REGION: Kontrolle von Hut bis Stiel

In der Region Werdenberg gibt es rund 4500 verschiedene Pilzsorten. Davon sind allerdings nur rund 200 essbare Arten, und die Verwechslungsgefahr mit Giftpilzen ist gross. Ein Gang zur Pilzkontrollstelle lohnt sich also.

Julia Kaufmann
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Steinpilze gehören zu den beliebtesten Pilzen, die in den Wäldern gesammelt werden. (Bild: Simone Werner-Ney)

Steinpilze gehören zu den beliebtesten Pilzen, die in den Wäldern gesammelt werden. (Bild: Simone Werner-Ney)

Julia Kaufmann

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In der Regel gelten die Monate September und Oktober als Hochsaison für Pilze. Doch wenn es das Klima zulässt, können die ersten Pilzsammler auch schon in diesen Tagen im Wald fündig werden. Denn feuchtwarmes Wetter wie in jüngster Zeit lässt viele Speisepilze regelrecht aus dem Boden schiessen, weiss auch Notta Tischhauser, Pilzkontrolleurin der Stadt Buchs: «Das Wetter hat ­einen grossen Einfluss auf das Vorkommen von Pilzen. Dabei ist vor allem eine hohe Luftfeuchtigkeit wichtig.» Für viele Speisepilzarten sei es trotz gegebenen klimatischen Bedingungen noch zu früh. Angefressene Sammler sind dennoch bereits in den Wäldern mit ihrem «Körbli» unterwegs.

Tischhauser warnt jedoch vor einer möglichen Verwechslungsgefahr und rät zum Aufsuchen einer Pilzkontrollstelle nach dem Sammeln.

Lediglich 200 Speisepilzarten vorhanden

Seit dem 22. Juli hat die Pilz­kontrollstelle in Buchs geöffnet und bislang durfte die Pilzkontrolleurin schon mehrere Kontrollscheine ausfüllen. «Zurzeit sind vor allem Täublinge zu finden. Von dieser Gattung gibt es ungefähr 150 Arten», so die Expertin. Obwohl die diesjährige Pilzsaison noch jung ist, musste Tischhauser bereits erste ungeniessbare Pilze von Kunden der Kontrollstelle einziehen. «Manche wollen wissen, um was für eine Art Pilz es sich handelt, weshalb sie diese zu mir bringen. Andere haben ­giftige oder ungeniessbare Pilze mit Speisepilzen verwechselt», erklärt die Fachfrau.

Nicht alle Pilze, die nicht in die Kategorie der Speisepilze gehören, sind automatisch giftig. Unter den 4500 in der Region vorhandenen Sorten sind auch viele, die schlichtweg ungeniessbar sind. Ausserdem wird in der Kategorie der Giftpilze in hochgiftige, also tödliche Pilze, und giftige und somit gefährliche ­Arten unterschieden.

Erkennungsmerkmale zwingend beachten

Wer zur Gruppe der leidenschaftlichen Pilzsammler gehört, kann sich kaum eingrenzen lassen. Laut Tischhauser haben sowohl junge Familien dies als Hobby für sich entdeckt wie auch Ältere. «Wichtig ist lediglich, dass sich ‹Pilzler› mit der Materie ein ­wenig auskennen», so die Pilzkontrolleurin.

Ansonsten kann es durchaus gefährlich werden. Denn generell gilt, dass es sowohl zum Steinpilz wie auch beinahe jedem anderen essbaren Pilz ein giftiges bis hochgiftiges Pendant gibt. Die Unterscheidungsmerkmale zwischen diesen sind oft nur mit einem geschulten Auge zu erkennen. Bei einer Kontrolle achtet die Expertin unter anderem auf zehn Faktoren, die von Hut bis Stiel des Pilzes untersucht werden müssen. Zur Erkennung der Pilzsorte ist die Betrachtung des Untergrundes, auf dem er wächst, ebenfalls ­nützlich.

Pilze kommen und gehen in unregelmässigen Abständen

Über genaue Zahlen der jeweiligen Bestände kann Tischhauser derzeit noch keine Auskunft geben. Der Jahresbericht wird erst im Januar kommenden Jahres verfasst. Doch über das Auf­tauchen neuer Pilzarten weiss sie: «In diesem Sinne gibt es nicht völlig neue Arten, sondern es sind solche, die schon lange nicht mehr in der Region aufgetaucht sind». Ein Beispiel: der drei­farbige Krempenritterling, den sie über 18 Jahre lang nicht mehr ­gesehen hat.

Die beliebteste Pilzsorte unter Sammlern sei nach wie vor der Steinpilz. Ab Juni bis in den Herbst hinein kann diese Art ­gepflückt werden. Ebenfalls weit oben in der Beliebtheitsskala ­stehen Morcheln, die von März bis Juni aus dem Boden spriessen ­sowie Eierschwämmen, die ab Juni zu geniessen sind. «Für ­‹Pilzler› ist übrigens auch wichtig, dass das Sammeln von Pilzen ­jeweils in den ersten zehn Tagen jeden Monats verboten ist», so Tischhauser gegenüber dem W&O abschliessend. Diese Regelung wurde bereits vor langer Zeit eingeführt, um der Natur Ruhe zu verschaffen.