproduktion regelrecht missbraucht, und dies unter schlimmsten Umständen.

Unter dem Titel «Kritisches zum Tag der Pausenmilch» verschickte der VgT ein E-Mail an rund 13 590 Lehrer in der Schweiz. Swissmilk würde behaupten, Milch sei gesund, vitamin- und kalziumreich. Es sei aber bekannt, dass man diese Vitamine besser aus pflanzlichen Nahrungsmitteln beziehen solle, denn die Milch sei belastet mit Umweltschadstoffen, Hormonen, Antibiotika und Eiterrückständen, schrieb der VgT. Studien hätten mehrfach belegt, dass in Ländern mit hohem Milchkonsum Zivilisationskrankheiten viel öfter vorkämen. Und damit eine Kuh Milch bringe, müsse sie jedes Jahr schwanger werden. Das Kälbchen werde der Mutter aber gleich danach entrissen, und die Kühe selber würden schon nach vier bis fünf Jahren, wenn sie weniger Milch gäben, zum Schlachthof geführt.

Die Vegane Gesellschaft der Schweiz veröffentlichte ihre Kritik auf ihrer Website. Sie findet, die Schweizer Bevölkerung konsumiere zu viele Tierprodukte. Den Pausenmilchtag bezeichnet sie «als reine Werbekampagne, die auf die am leichtesten zu beeinflussende Zielgruppe (Kinder) losgelassen» werde. Die Milch selber nennt sie «vermeintliches Wundermitteli Kuhmilch» und hält dazu fest: «Die Milch macht keine starken Knochen. Zudem ist das Nichthinweisen auf Pflanzendrinks (Soja, Hafer, Reis usw.), welche frei von Cholesterin und ungesundem tierischem Fett und Eiweiss sind, in der heutigen Zeit rückständig und inakzeptabel.» Und zur Umwelt schreibt die Vegane Gesellschaft Schweiz, Soja für pflanzliche Drinks werde in Europa angebaut, es würden dafür nicht, wie fürs Kraftfutter von Vieh, Urwälder vernichtet.

Swissmilk nimmt Kritik zur Kenntnis

Swissmilk hat vor allem aus den Gebieten Basel/Basel-Land und aus der Ostschweiz kritische Rückmeldungen zur Pausenmilch-Aktion erhalten. Das bestätigt Daniela Carrera, Projektleiterin von «Schulen und Pausenmilch». Andersdenkende Institutionen nähmen gern kritisch Stellung zu Anlässen rund um Tiere und Tierprodukte. So würden sie ihr Gedankengut in die Gesellschaft tragen. Deshalb hätten sie im Vorfeld der Aktion vom 7. November die Pausenmilch-Verteilstellen kritisch angeschrieben.

Trotz der Kritik der beiden Gruppierungen im Vorfeld war der traditionelle Pausenmilchtag an den Schulen auch diesmal ein Erfolg.