REGION: «Häuser werden zu Kraftwerken»

Die Säntis Energie AG entstand in der heutigen Form im Jahr 2013 durch den Zusammenschluss von zwei Traditionsunternehmen. Ein Gespräch mit Geschäftsleiter Marc Zysset über die Herausforderungen eines Energieunternehmens.

Adi Lippuner
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Marc Zysset, Geschäftsleiter Säntis Energie AG, neben der Smart Flower. (Bild: Adi Lippuner)

Marc Zysset, Geschäftsleiter Säntis Energie AG, neben der Smart Flower. (Bild: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

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25 Jahre Engagement im Werdenberg und über 100 Jahre im Toggenburg kann das Unternehmen vorweisen. Erdgas spielt dabei noch immer die Hauptrolle

Marc Zysset, Ihr Unternehmen, zu Beginn vorwiegend im Bereich Gasversorgung tätig, ist seit 25 Jahren im Werdenberg aktiv. Was bedeutet diese Region für die Säntis Energie AG?

Entstanden ist die damalige Gasversorgung als Folge des industriellen Bedürfnisses, vor allem der Firma Kauf AG. In der Folge haben sich weitere Industriebetriebe in der Region für Erdgas als Energieträger entschlossen, und auch heute besteht eine hohe Dichte an produzierender Industrie bei unserer Kundschaft. Im Laufe der Jahre wurde das Netz kontinuierlich ausgebaut, um auch Besitzer von Liegenschaften mit Erdgas und Biogas versorgen zu können. Heute verfügen wir über ein modernes, gut ausgebautes Netz und stellen erfreut fest, dass sich immer mehr Hausbesitzer zu einem Anschluss ans Erdgasnetz entschliessen. Die meisten Neukunden sind Hausbesitzer, die ihre Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzen.

In Trübbach wird eine Erdgas/Biogas-Tankstelle betrieben. Ist diese Antriebsform bei Automobilisten gefragt oder laufen Elektro- und Hybridfahrzeuge den mit Gas betriebenen Autos den Rang ab?

Rein statistisch gesehen sind alternative Antriebssysteme auf dem Vormarsch. Aber wenn die nackten Zahlen betrachtet werden, spielen Benzin und Diesel immer noch die Hauptrolle. Von allen Neuzulassungen im Jahr 2016 waren lediglich zwei Prozent alternative Antriebe und dabei spielt Gas eine kontinuierliche Rolle auf tiefem Niveau. Dank diverser neuer Modelle eines deutschen Autoherstellers, wird die Präsenz von erdgasbetriebenen Fahrzeugen derzeit verstärkt. Denn eines ist klar: Kaum jemand stellt den Antrieb an die erste Stelle seines Kaufentscheides. Zuerst werden alle anderen Bedürfnisse gedeckt, und wenn es dann noch passt, wird eventuell über einen alternativen Antrieb nachgedacht.

Wenn Sie die Entwicklung der Energieversorgung und -nutzung der letzten 25 Jahre analysieren, zu welchem Schluss gelangen Sie?

Heute, wie auch vor 25 Jahren, wird immer noch extrem viel Energie verbraucht und dies entgegen jeglicher Erwartungen und Prognosen. Zudem ist Energie heute so preisgünstig wie nie.

Welche Auswirkung hat die Energiestrategie 2050 des Bundes auf Ihre tägliche Arbeit?

Zur Klärung: Es wird zwar von einer Energiestrategie 2050 gesprochen, ein schriftliches Dokument «Energiestrategie 2050» gibt es derzeit jedoch nicht. Der Bundesrat hat lediglich Hauptziele über diesen Zeithorizont festgelegt. Das erste konkrete Massnahmenpaket hat das Volk im Mai dieses Jahres mit einer deutlichen Mehrheit beschlossen. Als direkte Folge davon werden wir unsere Produkte noch mehr ökologisieren.

Das heisst?

Ein Beispiel ist die höhere Beimischung von Biogas zum Erdgas. Biogas wird aus Abfällen und Reststoffen gewonnen, bei der ARA in Buchs vergären wir z. B. den Klärschlamm und gewinnen damit Biogas. Im Toggenburg gibt es derzeit noch keine Anlage, die gross genug ist, um eine Einspeisung ins Gasnetz wirtschaftlich betreiben zu können.

Aus heutiger Sicht ist 2050 noch in weiter Ferne. Doch was bedeutet es für ein Unternehmen, sich für die Herausforderungen, welche in den nächsten 30 Jahren zu bewältigen sind, fit zu machen?

Ein wichtiger Grundsatz für uns ist der «best practice»-Ansatz. Dabei bieten wir einem Liegenschaftsbesitzer die heute für ihn oder für sie am besten verfügbare Lösung, planen und erstellen diese und der Nutzer bezahlt während einer festgelegten Zeit den vereinbarten monatlichen Fixbetrag. So haben Hausbesitzer das aktuell beste auf dem Markt verfügbare Heizsystem, ohne selbst grosse Investitionen tätigen zu müssen. Zudem beschäftigt uns die Frage, wie saisonale Überschussenergie gespeichert, also vom Sommer in den Winter transferiert werden kann. Ein Ansatz nennt sich «power to gas», also im Sommer Sonnen- oder Windgas zu produzieren, im Erdgasnetz zu speichern und im Winter wieder einzusetzen.

Die Solarenergie hat sich innerhalb der letzten Jahre von der belächelten Alternative zur ernst zu nehmenden Energiequelle entwickelt. Wo sehen Sie die Nutzung der Sonnenenergie in 25 Jahren?

In 25 Jahren werden Häuser selbstverständlich Strom produzieren, werden also alle kleine Kraftwerke sein. Denn bereits heute sind Solarpanels preisgünstiger als Dachziegel und auch die Fassadengestaltung mit Panels lässt kaum mehr Wünsche offen. Gefordert sind diesbezüglich die Architekten, heute befassen sich noch zu wenige mit diesen Möglichkeiten.