REGION: Jahrbuch durchlebt eine schwierige Phase

Das belastete Verhältnis zwischen dem Redaktionsleiter und der Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung der Region Werdenberg (HHVW) als Herausgeberin des Werdenberger Jahrbuchs ist irreparabel. Beide Seiten fühlen sich im Recht.

Heini Schwendener
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Da war die Welt noch in Ordnung: Bei der Präsentation des Werdenberger Jahrbuchs 2014 arbeiteten Hansjakob Gabathuler, Susanne Keller-Giger und Redaktionsleiter Hans Jakob Reich (von links) noch zusammen. (Bild: Heini Schwendener (6. Dezember 2013))

Da war die Welt noch in Ordnung: Bei der Präsentation des Werdenberger Jahrbuchs 2014 arbeiteten Hansjakob Gabathuler, Susanne Keller-Giger und Redaktionsleiter Hans Jakob Reich (von links) noch zusammen. (Bild: Heini Schwendener (6. Dezember 2013))

Heini Schwendener

heini.schwendener@wundo.ch

Eine Folge dieser Querelen ist, dass das Werdenberger Jahrbuch 2018 nicht wie geplant nächsten Dezember, sondern erst im Herbst 2018 erscheinen wird (vgl. W&O vom 23. September). Allerdings nicht mehr unter der Redaktionsleitung von Hans Jakob Reich, wie dies die HHVW-Mitgliederversammlung 2016 beschloss. Denn zwischen Reich und dem HHVW-Vorstand kam es zwischenzeitlich zum Bruch.

Differenzen gab es viele ­zwischen den beiden Parteien. Das Fass zum Überlaufen brachte die Gründung der Gesellschaft für Werdenberger Geschichte und Landeskunde (WGL). «Hans Jakob Reich hat mit der Gründung und Co-Leitung eines Konkurrenzvereins seine arbeitsvertragliche Treuepflicht gegenüber der HHVW verletzt», schreibt HHVW-Prä­sidentin Susanne Keller-Giger und fügt an: «Dem Vorstand, der ­keinerlei Einblick in den ak­tuellen Band hat, fehlte das Vertrauen nun endgültig, das Projekt weiterhin uneingeschränkt in die Hände des bisherigen Redaktionsleiters zu legen.» Reich wurde die Entscheidungskompetenz ent­zogen.

Vereinsgründung eine unnötige Provokation?

Hans Jakob Reich kontert, die WGL verfolge nicht ganz den­selben Zweck. «Sie will im Wesentlichen das weiterführen, was der Jahrbuchredaktion vom HHVW-Vorstand und von der HHVW-Mitgliederversammlung 2017 verwehrt wird, nämlich die Fortführung der publizistischen Tätigkeit auf dem hohen bisherigen Niveau des Werdenberger Jahrbuchs.» Es gebe klare Anzeichen, dass der HHVW-Vorstand dieses Niveau nicht halten wolle. «So wurde allein aus der Sorge, eine fundierte, weit über die Region hinaus geachtete und geschätzte historisch-landeskundliche Publikation jenseits des Mainstreams zu verlieren», die WGL gegründet, so Reich. Diese zählt bereits rund 80 Mitglieder. Reich stellt in Abrede, damit die HHVW bewusst provoziert zu haben, «wir folgten damit dem Wunsch, möglichst schnell öffentlich aufzuzeigen, wie es weitergehen wird.»

Total gegensätzlich sind die Meinungen auch darüber, wer nun wem fristlos gekündigt habe. Reich äussert sich in seiner Stellungnahme gegenüber dem W&O zu einer Reihe von «Ungenauigkeiten, Vernebelungen, Verbiegungen und postfaktischen Behauptungen» des HHVW-Vorstandes im Schreiben an seine Mitglieder. Der Entzug sämtlicher Entscheidungskompetenzen durch den Vereinsvorstand komme faktisch einer fristlosen ­Kündigung gleich, schreibt Reich. Zumal er auf seinen Auftrag der ­Mitgliederversammlung ver­wiesen und dem HHVW-Vorstand eine Frist eingeräumt habe, um den Entscheid rückgängig zu machen.

Die HHVW sieht das anders: Der Entzug der Entscheidungskompetenzen sollte bis zum Beschluss einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung gelten. «Allerdings war Hans Jakob Reich nicht bereit, bei einer Anpassung seiner Kompetenzen das laufende Buchprojekt noch zu Ende zu führen und hat sein Arbeitsverhältnis fristlos gekündigt», schreibt HHVW-Präsi­dentin Keller-Giger dazu, und weiter: «Damit wurde ein Vereinsentscheid überflüssig.»

Der HHVW-Vorstand entschied danach selbstständig, dass der 31. Jahrgang des Werden­berger Jahrbuchs erst im Herbst 2018 erscheint, aber unter einer neuen Redaktion. «Sie wird dabei an Bewährtes anknüpfen wie auch eigene Ideen in die Publikation einfliessen lassen», schreibt die Vereinspräsidentin. Die Leserschaft dürfe sich weiterhin auf ein sorgfältig gestaltetes, gebundenes Buch freuen, unter anderem mit den beliebten Thementeilen Werdenberger Chronik und der Liste der Verstorbenen.

Reich wehrt sich gegen den Vorwurf, als Redaktionsleiter alles im Alleingang bestimmt zu haben, das Redaktionsteam sei immer einbezogen worden.

Gibt es ein juristisches ­Nachspiel?

Beide Seiten bezichtigen sich gegenseitig der Verletzung der Treuepflicht. Gibt es ein juris­tisches Nachspiel? Aus seiner Sicht nicht, sagt Hans Jakob Reich. ­Susanne Keller-Giger beantwortet die Frage nicht, denn sie schreibt: «Die HHVW wendet den Blick nun der Zukunft zu. Im Herbst 2018 wird das Werdenberger Jahrbuch 2018 vorliegen.» Hoch motiviert habe die neue Redaktion ihre Arbeit aufgenommen.