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REGION: «Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben»

Das Kreisgericht spricht einen Raser schuldig, der gleich mehrfach eingebrochen und gestohlen hat. Der IV-Bezüger muss nun ein Jahr ins Gefängnis, dahinter steht die Tragik des Drogenkonsums.
Reinhold Meier

Reinhold Meier

redaktion@wundo.ch

Die Anklage hatte dem Mittvierziger vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland drei Diebstähle an Tatorten zwischen Bad Ragaz und St. Gallen vorgeworfen. Dabei war er in Wohn- oder Geschäftshäuser eingebrochen und hatte insgesamt 6800 Franken eingesteckt, namentlich Bargeld aus Schränken und Portemonnaies. Zwei weitere Einbrüche in der Region waren zwar fehlgeschlagen, kosteten aber gleichwohl 2600 Franken.

Zudem legte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten mehrere schwere Verkehrsdelikte zur Last, begangen mit einem Motorrad. So war er gleich dreimal mit «massiv übersetzter Geschwindigkeit» aufgefallen. So etwa einmal innerorts mit mehr als 80 Stundenkilometern, ein anderes Mal in der 30er-Zone mit mehr als 60 und zuletzt ausserorts mit rund 120 Stundenkilometern. Kam hinzu, dass er weder einen Führerausweis besass noch einen Versicherungsschutz. Die Kontrollschilder hatte er sich jeweils zuvor widerrechtlich besorgt und missbräuchlich verwendet.

Der Angeklagte zeigte sich geständig und ratlos

Beinahe filmreif waren auch die jeweiligen Umstände der Verkehrsdelikte. Beim ersten Fall konnte ihn die Polizei erst nach einer wilden Verfolgungsjagd schnappen, nachdem er sich in einem Busch versteckt hatte. Eine Untersuchung ergab dann, dass er zudem vollkommen fahrunfähig war, weil er Morphin, Codein, Kokain und Methadon konsumiert hatte. Beim zweiten Mal entwischte er der Polizei, indem er mehrere rote Ampeln missachtete, und im dritten Fall wurde er schliesslich per Blitzerfoto überführt.

Der Beschuldigte zeigte sich von Anfang an vollumfänglich geständig und bestätigte dies auch bei der Befragung an Schranken. Dabei wurde zugleich die Tragik seines langjährigen Drogenkonsums offenbar, erwiesen sich die vielfachen Gesetzesbrüche doch weniger als Zeugnis angsteinflössender Kriminalität, sondern viel eher als solche fehlenden Studierens. «Die Impulsivität ist mein Verhängnis», bekannte der Angeklagte denn auch ohne Umschweife und verwies auf Enttäuschungen und Ärger, die den Taten jeweils vorangegangen waren. Andererseits habe er in Therapien viel gelernt und seine Unüberlegtheit bereits viel besser im Griff als vor Jahren, ergänzte er. Dies, nachdem ihm der Richter ein Dossier von der Dicke eines stattlichen Romans vorgehalten hatte, das die Dokumente seiner zahlreichen Vorstrafen enthielt.

«Die Hoffnung noch nicht aufgegeben»

«Warum kriegen Sie die Beine nicht auf den Boden?», fragte er eindringlich nach. «Das frage ich mich manchmal auch», lautete die entwaffnende Antwort. Aber eben, er sei auf gutem Weg, erklärte er, die Delikte würden immer kleiner als auch schon und therapeutische Hilfe habe er von sich aus wieder gesucht. «Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.»

Dem pflichtete sein Verteidiger bei und betonte, dass sich sein Klient Mühe gebe, aber noch nicht am Ziel sei. «Er ist weniger impulsiv, auch wenn vieles noch nicht optimal ist.» Doch der Drogenkonsum sei im Vergleich zu früher deutlich zurückgegangen, was die Prognose günstiger erscheinen lasse. Das Urteil erging schliesslich im abgekürzten Verfahren im Sinne des gemeinsamen Vorschlags von Anklage und Verteidigung. So resultierte ein Jahr Haft unbedingt, eine Geldstrafe über 300 Franken und eine Busse von 500 Franken, dazu wird er auf Zivilforderungen von mehr als 6200 Franken behaftet. Ferner fällig werden die Kosten des Verfahrens von rund 16500 Franken. «Sie wissen, wie spät es ist», schrieb der Richter dem Mann ins Stammbuch. Und: «Wenn Sie die Sucht in den Griff bekommen, kommt auch Ihr übriges Leben gut.»

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